Erfolgsfaktoren beim HSV für den Klassenerhalt in der Bundesliga
Zu Beginn der laufenden Spielzeit waren die Hamburger noch als einer der Abstiegskandidaten gehandelt worden.
06.05.2026 | 12:40 Uhr
Den Moment der letztgültigen Klarheit wollten sie dann doch gern gemeinsam verbringen. Sportdirektor Claus Costa und Co. saßen am Sonntag in illustrer Runde beieinander, sahen den FC St. Pauli verlieren und den VfL Wolfsburg mit einem Remis in Freiburg die 26-Punkte-Marke erklimmen. Der rechnerische Klassenerhalt für den HSV.
Ein angemessener Anlass für ein Bier - vielleicht sogar zwei. Der ehemalige Bundesliga-Dino hat nach sieben Jahren Fernglas-Distanz zu den eigenen Ansprüchen eine saubere Comeback-Saison aufs Parkett gelegt - mit wenigen Ausrutschern.
Die Prognosen zu Beginn der Spielzeit waren flächendeckend verheerend. Es ist ein Verdienst der Verantwortlichen, dass sie trotz öffentlich grassierender Pessimismus-Offensive und zunehmender Schärfe in den Frage-Formulierungen der Reporter cool und besonnen an ihrem Weg festgehalten haben.
Der Baumeister
Das gilt in erster Linie für Claus Costa: Der Kader stand spät - aber das Timing sollte sich als zielführend herausstellen. Luka Vuskovic, Fabio Vieira und Albert Sambi Lokonga standen an Spieltag drei erstmals zu Verfügung - Stadt-Derby, vergurkt, ohne Chance bei den Bayern. Danach begannen die Dinge sich Stück für Stück ineinanderzufügen. Der herausragende Wert des hochqualifizierten Trios wurde vor allem in den vergangenen Wochen überaus offensichtlich, als der HSV in temporärer Abwesenheit der Ausnahmekönner mehrere gute Gelegenheiten verstreichen lassen hatte, das Geschehen über die Ziellinie zu wuchten.
Der Tüftler
Merlin Polzin hat in der Gesamtbetrachtung eine brillante Premieren-Saison in der Bundesliga abgeliefert. Um den Aufstiegsstil in eine wettbewerbsfähige Grundordnung zu transferieren brauchte es zunächst mal die Erkenntnis, dass die Notwendigkeit besteht und natürlich den Mut und die fachliche Präzision, um die Veränderungen im Höchsttempo zu etablieren. Rückschläge und Schwächephasen waren dabei eingepreist. Der Klassenerhalt ist die Währung in der abgerechnet wird. Die Wahrscheinlichkeit auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung für Polzin (bislang bis 2027) und seine Trainer-Kumpels Loic Fave und Richard Krohn ist enorm hoch.
Der Star
Luka Vuskovic - die Geschichte des HSV mit dieser Familie ist selbst in der anekdotenüberfüllten Welt des Fußballs eine Ausnahmeerscheinung. Der Doping-Fall des Bruders Mario (Sperre läuft bis November) und der Umgang des Vereins mit dem vieldiskutierten vermeintlichen Vergehen haben die Voraussetzungen geschaffen, dass der 19-jährige Innenverteidiger unbedingt nach Hamburg wollte. Die einjährige Leihe hat sich für den HSV vollumfänglich ausgezahlt. Der künftige Weltklassespieler war fußballerisch und charakterlich einer der Anführer im Volkspark.
Die Belastungen
Die hinreichend und seit seinem Ausscheiden auf juristischer Ebene diskutierten Vorfälle um Stefan Kuntz haben den Klub natürlich erschüttert - aber nicht ins Wanken gebracht. Klare Kommunikation und ein Übergang zur Tagesordnung, der so schnell wie möglich und so sensibel wie nötig ausbuchstabiert worden ist. Eric Huwer hat den Kahn fortan umsichtig auf Kurs gehalten. Diverse disziplinarische Vergehen der Profis (Dompés Alkohol-Fahrt, Glatzels Interview-Eklat, Katterbach-Strafversetzung) haben die Gruppe zudem unnötig belastet, aber nicht nachhaltig in die Unwucht geschubst. Die außergewöhnliche Unterstützung der Fans daheim und auswärts hat durch die entsetzliche Zerstörungswut einiger beim Derby in Bremen einen unnötigen und erheblichen Reputations-Schaden bewirkt.
Die Zukunft
Seit Planungssicherheit herrscht hat Claus Costa die Arbeit intensiviert. Vuskovic (gehört Tottenham) wird - Stand jetzt - nicht zu halten sein. Bei Fabio Vieira steht die Kauf-Klausel (Arsenal) bislang weiterhin bei illusorischen 21 Millionen Euro. Costas guter Draht zu den Arsenal-Bossen könnte kreative Lösungen zumindest zur Debatte stellen. Gemeinsam mit der designierten Sport-Vorständin Kathleen Krüger, deren Engagement als gesichert gilt, wird er ein komplexes Puzzle komponieren müssen. Auf den Außenbahnen und in der Sturmspitze braucht es eine nennenswerte Qualitätssteigerung. Das vielbeschworene komplizierte zweite Jahr wird den HSV vor noch größere Herausforderungen stellen. Die Lehren aus der Comeback-Saison sind dabei zweifellos hilfreiche Leitplanken.
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