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Vize-Weltmeister Peter Radojewski über das U17-Finale Deutschland vs. Frankreich

Junioren-Vize-Weltmeister Radojewski || "Das wird für immer bleiben"

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Peter Radojewski stand 1985 beim bislang einzigen WM-Finale Deutschlands in dieser Altersklasse - damals noch U16 - in der Startelf. Jetzt drückt der Ex-Profi der U17 gegen Frankreich die Daumen.

Peter Radojewski hat mit der deutschen U16-Auswahl 1985 in China das Finale erreicht. Im exklusiven Sky Interview schildert der heute 55-Jährige seine Eindrücke von damals, verrät einige Insider-Informationen und ist überzeugt, dass der aktuelle Jahrgang dieses Mal in Indonesien den Titel holt.

Denn vor 38 Jahren unterlag Deutschland in Peking mit Radojewski in der Startelf 0:2 gegen Nigeria. 2023 steht nun zum erst zweiten Mal in dieser Altersklasse (mittlerweile ist es die U17, Anm. d. Red.) ein DFB-Team im Endspiel. Gegen Frankreich am Samstag (13 Uhr/LIVE im kostenlosen Stream auf Sky) glaubt Radojewski, der 25 Zweitligapartien für Fortuna Düsseldorf und Hannover 96 absolvierte und aktuell den SSV Germania Wuppertal in der Bezirksliga trainiert, an einen besseren Ausgang als damals.

Skysport.de: Herr Radojewski, wie sehr verfolgen Sie die aktuelle U17-WM?

Peter Radojewski: "Die K.o.-Runde habe ich intensiv verfolgt. Jetzt zum Schluss wird es natürlich immer interessanter und auch in den Medien immer präsenter. Das Halbfinale gegen Argentinien war herausragend. Da kommen dann auch schnell eigene Erinnerungen hoch."

Skysport.de: 1985 haben Sie als Spieler an der allerersten (damals noch) U16-WM in China teilgenommen. Wie war das für Sie als Teenager für Deutschland so weit von der Heimat entfernt, um den WM-Titel zu kämpfen?

Radojewski: "Das war damals außergewöhnlich, wobei man das dann erst so richtig im Nachhinein realisiert. Ich bin damals in die A-Jugend zu Fortuna Düsseldorf gewechselt und bereits im Sommer haben wir uns dann auf den Weg nach China gemacht. Das war unfassbar, was uns dort erwartet hat. Wir sind teilweise sechs Stunden mit dem Bus quer durch das Land gefahren, wobei die Straßenverhältnisse sicherlich anders waren als heute. Jede Stunde mussten wir irgendwo anhalten, weil wir in den Dörfern mit Trompeten und einer Blaskapelle empfangen wurden. Das war schon toll, aber auch sehr anstrengend. Die Zeit wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis mit Chinesischer Mauer, Kaiserpalast und den ganzen Spielorten. Das war außergewöhnlich. In der Endrunde haben wir dann vor 80.000 Leuten gespielt."

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Der U17-Trainer der deutschen Nationalmannschaft Christian Wück spricht über die Mentalität sowie die individuelle Qualität, die sein Team ausmacht. Sie funktionieren super als Mannschaft - so läuft es dann bei der WM.

Skysport.de: Im Finale von Peking standen Sie gegen Nigeria in der Startelf. Welche Erinnerungen haben Sie an den Tag?

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Radojewski: "Die gesamte Finalrunde war es ein herausragendes Gefühl. Wir haben zunächst im Viertelfinale gegen Gastgeber China gewonnen und uns dann gegen Brasilien mit 4:3 durchgesetzt. Mein Sturmpartner Marcel Witeczek war zu der Zeit nicht mehr zu bremsen. Er hat nachher auch völlig zurecht den Golden Schuh bekommen, er hat uns ins Finale geschossen. Dort hatten wir gegen Nigeria aber keine Chance. Die waren so fit und beweglich. So schnell wie wir die zwei Tore hinten drin hatten, so schnell konnten wir ja gar nicht gucken. Wir konnten nicht mehr die Gegenwehr leisten, wie wir uns das vorgenommen hatten."

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Manuel Baum über die Nachwuchsarbeit nach dem Einzug der deutschen U17 ins WM-Finale.

Skysport.de: Sie können sich sicherlich sehr gut in die Jungs von heute hineinversetzen, die am Samstag gegen Frankreich um den Titel spielen. Was ging Ihnen damals in Stunden und Tagen vor dem Endspiel durch den Kopf und was hat Sie beschäftigt?

Radojewski: "Ich habe natürlich extrem viele Nachrichten bekommen, auch von zu Hause. Allerdings wollte ich mich auch fokussieren. Es geht ja nur noch darum, dieses letzte Spiel zu gewinnen. Über den Zweiten spricht nachher kaum noch einer. Wirst du Erster, dann ist das ein Sieg für die Geschichtsbücher. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Jungs das am Samstag schaffen würden gegen Frankreich. Das wäre noch mal einen Ticken mehr als das, was wir damals erreichen konnten. Es war bei uns die erste WM, die in der Altersklasse stattfand. Es war auch was Besonderes, wurde aber öffentlich nicht so wahrgenommen, wie das heutzutage der Fall ist. Das ist für unsere Jungs natürlich sehr wichtig und das wird dann für immer bleiben."

Skysport.de: Der Hype um unsere aktuelle U17 ist riesengroß. Wie war das damals mit der Unterstützung aus der Heimat während des Turniers und wie sind sie nach der Rückkehr nach Deutschland empfangen worden?

