Lando Norris holt Pole in Zandvoort: McLaren setzt WM-Leader Kimi Antonelli unter Druck
Lando Norris hat sich die Pole Position beim Großen Preis der Niederlande gesichert. Der McLaren-Pilot bestätigte seine starke Form und könnte im WM-Kampf gegen Mercedes-Pilot Kimi Antonelli weiter Boden gutmachen.
22.08.2026 | 19:19 Uhr
McLaren reagierte nach dem Sprint mit erfolgreichen Setup-Anpassungen. Während Norris jubelt, wartet Mercedes weiter auf größere Updates.
Lando Norris hatte nach dem Sprint in Zandvoort nicht unbedingt wie der große Favorit auf die Pole Position gewirkt. Umso überraschender war die Reaktion des Weltmeisters im Qualifying. Mit einer starken Runde sicherte sich der McLaren-Pilot Startplatz eins und setzte damit seinen Aufwärtstrend von vor der Sommerpause eindrucksvoll fort.
"Ich bin ein klein wenig überrascht, um ehrlich zu sein", sagte Norris anschließend über seine Pole Position. "Aber es war eine gute Kehrtwende im Vergleich zum Sprint. Glückwunsch ans Team, dass sie noch mehr aus dem Auto rausholen konnten."
McLaren im Aufwind
McLaren befindet sich aktuell ganz klar im Aufwind. Norris holte nach Ungarn auch in den Niederlanden die Pole Position und bestätigte damit die starke Entwicklung seines Teams. Besonders bemerkenswert: Der Brite gewann die letzten sechs direkten Qualifying-Duelle gegen Teamkollege Oscar Piastri und ist aktuell der klare Anführer des Papaya-Teams.
McLaren-Teamchef Andrea Stella sieht die Entwicklung ebenfalls auf dem richtigen Weg. "Das Positive ist, dass wir bestätigt haben, dass das Auto sehr gut performt im Quali-Trim. Pole Position in Ungarn, Pole Position jetzt hier in Zandvoort - auf Strecken, die viel Abtrieb benötigen", erklärte Stella am Sky Sport Mikrofon.
Und weiter: "Es sieht so aus, als würde unser Auto sehr gut funktionieren. Es kann sogar das beste Auto sein, auch wenn die Abstände sehr gering sind."
McLaren reagiert auf Sprint-Probleme
Der Schlüssel zum Erfolg lag offenbar in den Änderungen nach dem Sprint. Dort hatte McLaren insbesondere in langsamen Kurven Schwächen gezeigt. "Wir haben erkannt, dass wir mehr Performance in den langsamen Kurven brauchen", verriet Stella. "Es war deshalb ein klares Ziel nach dem Sprint, dass wir mehr Grip in den langsamen Kurven haben und das Übersteuern reduzieren. Da haben wir das Auto angepasst."
Die Anpassungen zahlten sich sofort aus. Sky Sport Experte Timo Glock erkennt darin ein deutliches Muster. "Der Aufwärtstrend bei McLaren ist aktuell ganz klar zu sehen. Man hat das hier sehr gut umgesetzt", analysierte der ehemalige Formel-1-Pilot und lobte den Rennstall, der auch in den vergangenen beiden Jahren starke Entwicklungen während der Saison gezeigt hatte und so zweimal in Folge den Konstrukteurstitel gewann.
Ganz sorgenfrei ist Stella jedoch im Hinblick auf das Rennen nicht. Im Sprint offenbarten sich weiterhin Schwächen beim Reifenmanagement. "Wir haben im Sprint gesehen, dass wir nicht unbedingt das beste Auto haben, was die Konstanz und den Reifenverschleiß angeht. Unser Hauptfokus liegt jetzt darauf, dass wir besser sind im Reifenverschleiß als das, was wir im Sprint gezeigt haben."
Antonelli droht Rückschlag, Mercedes wartet auf Updates
Für Norris kommt die starke Form genau zum richtigen Zeitpunkt, um möglicherweise nochmal stärker im WM-Kampf einzugreifen. WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli wird in zwei Wochen beim Heimrennen in Monza aufgrund eines Motorwechsels eine Startplatzstrafe erhalten. Gerade auf einer Strecke, auf der Überholen trotz langer Geraden in der Vergangenheit oft schwieriger war als gedacht, könnte das wertvolle WM-Punkte kosten.
Hinzu kommt, dass Mercedes kurzfristig keine großen Performance-Sprünge erwartet. "Im Moment ist es zäh mit Upgrades", erklärte Teamchef Toto Wolff bei Sky Sport. "In den nächsten Rennen kommt da nichts, aber wenn wir dann nach Südostasien gehen, folgt hoffentlich ein größerer Schritt." Bis dahin sind es jedoch noch insgesamt vier Rennen, in denen die Konkurrenz um Norris Punkte im WM-Kampf gut machen kann.
Die Zahlen sprechen für Norris
In Zandvoort spricht die Statistik für einen Sieg des formstarken Weltmeisters:
- Zwei Pole Positions in Folge - in Ungarn und Zandvoort
- Die letzten fünf Niederlande-GP wurden jeweils vom Polesetter gewonnen
- McLaren holte die dritte GP-Pole in Serie in Zandvoort
Während Mercedes also auf neue Teile wartet, Ferrari etwas schwächelt und Max Verstappen nicht wirklich in Tritt kommt, hat McLaren aktuell offenbar die Richtung gefunden. Ein Angriff im WM-Kampf scheint möglich - auch wenn der Rückstand von 90 Punkten von Norris auf Antonelli noch sehr groß erscheint.
Gelingt Norris wieder ein WM-Comeback?
Allerdings hat Norris bereits im vergangenen Jahr Nervenstärke und Comeback-Qualitäten bewiesen, als er einen großen Rückstand auf seinen Teamkollegen Piastri aufgeholt hatte und sich am Ende zum Weltmeister krönen konnte. Wenn McLaren jetzt noch die Schwächen auf Kursen mit mehreren schnellen Kurven und langen Highspeed-Geraden ablegt, ist mit dem amtierenden Weltmeisterteam auf jeden Fall zu rechnen.
Noch führt Antonelli die Weltmeisterschaft an. Doch die Ausgangslage scheint sich immer weiter zu verändern. Norris gewinnt wieder Qualifyings, McLaren entwickelt das Auto erfolgreich weiter und Mercedes tritt vorerst auf der Stelle - wenn auch auf hohem Niveau. In Monza in zwei Wochen kommt nun auch noch die Motorenstrafe für Antonelli hinzu.
Spätestens dann könnte sich aus dem kleinen Spalt im WM-Kampf plötzlich ein echtes Chancenfenster für Weltmeister Norris entwickeln.
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