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Fritz schwärmt von Füllkrug: "Er wird auch der Nationalmannschaft helfen"

Niclas Füllkrugs Nominierung für die Nations League sorgt bei Werder Bremen für große Freude.

Im exklusiven Interview mit Sky Sport spricht Clemens Fritz über die Bedeutung des Stürmers für die Nationalmannschaft, die Zukunft des Torjägers an der Weser und die Rolle von Trainer Daniel Thioune beim Bremer Höhenflug.

Bundesliga · live ·
VfB Stuttgart - Werder Bremen
Samstag, ab 17:30 Uhr
live auf Sky Sport

Sky Sport: Niclas Füllkrug ist für die Nations League nominiert - angesichts seiner Treffsicherheit die einzig logische Konsequenz?

Clemens Fritz: "Seine Zahlen und Leistungen sprechen für sich. Natürlich kommt es auch auf die Planungen des Bundestrainers an. Wir befinden uns nach dem letzten Turnier in einem Umbruch. Ich freue mich besonders für Niclas, weil er sich die Nominierung mit seinen hervorragenden Leistungen absolut verdient hat. Und für Werder ist es immer etwas Besonderes, deutsche Nationalspieler in den eigenen Reihen zu haben."

Sky Sport: Besteht die Gefahr, dass Füllkrug Deutschland zur EM schießt, dann mit 35 aber nicht mehr gebraucht wird?

Fritz: "Das kann ich nicht sagen und will ich mir auch nicht anmaßen. Entscheidend sind seine aktuellen Leistungen. Offenbar spielt er in den Planungen eine wichtige Rolle. Er soll die Zeit bei der Nationalmannschaft genießen und im besten Fall mit Erfolgserlebnissen zurückkommen. Das wäre auch gut für Werder."

Sky Sport: Kann Füllkrug auch die Stimmung in der Nationalmannschaft positiv beeinflussen?

Fritz: "Absolut. Niclas bringt Energie in eine Kabine, auf den Platz und in eine Mannschaft. Er ist ein sehr positiver Typ. Das merken wir bei Werder jeden Tag. Ich bin überzeugt, dass er auch für die Nationalmannschaft einen absoluten Mehrwert haben wird."

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Sky Sport: Wann wussten Sie, dass dieser Füllkrug-Effek bei Werder funktionieren würde?

Fritz: "Es gab vor der Saison sicherlich Skeptiker. Aber ich kenne Niclas, seine Einstellung und seine intrinsische Motivation. Ich weiß, wie akribisch er sich auf Training und Spiele vorbereitet. Deshalb wusste ich, was wir bekommen. Dass es gleich so gut laufen würde, konnten wir natürlich nicht erwarten. Aber ich hatte nach unseren Gesprächen ein sehr positives Gefühl."

Sky Sport: Daniel Thioune hat beobachtet, dass andere In Füllkrugs Windschatten wachsen. Wie verhindert man, dass manche es sich dort gemütlich machen?

Fritz: "Unsere jungen Spieler können sich von Niclas' Einstellung und seinem Mindset sehr viel abschauen. Gleichzeitig haben wir eine stabile Achse aus Führungsspielern. Verantwortung muss sich auf mehrere Schultern verteilen. Gerade dann, wenn es mal nicht so gut läuft."

Sky Sport: Füllkrug kann auch anstrengend sein. Sie hatten vor Jahren einen legendären Streit mit ihm und vermutlich diskutieren Sie immer noch ab und an kontrovers. Ist er streitkulturell gereift?

Fritz: "Definitiv. Er ist viel reifer und umsichtiger geworden und hat stärker das große Ganze im Blick. Durch seine Stationen in Dortmund, bei West Ham und der AC Mailand hat er enorme Erfahrungen gesammelt. Er kann Entscheidungen heute anders einordnen und weiß sehr genau, was er und sein Körper brauchen - und auch was für die Mannschaft und den Verein richtig und wichtig ist."

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Sky Sport: War diese Entwicklung schon abzusehen, als Sie noch gemeinsam gespielt haben?

Fritz: "Er war damals noch sehr jung. Aber seine Motivation, seine Energie, seine Tiefenläufe und seine unglaubliche Kopfballstärke waren schon auffällig. Dass er den Weg in die Bundesliga schaffen würde, war klar. Wie weit es darüber hinaus geht, kann niemand vorhersagen. Er hat sich seine Karriere jedenfalls hart erarbeitet und verdient."

Sky Sport: Kurzer Seitenblick - Harry Kane hat beim FC Bayern bis 2029 verlängert. Ein starkes Signal für die Bundesliga?

Fritz: "Absolut. Glückwunsch an die Bayern und Max Eberl, der mit seinem Team einen richtig guten Job gemacht hat. Es ist nicht selbstverständlich, einen Spieler dieser Qualität in der Bundesliga zu haben und ihn dann auch noch langfristig zu binden. Harry Kane ist ein unglaublicher Spieler, dem man sehr gerne zuschaut."

