Vitaly Janelt im DFB-Team: Warum der Brentford-Profi für Jürgen Klopp so interessant ist
Vitaly Janelt ist neu bei der Nationalmannschaft, in der Premier League aber längst etabliert. Über Hamburg, Leipzig und Bochum führte sein Weg nach Brentford. Dort schätzen sie einen Spieler, dessen Stärken oft erst auf den zweiten Blick auffallen.
30.09.2026 | 12:45 Uhr
Premier-League-Erfahrung bringt Vitaly Janelt reichlich mit, Nationalmannschaftserfahrung dagegen noch keine. Der 28-Jährige hat sich über Jahre in Brentford zu einem wichtigen Baustein entwickelt und zählt inzwischen zu den Führungsspielern des Klubs. Genau diese Qualitäten könnten nun auch für das DFB-Team interessant werden.
Von Janik Nestler
166 Premier-League-Spiele, aber noch keine einzige Bundesliga-Minute: Vitaly Janelts Weg in die Nationalmannschaft ist ungewöhnlich. Mit 28 Jahren zählt der Mittelfeldspieler zwar zu den Neulingen in Jürgen Klopps Kader, ein unerfahrener Debütant ist er aber keineswegs. Seit fast sechs Jahren spielt Janelt für den FC Brentford, hat den Aufstieg miterlebt und sich im englischen Oberhaus einen Namen gemacht.
In Deutschland blieb er dabei vergleichsweise unauffällig. "Brentford ist nicht Chelsea, Manchester United, Manchester City", sagte Janelt nun in Herzogenaurach. Beim Londoner Klub entwickelte er sich über Jahre hinweg zu einer festen Größe. Jetzt bekommt er erstmals die Gelegenheit, seine Qualitäten auch in der A-Nationalmannschaft zu zeigen.
Ausgebildet wurde der gebürtige Hamburger beim HSV und bei RB Leipzig. Seine Zeit bei den Sachsen endete nach disziplinarischen Problemen. Über seinen damaligen U19-Rauswurf und die Lehren daraus sprach Janelt nun mit Sky Sport beim DFB. Sportlich nahm seine Karriere in Bochum wieder Fahrt auf: Ab Januar 2017 sammelte er beim VfL seine ersten Profierfahrungen, absolvierte 53 Zweitligaspiele und wechselte im Oktober 2020 nach England.
Brentford erkannte das Potenzial früh
Brentford hatte genauer hingesehen. Die Verantwortlichen beobachteten Janelt bereits in der deutschen U21 und sahen Qualitäten, die er in Bochum nur phasenweise hatte zeigen können. Wie gründlich die Engländer recherchierten, erzählte der heutige Technische Direktor Lee Dykes: Er erkundigte sich sogar beim Betreiber von Janelts Lieblingsrestaurant nach dem Mittelfeldspieler.
Als sich kurz nach dessen Verpflichtung Christian Nörgaard verletzte, kam die Chance früher als erwartet. Janelt nutzte sie. Schon in seiner ersten Saison wurde er zu einem wichtigen Bestandteil der Aufstiegsmannschaft. Im Playoff-Halbfinalrückspiel gegen Bournemouth traf er, im gewonnenen Finale gegen Swansea stand er in der Startelf. Wenig später folgte mit Deutschland der U21-EM-Titel. Anschließend behauptete er sich auch eine Liga höher.
Janelts Wert für Brentford lässt sich nicht allein an Toren und Vorlagen messen. Er erkennt Räume, sichert seine Mitspieler ab und setzt Gegner unter Druck. Der Linksfuß kann als Sechser vor der Abwehr spielen, als Achter weiter nach vorne rücken und bei Bedarf auf Abwehrpositionen aushelfen. Schon Thomas Frank (ehemaliger Trainer des FC Brentford, Anm. d. Red.) schätzte seine Mischung aus Defensivarbeit, aggressivem Pressing und den immer wieder gut getimten Läufen in den Strafraum.
Der Wert hinter den Zahlen
Auch mit Ball übernimmt Janelt Verantwortung. In einem ausführlichen Interview auf Brentfords Vereinswebsite erklärte er, wie er sich im Aufbau anbietet und bereits vor der Ballannahme nach Anschlussmöglichkeiten sucht. Mal spielt er nach vorne, mal lässt er den Ball zurücklaufen oder schafft durch seine Position Platz für einen Mitspieler. Entscheidend ist für ihn, die passende Lösung zu finden und das Risiko richtig einzuschätzen.
Wie wichtig Janelt für Brentford ist, brachte sein heutiger Trainer Keith Andrews im Januar auf den Punkt: "Vitaly hat die Fähigkeit, andere Spieler besser spielen zu lassen." Der Coach hob dabei auch das Vertrauen hervor, das Janelt innerhalb der Mannschaft genießt.
Führungsspieler mit hohem Ansehen
Dieses Ansehen lässt sich belegen. In der Saison 2023/24 kam Janelt in allen 38 Premier-League-Partien zum Einsatz. Seine Mitspieler wählten ihn zu ihrem Spieler des Jahres. Dazu hat er Brentford mittlerweile mehrfach als Kapitän aufs Feld geführt und gehört zum Kreis der Stellvertreter des etatmäßigen Spielführers Nathan Collins.
Zur ersten DFB-Nominierung erklärte Andrews auf der Vereinswebsite: "Sein Wert für mich, die Kabine und die Kultur des Klubs ist enorm." Brentford hatte Janelts Vertrag bereits im Januar bis 2030 verlängert. In die neue Premier-League-Saison startete er mit zwei Toren und stand in den ersten fünf Spielen über die kompletten 450 Minuten auf dem Platz.
Für Klopp könnte damit ein Spieler interessant werden, der den offensiveren Akteuren Sicherheit gibt und zugleich im Aufbau mitarbeitet. Janelt selbst formuliert seinen Anspruch deutlich einfacher: "Ich mache die Drecksarbeit für die Jungs vor mir." Gegen Serbien oder Griechenland könnte er erstmals zeigen, welchen Unterschied diese Arbeit auch für die Nationalmannschaft macht.
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