USA - Belgien; Fußball WM Achtelfinale
Belgien gewinnt im WM-Achtelfinale gegen die USA - trotz dem "Fall Balogun"
Die brisante Begnadigung des US-Stürmers wird für den Co-Gastgeber nicht zum Faktor. Die USA scheitern im Achtelfinale an eiskalten Belgiern.
07.07.2026 | 06:27 Uhr
Als der "American Dream" geplatzt war, erübrigte sich vorläufig auch jede weitere Diskussion um Folarin Balogun.
Der begnadigte Angreifer der USA blieb praktisch wirkungslos, beim 1:4 (0:1) gegen Belgien wurde der 25 Jahre alte Mittelstürmer von den eiskalten "Roten Teufeln" ebenso abgekocht wie seine zu oft indisponierten Mitspieler. Die große Soccer-Party ist vorüber, im Viertelfinale von Los Angeles am Freitag stehen die Belgier, Gegner ist Europameister Spanien.
"Es war nicht unser Tag. Wir hatten von Beginn an keinen Bezug zum Spiel. Gratulation an Belgien, sie waren besser als wir", sagte Nationaltrainer Mauricio Pochettino und betonte: "Wir brauchen nicht nach Ausreden suchen, wir sind nicht so aufgetreten, wie wir sonst auftreten."
Kritik verstummt langsam
Charles De Ketelaere (9., 33.), Hans Vanaken (57.) und Romelu Lukaku (90.+3) führten die Belgier zum vierten Mal in ihrer Geschichte in ein WM-Viertelfinale, die Kritik aus den ersten WM-Wochen scheint endgültig verstummt. Die Entrüstung um die von der FIFA aufgehobenen Sperre für Balogun wird zumindest den Weltverband noch länger beschäftigen, wobei ein Einzug ins Viertelfinale dem Fall wohl noch zusätzliche Brisanz verliehen hätte.
Stattdessen aber blieb Baloguns Einsatz bedeutungslos. Ausgerechnet im wohl wichtigsten Spiel der jüngeren Verbandsgeschichte zeigte das US-Team seine schlechteste Turnierleistung und schied nach Kanada und Mexiko als dritter Co-Gastgeber im Achtelfinale aus. Eine katastrophale Defensivleistung konnte auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Leverkusens Malik Tillman (31.) nicht wettmachen.
"Fall Balogun" sorgt für Brisanz
Der Sport war vor dem Spiel durch Baloguns von der FIFA aufgehobenen Sperre fast vollständig in den Hintergrund gerückt. Vorangegangen war ein Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino. Während Trump betonte, er habe lediglich um eine Überprüfung von Baloguns Roter Karte aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) gebeten, wiesen Infantino und die FIFA jegliches Fehlverhalten von sich.
Für Entrüstung sorgte die Entscheidung dennoch - nicht nur bei den unmittelbar betroffenen Belgiern. Den Versuch des Verbands RBFA, die Aufhebung der Sperre anzufechten, wies die Berufungskommission der FIFA als unbegründet ab. Die Belgier kündigten daraufhin weitere Konsequenzen an, sollte Balogun in Seattle "auf dem Spielberichtsbogen des Schiedsrichters aufgeführt sein".
Aufgeladene Partie
Und das war er dann auch. Als der 25-Jährige rund 45 Minuten vor dem Spiel den Rasen betrat, wurde er genau wie seine Mitspieler mit "U-S-A, U-S-A!"- Rufen gefeiert, sein Name bei Verkündung der Startaufstellungen am lautesten bejubelt. Auf der Tribüne nahm Infantino neben Belgiens Verbandspräsidentin Pascale Van Damme Platz. Das Spiel war aufgeladen: Die Belgier würden in Seattle "nicht die Nationalmannschaft oder den Verband" verteidigen, hatte Trainer Rudi Garcia betont, sondern "den Fußball mit seiner Ethik und Integrität".
Die Ansage schien bei den Spielern zu verfangen. Auch ohne Anführer Kevin De Bruyne und Flügelstürmer Jeremy Doku, die beide auf der Bank blieben, hatte Belgien die USA in Großteilen der ersten Halbzeit komplett unter Kontrolle. Beim ersten Treffer von De Ketelaere zeigte sich die US-Abwehr - allen voran Kapitän Tim Ream - dem Anlass unangemessen total schläfrig.
Freude für wenige Sekunden
Balogun hing im Sturmzentrum lange komplett in der Luft - bis er nach einer halben Stunde einen Freistoß herausholte. Den verwandelte Tillman, Vanaken hatte den Ball unhaltbar für seinen Torwart Thibaut Courtois abgefälscht. Die Freude auf den Rängen hielt jedoch gerade einmal 116 Sekunden. Erneut schlief die US-Verteidigung, erneut war De Ketelaere der Nutznießer.
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Pochettino trat an der Seitenlinie frustriert gegen einen Getränketräger, auf den Rängen herrschte Ernüchterung. Belgien? Verteidigte diszipliniert - und konnte sich vorne einmal mehr auf die Amerikaner verlassen: Torhüter Matt Freese zögerte weit vor seinem Strafraum mit dem Ball am Fuß viel zu lange, De Ketelaere spitzelte ihn zu Vanaken, der aus der Distanz nur noch einschieben musste.
Pochettino reagierte und nahm unter anderem Christian Pulisic vom Feld. Völlig ernüchtert sah der Starspieler dabei zu, wie seine Mitspieler nochmal alles nach vorne warfen - aber von den Belgiern weiter abgekocht wurden.
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