Sky Sport: Kane ist 33, genau wie Füllkrug, und hat vermutlich zu sehr kostspieligen Konditionen verlängert. Wird Füllkrugs Zukunft für Werder finanziell eine besonders knifflige Angelegenheit?

Fritz: "Wir haben drei Parteien am Tisch: Niclas, uns und West Ham. Wir wissen, was wir an Niclas haben, und er weiß, was er an Werder hat. Natürlich werden wir Gespräche aufnehmen. Wir würden uns freuen, wenn er über die Saison hinaus in Bremen bleibt. Für konkrete Aussagen ist es aber noch zu früh."

Sky Sport: Wann beginnen Sie mit den konkreten Verhandlungen?

Fritz: "Wir hätten damit gerne schon in der letzten Transferwoche angefangen. Unser ursprünglicher Plan war, Niclas nicht nur für eine Saison auszuleihen. Dazu gab es auch gute Gespräche. Aber es gibt einen weiteren Verein und wirtschaftliche Fragen zu klären. Den genauen Zeitpunkt der Gespräche möchte ich intern belassen."

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Sky Sport: Wie sehr hilft Ihnen Füllkrugs enge Bindung an Werder bei einer möglichen Verpflichtung?

Fritz: "Entscheidend ist zunächst, dass sich der Spieler wohlfühlt. Das ist bei Niclas offensichtlich der Fall. Jetzt müssen wir auch mit West Ham in den Dialog kommen und schauen, wie ein wirtschaftliches Gesamtpaket aussehen könnte. Das wollen wir zunächst intern besprechen."

Sky Sport: Füllkrug hinterfragt viel und fordert seinen Trainer heraus. Wie funktioniert das Zusammenspiel mit Daniel Thioune?

Fritz: "Sehr gut. Niclas will als Führungsspieler verstehen, welche Gedanken hinter Entscheidungen stecken. Er bringt auch eigene Ideen ein. Daniel kommuniziert sehr offen und hört den Spielern zu. Entscheidend ist aber, dass am Ende der Trainer die sportlichen Entscheidungen trifft. Ich finde es gut, wenn wir miteinander reden statt übereinander."

Sky Sport: Ist es eine Stärke, wenn ein Trainer auch auf seine Spieler hört?

Fritz: "Ich kann nur bewerten, was ich hier erlebe. Für mich zählt, wie wir miteinander umgehen, kommunizieren und uns weiterentwickeln. Das funktioniert sehr gut. Daniel macht einen wirklich guten Job."

Sky Sport: Welchen Anteil hat Thioune am aktuellen Höhenflug?

Fritz: "Einen sehr großen. Schon in unseren ersten Gesprächen hat mich sein lösungsorientierter Ansatz überzeugt. Als er kam, stand uns das Wasser bis zum Hals. Er wollte die Mannschaft nicht mit taktischen Vorgaben überfrachten, sondern ihr Sicherheit und einen klaren Plan geben. Er kam nicht, um sich selbst zu verwirklichen und seinen gesamten Baukasten zu präsentieren. Nach dem Klassenerhalt hat er zunehmend seine mutige und intensive Spielidee eingebracht. Wir wollten, dass die Energie vom Platz auf die Tribünen kommt. Genau das setzt er mit seinem Trainerteam hervorragend um."

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Bundestrainer Jürgen Klopp hat Niclas Füllkrug nominiert. Für Werder-Coach Daniel Thioune ''absolut verdient''.

Sky Sport: Thioune kam aus einer schwierigen Phase bei Fortuna Düsseldorf und ohne Bundesliga-Erfahrung. Hatten Sie keine Bedenken?

Fritz: "Nein. Wir haben mehrere Gespräche geführt und waren mit Daniel sehr schnell in der inhaltlichen Tiefe. Wir haben Spielszenen und Situationen diskutiert. Er hat uns mit seiner Herangehensweise absolut überzeugt. Schon im ersten Gespräch wurde deutlich, was für ein guter Trainer er ist."

Sky Sport: Nach den ersten Spielen wurde bereits Thiounes Zukunft hinterfragt. Ist das Geschäft zu überhitzt?

Fritz: "Man muss die Umstände berücksichtigen. Daniel hatte vor dem ersten Spiel in Freiburg gerade einmal anderthalb Trainingstage. Dazu kamen enorme Verletzungsprobleme. Anschließend spielten wir gegen Bayern und verloren unglücklich auf St. Pauli. An unserer Überzeugung hat das nichts geändert. Wir haben gesehen, wie er mit der Mannschaft arbeitet und sie führt."

Sky Sport: Wie schwierig ist es, in solchen Krisen an der eigenen Überzeugung festzuhalten?

Fritz: "Natürlich ist das herausfordernd. Aber ständiges Jammern über Verletzungen oder Schiedsrichterentscheidungen bringt uns nicht weiter. Ich glaube an eine positive, lösungsorientierte Herangehensweise. Diese Haltung müssen wir vorleben und gemeinsam auch schwierige Phasen durchstehen."

