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Klassiker zwischen Bayern und Dortmund: Experten sehen Vorteile beim FCB

Vor dem Bundesliga-Klassiker zwischen Bayern München und Borussia Dortmund haben sich Steffen Freund, Roman Weidenfeller und Oliver Kahn zur Ausgangslage geäußert.

Bayern München empfängt am 8. Spieltag Borussia Dortmund.
Image: Bayern München empfängt den BVB zum Klassiker.  © Imago

Während die Experten die besondere Bedeutung des Duells hervorheben, sehen sie den Rekordmeister trotz personeller Probleme leicht im Vorteil.

Steffen Freund über …

… den besonderen Reiz des Klassikers: "Ich glaube, in Deutschland ist es für jede Mannschaft grundsätzlich etwas ganz Besonderes, gegen die Bayern zu spielen. Zu meiner Zeit ging es dabei eigentlich immer um die großen Titel und die Meisterschaft. Es war und ist, glaube ich, auch heute noch das größte Spiel der beiden größten Vereine in Deutschland. Dabei zu sein und auf dem Feld zu stehen, ist bis heute für jeden etwas Besonderes. Zu meiner Zeit war es immer so: Zuhause waren wir gegen die Bayern meist gut und haben sie auch geschlagen, aber auswärts konnten wir in München eigentlich nie etwas holen. Ein bisschen ähnlich ist es heute vielleicht auch noch."

… seine Prognose für den Klassiker: "Die Bayern haben den Heimvorteil. Wir erinnern uns an Spiele wie das 6:1 gegen Leipzig, als sie den Gegner über 78 Minuten komplett beherrscht und an die Wand gespielt haben. Ich glaube nicht, dass das gegen Dortmund ähnlich wird. Aber mit dem Heimvorteil und dem Klassiker im Rücken, auf den sich jeder Bayern-Spieler freut, wird man versuchen, diesen Vorteil zu nutzen und wie so oft in den vergangenen Jahren mit einem Sieg zu krönen."

… Dortmunds Chancen in München am Samstag: "Man kann auch das Arsenal-Spiel als Beispiel nehmen. Wir reden vom englischen Meister, der in München 2:2 gespielt hat. Natürlich gibt es personelle Probleme. Kimmich fehlt, Olise war gesperrt. Andererseits ist das immer auch eine Chance für Borussia Dortmund. So sollte man meiner Meinung nach auch in das Spiel gehen. Wichtig wird zunächst sein, gut zu verteidigen. Ich glaube, das wird Niko Kovac genauso umsetzen. Entscheidend ist aber, dass du aus einer kompakten Defensive heraus Umschaltmomente setzen kannst. Schaffst du das nicht, dann drücken dich die Bayern hinten rein. Sie haben aktuell eine individuelle Qualität, mit der sie sich auf engstem Raum durchkombinieren können wie kaum ein anderes Team in Europa."

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… seine persönliche Klassiker-Anekdote: "Es ist schwierig, direkt eine Anekdote aus einem Spiel herauszugreifen, weil dieses Duell immer etwas Besonderes war. Ich habe einmal, glaube ich, Michael Sternkopf im Strafraum gefoult und darauf gehofft, dass es keinen Elfmeter gibt. Den gab es dann auch nicht. Eine andere Erinnerung habe ich an ein Champions-League-Viertelfinale in München mit Dortmund, das 0:0 endete. Im Training davor haben Matthias Sammer und ich uns gegenseitig richtig abgeräumt und gegrätscht, um die Mannschaft für das Spiel heiß zu machen. Das wäre heute undenkbar, weil jeder Trainer sofort einschreiten würde. Verletzt hat sich am Ende aber keiner von uns."

… die Bedeutung des Klassikers: "Ich hatte selbst einmal ein Angebot von Bayern München und durfte dort viele Größen kennenlernen. Das ist der größte Verein Deutschlands. Wenn du gegen Bayern spielen darfst, egal mit welcher Mannschaft, dann ist das immer ein ganz großes Spiel. Das sollte man auch einmal sagen. Hier wird seit Jahrzehnten großartige Arbeit geleistet und Bayern ist die Mannschaft, die es in Deutschland zu schlagen gilt. Dortmund ist die Mannschaft, die am nächsten dran ist. Aber auch für Schalke oder Elversberg ist ein Spiel gegen Bayern etwas ganz Besonderes."

