Nagelsmann-Rücktritt? Unausweichlich! Hätte Größe!
Deutschland hat sich gegen Paraguay bis auf die Knochen blamiert. Was sich angedeutet hat, ist Realität.
30.06.2026 | 13:39 Uhr
Noch-Bundestrainer Julian Nagelsmann will nach einer der größten Blamagen in der Geschichte des deutschen Fußballs bleiben und "nicht davonlaufen." Das mag menschlich nachvollziehbar sein. Doch klar ist: In dieser Konstellation kann es nicht weitergehen!
Nagelsmann ist ohne Zweifel ein Trainer mit herausragenden Ideen und außergewöhnlichen fachlichen Qualitäten. Einer, dessen Inhalte die Nationalspieler auch im Hintergrundgespräch loben. Nach seiner Zeit beim FC Bayern hat er an seinen Schwächen gearbeitet und sich weiterentwickelt. Sein Potenzial steht außer Frage. Entscheidend ist jedoch nicht das Potenzial, sondern der Erfolg - und den hatte er als Bundestrainer nachweislich nicht.
Er erhielt mit der Heim-Europameisterschaft eine einmalige Chance, dazu die Nations League und schließlich die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten. Am Ende steht das viel zu frühe Aus gegen Paraguay - der vorläufige Tiefpunkt einer Entwicklung, für die es derzeit keine überzeugende Erklärung gibt.
Besonders frustrierend ist jedoch, dass ...
Ich bleibe dabei: Die Zusammenstellung des Kaders war sinnvoll und wirkte homogen. Dass Nagelsmann auf etablierte Spieler wie Serge Gnabry, Hoffnungsträger Lennart Karl oder Stammspieler Nico Schlotterbeck verzichten musste, gehört zum Schicksal eines Trainers. Verletzungen lassen sich nicht verhindern. Trotzdem ist es ihm offensichtlich nicht gelungen, diese Mannschaft in all den Monaten auf das Turnier vorzubereiten und sie während des Turniers zu stabilisieren oder gar besser zu machen.
Schon die erste Halbzeit gegen Curacao war enttäuschend. Die ersten 45 Minuten gegen die Elfenbeinküste ebenfalls. Die Leistung gegen Ecuador war ungenügend. Besonders frustrierend ist jedoch, dass es Nagelsmann innerhalb weniger Tage nicht geschafft hat, die Mannschaft mental, körperlich und spielerisch auf das entscheidende Spiel gegen Paraguay einzustellen.
Ein Rücktritt wäre ein Zeichen von Größe und Verantwortung
Deutschland hat sich in vielen Zweikämpfen erneut den Schneid abkaufen lassen. Das eigene Spiel war langsam, ideenlos und nahezu ohne Kreativität. Herausgespielte Torchancen? Mangelware! Genau für diese Punkte trägt der Bundestrainer die Verantwortung. Wichtig ist aber zu betonen, dass ihm viele Spieler trotz seines Rückhalts im Stich gelassen haben. Allen voran Florian Wirtz und Jamal Musiala, die zu keiner Zeit des Turniers ihre vermeintliche Top-Qualität unter Beweis stellen konnten.
Dass Nagelsmann nun erklärt, nicht zurücktreten zu wollen, dürfte auch finanzielle Gründe haben. Es ist kein Geheimnis, dass er den wohl bestdotierten Vertrag besitzt, den ein Bundestrainer in der Geschichte des DFB je erhalten hat.
Sollte der DFB bei der Vertragsverlängerung im Jahr 2025 tatsächlich keine Ausstiegsklausel oder Regelung für einen Fall wie diesen vereinbart haben, müssen sich auch Andreas Rettig, Rudi Völler und Bernd Neuendorf kritische Fragen gefallen lassen. Dann geht es längst nicht mehr nur um den Bundestrainer, sondern auch um die Verantwortung der Führung.
Es braucht jetzt keine wochenlangen Analysen. Die Erkenntnis liegt auf der Hand: In dieser Konstellation kann es nicht weitergehen. Diese Einsicht müsste zuerst Julian Nagelsmann selbst haben. Ein Rücktritt wäre ein Zeichen von Größe und Verantwortung.
Deutschland braucht einen Neustart - mit Klopp
Sollte er diesen Schritt nicht gehen, muss der DFB handeln.
Mit Jürgen Klopp steht der aus meiner Sicht ideale Nachfolger bereit. Der Posten des Bundestrainers ist genau die Aufgabe, für die er seine vorgezogene Trainer-Rente beenden würde. Klopp steht wie kaum ein anderer für Aufbruch, Autorität, einer begeisternden Spielidee und Erfolg - genau die Eigenschaften, die dem DFB seit Jahren fehlen. Er kann es schaffen, das Land und die Mannschaft zu vereinen.
Der deutsche Fußball braucht einen echten Neustart - mit Klopp.
Mehr zum Autor Florian Plettenberg
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