Eckdaten der Saison 2026/2027

  • Bundesliga, 1. Spieltag: 28.08.2026
  • Bundesliga, 34. Spieltag: 22.05.2027
  • 2. Bundesliga, 1. Spieltag: 07.08.2026
  • 2. Bundesliga, 34. Spieltag: 23.05.2027
  • DFB-Pokalfinale: 29.05.2027

Sky Sport: Gibt es nicht trotzdem Momente, in denen Sie an Ihren Entscheidungen zweifeln?

Fritz: "Natürlich gibt es Faktoren, die man nicht beeinflussen kann, etwa Verletzungen. Aber ich hatte die totale Überzeugung und das Vertrauen in unser Trainerteam und unsere Mannschaft, dass wir den Klassenerhalt gemeinsam schaffen. Wir wussten auch, dass uns ein herausfordernder Transfersommer bevorsteht und wir Veränderungen brauchen."

Sky Sport: Haben Sie sich mit dem sportlichen Aufschwung persönlich Vertrauen zurückerarbeitet?

Fritz: "Ich bin kein Schwarz-Weiß-Denker und bewege mich lieber in der Grauzone. Wenn es gut läuft, bin ich nicht ganz oben, und wenn es schlecht läuft, nicht ganz unten. Sonst verliert man den Blick für das Wesentliche. Ich freue mich unglaublich für die Mannschaft, das Trainerteam, unsere Fans und die Stadt. Aber wir wissen, dass auch wieder schwierigere Zeiten kommen können."

Sky Sport: Sie sind bekanntermaßen kein Typ für Genugtuung. Aber finden Sie es in der Nachbetrachtung unangemessen, welche düstere Zukunft dem Verein prognostiziert wurde?

Fritz: "Das habe ich zu Saisonbeginn tatsächlich gedacht. Nach gerade einmal einem Spiel wurde schon alles niedergeschrieben. Dabei war die Mannschaft noch nicht fertig, wir hatten Verletzungsprobleme und mit Freiburg einen starken Gegner. Trotzdem haben wir uns dort nicht gut präsentiert. Aber schon gegen Leipzig hat die Mannschaft eine beeindruckende Reaktion gezeigt. Mich hat gestört, dass über Spieler geurteilt wurde, die manche noch gar nicht kannten. Ich hatte das Gefühl, dass uns gar nicht die Chance gegeben wird, uns zu beweisen."

Sky Sport: Wie sehr verändert der Erfolg die Atmosphäre im gesamten Verein?

Fritz: "Nach diesem extrem schwierigen halben Jahr tut die Entwicklung allen gut. Wir können wieder ruhiger und fokussierter arbeiten. Besonders gefällt mir, wie die Spieler miteinander kommunizieren und sich gegenseitig fordern. Sie sprechen offen darüber, was die Mannschaft braucht und wo sie sich verbessern kann. Dieses Miteinanderreden ist für mich das A und O."

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Sky Sport: Kann Werder mit diesem Selbstvertrauen auch beim VfB Stuttgart bestehen?

Fritz: "Die Brust wird natürlich breiter, wenn man mit Erfolgserlebnissen zu einer solchen Topmannschaft fährt. Aber wir wissen auch, dass wir dort an unsere Leistungsgrenze gehen müssen, vielleicht sogar darüber hinaus. Wir fahren selbstbewusst nach Stuttgart, wissen aber, wie schwierig die Aufgabe wird."

Sky Sport: Nach dem besorgniserregenden Zwischenfall um Vincent Kompany: Wie schützen Sie sich selbst vor dem enormen Druck?

Fritz: "Zunächst einmal wünsche ich ihm gute Besserung. Gesundheit ist unser größtes Hab und Gut. Gerade in Krisen stellt man vieles hinten an und konzentriert seine gesamte Energie darauf, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Dabei vergisst man sich manchmal selbst. Ich muss da auch an mir arbeiten und mir mehr Zeit für Bewegung nehmen. Man muss sich bewusst Freiräume schaffen."

Sky Sport: Ist Ihre Frau diejenige, die Sie daran erinnert?

Fritz: "Auch sie, ja. Sie achtet sehr auf gesunde Ernährung und sagt mir gerade in schwierigen Phasen, dass ich besser auf mich aufpassen und mir mehr Zeit für mich nehmen muss. Bei allem Stress darf man den Ausgleich nicht vergessen."

Sky Sport: Trainer sind oft Überzeugungstäter mit beinahe grenzenlosem Arbeitseifer. Wie schützen Sie Daniel Thioune vor Überlastung?

Fritz: "Indem wir beispielsweise darauf achten, dass ein freier Tag auch wirklich frei bleibt. Dann soll Daniel das Telefon zur Seite legen und sich erholen. Wir brauchen ihn anschließend wieder mit voller Energie. Grundsätzlich müssen wir alle aufeinander achten und gesundheitliche Warnsignale ernst nehmen. Wir kennen das doch: Man denkt immer, es geht noch. Bis der Körper irgendwann sagt, dass es nicht mehr geht. So weit dürfen wir es nicht kommen lassen."

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