Lothar Matthäus über Bayern, Olise, Urbig, BVB und Füllkrug
Der Sky Sport Experte lobt die Reaktion der Münchner nach der Kritik in der vergangenen Woche und erklärt, wie die Bayern gegen Arsenal das Fehlen von Michael Olise kompensieren können.
18.10.2026 | 23:09 Uhr
Von Leipzig und Dortmund fordert Matthäus mit Blick auf ihre Auswärtsspiele in der Champions League Leistungssteigerungen. Zudem äußert sich der Rekordnationalspieler über eine mögliche Rückkehr von Niclas Füllkrug ins DFB-Team.
Mit dem 6:1 gegen Leipzig hat der FC Bayern die Antwort auf die - teilweise berechtigte - Kritik nach den beiden Unentschieden in Augsburg und Stavanger gegeben.
Nach dem 3:3 in Norwegen hatten Vincent Kompany und Max Eberl klare Worte gefunden, auch zum Platzverweis gegen Michael Olise. Auch gegen Leipzig wurde er häufig gefoult, aber er hat nicht darauf reagiert. Er hat gezeigt, dass er aus seinem Fehler gelernt, hat. Das ist viel mehr wert, als wenn er eine Geldstrafe bekommen hätte.
Bayerns Reaktion auf die Kritik war top
Die Reaktion der gesamten Mannschaft war top, das Spiel hat richtig Spaß gemacht. Die Bayern haben ihre Qualität eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Eine Qualität, die keine andere Mannschaft in der Bundesliga hat. Jetzt haben sie die Tabellenspitze übernommen und im Laufe der Saison wird alles wieder so laufen wie gewohnt.
Kompanys Elf hat wieder ihre Spielfreude gezeigt, jeder hat für den anderen gearbeitet und jeder ist für den anderen gelaufen. Dass die Bayern sieben Kilometer mehr gelaufen sind als die Leipziger, dazu brauchte man nicht nach dem Spiel in die Statistik zu schauen, das hat man auf dem Platz gesehen. Bei den Leipzigern hat auf der anderen Seite all das gefehlt, was eine Woche zuvor beim 6:0 gegen Frankfurt funktioniert hatte.
Wenn man Bayern ohne echte Gegenwehr spielen lässt, kommt man unter die Räder. Die Bayern-Spieler pushen sich und hören nicht auf, weil sie wissen, dass die Konkurrenz im Kader groß ist.
Olise-Ersatz: Drei Spieler für zwei Positionen
Am Mittwoch in der Champions League gegen Arsenal ist Olise gesperrt. Er hat sich mit seinem Platzverweis selbst bestraft, denn auf solche Spiele brennt jeder Fußballer!
Eins-zu-eins ersetzen kann man ihn sowieso nicht. Als Vertreter kommen Lennart Karl und Serge Gnabry in Frage, aber beiden fehlt die Spielpraxis. Ismael Saibari hat gegen Leipzig auf der Zehn gespielt. Der Marokkaner hat sich im Saisonverlauf gesteigert, Karl und Gnabry haben noch Rückstand, Kompany hat drei Spieler für zwei Positionen, es wird eine knappe Entscheidung.
Urbig erinnert mich an Neuer
Jonas Urbig macht als Vertreter von Manuel Neuer einen tollen Job und hat auch schon Erfahrungen in wichtigen Champions-League-Spielern vorzuweisen. Auf mich wirkt er konzentriert und entspannt zugleich.
Mit seinen ganzen Abläufen, von seinen Bewegungen her, erinnert er mich an Neuer. Er weiß, was er kann, er ist nicht überheblich, aber er ist überzeugt von sich. Und so muss es sein. Man merkt, auch in den Interviews: Er will weiterhin lernen, um nicht nur irgendwann Neuers Position zu bekommen, sondern auch eine ähnliche Karriere einzuschlagen.
Leipzig muss konstanter werden
Für Leipzig war das 0:6 in München hoffentlich ein Warnschuss, dass sie am Mittwoch bei Real Madrid die deutschen Farben besser vertreten. Zuhause hat RB nach Bayern die zweitbeste Bilanz aller Bundesligisten, aber warum können sie es auswärts nicht?
Sie haben viele gute Spieler, aber sie müssen als Mannschaft besser und konstanter funktionieren. An den Trainerdiskussionen beteilige ich mich nicht. Martin Demichelis war, was man aus RB-Kreisen hört, nicht für alle Verantwortlichen die erste Wahl, aber Jürgen Klopp hatte sich gegen die Zweifel durchgesetzt. Doch Klopp ist weg und somit ein wichtiger Fürsprecher für Demichelis nicht mehr da.
So findet Dortmund wieder in die Spur
Borussia Dortmund ist vor dem Spiel bei Sabah FK am Dienstag gewarnt. Zum einen, weil die Begeisterung in Aserbaidschan nach dem ersten Sieg in der Champions League im Heimspiel gegen Prag groß ist, zum anderen, weil beim BVB die Leistungen zuletzt nicht gestimmt haben. Nicht bei den Unentschieden gegen Bremen und in Berlin, und schon gar nicht in der Champions League beim 0:1 in Bodö. In Norwegen war man in der ersten Halbzeit viel zu passiv, aber der BVB ist eine Mannschaft, die aktiv sein muss - gegen den Ball und mit dem Ball.
Sie haben schon gegen große Mannschaften gezeigt, dass sie es können. Das Selbstvertrauen, die Leichtigkeit, das Miteinander - all das müssen sie wieder zeigen, um ihre Ziele erreichen zu können. Einen Titel zu holen, erscheint mir für den BVB in der Champions League und in der Meisterschaft unrealistisch, aber im DFB-Pokal und mit etwas Losglück kann es klappen. Doch dafür muss man sich steigern und gegen Bremen (27. Oktober, 20:45 live auf Sky Sport) gewinnen.
Füllkrug macht Werbung für einen Platz bei Klopp
Niclas Füllkrug hat nach einem Tor zum 2:2 in Dortmund zweimal für Bremen beim 2:2 gegen Paderborn getroffen und ist Erster in der Torschützenliste. Füllkrug fühlt sich in Bremen wohl und das merkt man. Bei West Ham und Milan hat er nicht die Wärme, die Zuneigung und das Vertrauen gespürt, das ihm bei Werder entgegengebracht wird.
Die Zahlen sprechen für ihn, auch wenn er schon ein gewisses Alter hat. Jürgen Klopp will die Nationalmannschaft verjüngen, aber die Jungen haben noch zu große Schwankungen in ihren Leistungen. Einen erfahrenen Joker wie Füllkrug zu haben, würde mir ein gutes Gefühl geben. Die Entscheidung muss aber der Bundestrainer treffen.
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