Achtung, Herr Bundestrainer: Was Deutschland von Spanien lernen kann! - Kommentar
Wäre es doch so einfach - dann müsste man einfach nur die Spanier kopieren.
20.07.2026 | 10:02 Uhr
Europameister 2024, Weltmeister 2026. Die Spanier sind heute das, was wir Deutschen in der Fußball-Welt gerne wieder wären. Ein Kommentar von Sky Sport Reporter Florian Plettenberg.
Es war nicht der beste Kader aller Zeiten, der Spanien zum Titel geführt hat. Auch nicht die permanente Dominanz. Spanien wurde Weltmeister, weil ihr Spiel auf klaren Prinzipien basiert. Auf einer Idee von Ballbesitz, Kontrolle und Vertrauen in die eigene Stärke, die über Jahrzehnte gewachsen ist und nach den goldenen Jahren von 2008 bis 2012 (2x Europameister, 1x Weltmeister) nun eine beeindruckende Renaissance erlebt hat.
Erfolg durch Struktur. Durch Nachwuchsarbeit. Durch Vision. Durch den Glauben an einen langfristigen Plan. Genau diese Elemente sind dem deutschen Fußball nach dem WM-Titel 2014 Stück für Stück verloren gegangen. Mit dem designierten Bundestrainer Jürgen Klopp könnten sie nun wieder zum Leben erweckt werden.
Klopp wird mehr sein als nur ein Bundestrainer
Wer Klopp am Sonntag als Experten bei MagentaTV genau zugehört hat, konnte erkennen: Er wird weit mehr sein als nur ein Bundestrainer. Er soll ein Veränderer werden. Jemand, der erkennt, woran es wirklich hapert - nicht nur an Qualität oder Mentalität, sondern an einer fehlenden Vision, wie Deutschland dauerhaft in die Weltspitze zurückkehren kann.
Was können wir also von Spanien lernen? Was zeichnet Luis de la Fuente aus?
Er stellt das Team über einzelne Stars. So blieben Pedri, Nico Williams, Ferran Torres und Mikel Merino überwiegend spielentscheidende Einwechsler. Andere Diskussionen ließ De la Fuente kaum zu. Er schenkte jungen Spielern früh Vertrauen (Pau Cubarsi). Spanien hat ein klares System (4-2-3-1) ohne viel Schnörkel. Was De la Fuente und Klopp eint? Sie setzen auf Leidenschaft, Intensität und Zusammenhalt. Für beide ist Erfolg das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung - nicht kurzfristigen Aktionismus.
Klopp hat den Weltfußball jetzt genau beobachtet
De la Fuente, der ruhige Muskelprotz, hatte seine Weltmeister selbst am späten Sonntagabend in der Mixed Zone und später im Mannschaftsbus noch unter Kontrolle. Klopp dagegen verkörpert die andere Art von Führungsfigur: emotional, mitreißend und voller Energie. Doch in einem Punkt ähneln sie sich: Beide sind Autoritätspersonen, Gewinner-Typen und Anführer, die ihren Spielern Orientierung geben.
Klopp hat den Weltfußball in den vergangenen Wochen genau beobachtet. Er wird wissen, dass Deutschland nicht einfach Spanien kopieren kann. Fußball-Deutschland braucht wieder eine eigene DNA. Demut. Einen kompletten Neustart, bei dem die Spanier bei Themen wie Nachwuchsförderung, klarer Spielidee, langfristigem Denken und konsequenter Führung durchaus als Vorbild dienen dürfen.
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