Radojewski: "Wir hatten damals keinen Empfang in Deutschland. Wir haben nach der Landung jeder unseren Koffer abgeholt, haben uns verabschiedet und jeder ist dann zu seinem Verein in die Stadt wieder gefahren. Da gab es gar nichts. Vor Ort in China war es verhältnismäßig ruhig, wir waren in den Hotels allein und konnten auch froh sein, dass wir von zu Hause einiges an Essen mitgenommen hatten. Ich kann mich an Pumpernickel und Mars-Riegel erinnern, denn in China war das mit dem Essen sehr schwierig. Was wir da so bekommen hätten, weiß ich nicht, ob das so lecker gewesen wäre. Daher war es schon eine tolle Leistung, überhaupt bis ins Finale gekommen zu sein. Wenn unsere U17 am Samstag den Titel holt, dann wird das sicherlich ganz anders in der Öffentlichkeit wahrgenommen. In China war auf der Tribüne auch mal der deutsche Botschafter da, sonst keiner. Es wurden ab und zu mal deutsche Fahnen geschwungen, aber das waren keine Eltern, sondern wenn, dann einige Chinesen."

Skysport.de: Die U17 hat einige Rückschläge im Turnier verkraften müssen. Assan Ouedraogo ist nicht mehr dabei, im Halbfinale glänzte Ersatzkeeper Konstantin Heide. Hatten Sie damals auch Rückschläge im Turnierverlauf und wenn ja, wie sind sie mit diesen umgegangen?

Radojewski: "Wir hatten in der Vorrunde schon viele Probleme, sind mit vier Punkten aus drei Spielen nur gerade so weitergekommen. Wir waren sogar angewiesen auf andere Teams, dass wir überhaupt das Viertelfinale erreichen. Das war dann aber auch eine Art Initialzündung für uns für die K.o.-Runde. Wir mussten von Tianjin nach Peking reisen und dann ging plötzlich ein Ruck durch die Mannschaft. Wir waren eine Turniermannschaft, das war in Deutschland egal ob im Herren-, Damen- oder Jugendbereich oftmals so. Wir haben auch während der Partien häufig erst im Laufe des Spiels ins Match reingefunden. Das mannschaftliche Gefüge wurde mit der Zeit besser. Auch wenn wir damals das Finale verloren hatten, war da keine große Trauer, sondern wir waren stolz, dass wir dieses Endspiel spielen durften."

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Bayern-Trainer Thomas Tuchel bekommt das gute Abschneiden der U17-Nationalmannschaft bei der WM in Indonesien natürlich mit und hofft auf den großen Triumph der Junioren.

Skysport.de: Wie wichtig sind diese Erfahrungen, die diese jungen Spieler bei der WM sammeln, für den weiteren Karriereverlauf?

Radojewski: "Das sind sehr wichtige Erfahrungen. Als zusammengewürfelte Mannschaft muss man sich in so einem Turnier beweisen und durchkämpfen. Wir hatten einen richtigen Teamspirit. Für mich war es unglaublich zu hören, wenn die Nationalhymne erklungen ist. Da wollte ich einfach alles geben. Aber heute sind diese Turniere sicherlich noch viel wichtiger für den weiteren Werdegang. Man muss sich aber danach auch wieder in den Vereinen beweisen und den Sprung zu den Profis schaffen. So viele aus unserem Team damals haben es nicht gepackt, Nationalspieler im Seniorenbereich ist keiner geworden. Ich selbst habe 25 Zweitligaspiele absolviert, einige von meinem Mannschaftskollegen haben es auch bis in die Bundesliga geschafft. Nach der WM ging bei uns jeder so seinen Weg, sowohl in den Vereinsmannschaften als auch beim DFB. Einige blieben dort noch bei Horst Köppel in der U16, mich zog es zum Beispiel anschließend schon Richtung U18, die damals Berti Vogts trainierte. Mit Marcel Witeczek, der wie ich im Niederrhein unterwegs war, hatte ich ein enges Verhältnis. Wir waren zusammen bei vielen Lehrgängen."

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Konstantin Heide ist einer der Helden beim WM-Finaleinzug der deutschen U17-Nationalmannschaft in Indonesien. Dem Schlussmann fehlen nach Abpiff und dem dramatischen Spielverlauf fast die Worte.

Skysport.de: Warum kann diese U17-Mannschaft auch ein Vorbild für die deutsche A-Nationalmannschaft sein?

Radojewski: "Die Mannschaft setzt diese viel zitierten deutschen Tugenden sehr gut um, das tut dem deutschen Fußball insgesamt einfach gut. Gerade, weil es dort nicht so gut läuft. Aber es ist auch wichtig zu sehen, dass die Nachwuchsarbeit nicht ganz verloren geht. Man redet schnell gerne alles schlecht, da tut es dann besonders gut, dass unsere U17 so hervorsticht. Auch die Spieler der A-Nationalmannschaft werden genau hinschauen und den mutigen Fußball der Jungs mit Begeisterung verfolgen. Ein ganz großes Kompliment an dieses Team, da kann man nur die Daumen drücken, dass sie den Titel am Ende holen."

Skysport.de: Zum Abschluss der obligatorische Tipp, gerne mit kurzer Begründung: Wie geht das Finale aus?

Radojewski: "Ich denke, dass es nach regulärer Spielzeit nicht entschieden sein wird und in die Verlängerung geht. Aber in der Verlängerung werden wir mit 2:1 gewinnen."

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