Roman Weidenfeller über …

… die Bedeutung des Klassikers: "Die beiden größten deutschen Mannschaften treffen aufeinander, und deshalb ist Bayern gegen Dortmund seit vielen Jahren der Klassiker schlechthin. Es gibt unzählige Szenen, an die man sich erinnert. Oliver Kahn sitzt heute auch mit in der Sendung, Heiko Herrlich war dabei und viele andere. Ich hatte selbst das Glück, mehrere Klassiker zu erleben. Mittlerweile spricht man sogar vom ‚deutschen Clasico'. Dadurch hat das Duell noch einmal zusätzlich an Strahlkraft gewonnen."

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… die Klassiker-Woche: "Die meisten Spieler haben dieses Spiel schon häufiger erlebt. Natürlich ist es immer etwas Besonderes. Aber man bereitet sich nicht anders auf ein Spiel gegen Bayern vor als auf andere Spiele."

… seine persönliche Klassiker-Anekdote: "Da fällt natürlich sofort das Pokalfinale ein, das wir gegen Bayern gewonnen haben. Danach gab es noch das Pokalfinale mit dem berühmten Tor, das nicht gegeben wurde. Zu meiner Zeit hatten wir öfter das Glück, die Bayern auch in ihrem eigenen Stadion zu schlagen. Wir sind eigentlich immer mit einer breiten Brust nach München gefahren und wollten das Spiel gewinnen."

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… Dortmunds Chancen am Samstag: "Mutig sein. Das ist, glaube ich, das Allerwichtigste. Beide Mannschaften haben aktuell mit Verletzungsproblemen zu kämpfen und können vielleicht nicht in absoluter Bestbesetzung antreten. Trotzdem ist in diesem Spiel alles möglich. Die beiden besten Mannschaften treffen aufeinander. Ich glaube, das wird sehr spannend."

… seinen Tipp für den Klassiker: "Ich glaube, das Spiel geht 2:2 aus."

Oliver Kahn über …

… die Besonderheit des Klassikers: "Es ist natürlich immer wieder das Spiel der Mannschaften, die man in Deutschland am stärksten einschätzt. Bayern München sowieso und Borussia Dortmund in vielen Jahren ebenfalls. Insofern freut man sich auf dieses Spiel, keine Frage."

… seine Prognose für den Klassiker am Samstag: "Man kennt den FC Bayern. Immer dann, wenn der Druck ein wenig zunimmt, zeigt die Mannschaft eine Reaktion. Von einer Krise würde ich überhaupt nicht sprechen. Dass die Saison nach einer Fußball-Weltmeisterschaft etwas holpriger beginnen könnte, war irgendwo zu erwarten. Wenn man sich die Statistik der vergangenen Jahre zwischen Bayern und Dortmund anschaut, spricht sie eine klare Sprache. Deshalb wäre es für mich schon eine Überraschung, wenn Dortmund etwas aus München mitnehmen könnte."

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… die Vorbereitung auf den Klassiker und seine Erinnerungen an das Duell: "Das Schlechteste, was man tun kann, ist, sich auf ein solches Spitzenspiel anders vorzubereiten als auf andere Spiele. Die Spieler haben über viele Jahre gelernt, sich immer gleich vorzubereiten, unabhängig vom Gegner. Natürlich spielt im Hinterkopf immer das Prestige eine Rolle, genauso wie die Tabellensituation. Sollte Dortmund erfolgreich sein, könnten sie sich ganz oben festsetzen.

Eine Anekdote ist immer schwierig. Ich kann mich nur daran erinnern, dass in Dortmund früher immer viel los war. Da gab es Geschichten mit Heiko Herrlich und Stephane Chapuisat. Einmal haben wir ein Spiel, glaube ich, nur noch mit acht oder neun Spielern beendet, weil mehrere von uns vom Platz geflogen waren. Die Rivalität war zu meiner Zeit noch größer, weil Dortmund damals die großen Titel gewonnen hat, Deutscher Meister wurde und die Champions League gewann. Das war eine extreme Rivalität, die aber beiden Vereinen und dem deutschen Fußball gutgetan hat. Heute sehe ich Dortmund nicht auf Augenhöhe mit dem FC Bayern."

… Jonas Urbig als möglichen Neuer-Nachfolger beim FC Bayern und beim DFB: "Es steht außer Frage, dass Jonas Urbig ein riesiges Talent ist und bereits viele seiner Qualitäten gezeigt hat. Aber es ist etwas anderes, wenn er wirklich die Nummer eins ist und kein Manuel Neuer mehr neben ihm steht. Dann muss er Woche für Woche zeigen, wie stark er ist und wie er mit Druck umgeht. Fehler werden dazugehören. Entscheidend wird sein, wie er solche Situationen verarbeitet und wenige Tage später wieder auftritt. Dass man ihm diese Rolle zutraut, steht für mich außer Frage."

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