Zum Inhalte wechseln

Oliver Kahn und Michael Ballack exklusiv über Kimmich, Klopp, Nationalmannschaft

Oliver Kahn und Michael Ballack sprechen exklusiv in "Schwarz. Rot. Klopp – Das Fazit" bei RTL/ Sky Sport über die ersten vier Länderspiele des DFB-Teams unter Jürgen Klopp, Joshua Kimmich und ihre Meinung zur Nationalmannschaft.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Die Diskussionen um Joshua Kimmich und dessen Rolle im DFB-Team nehmen kein Ende. Vor dem Duell mit Griechenland haben auch Oliver Kahn, Michael Ballack und Roman Weidenfeller über ihn gesprochen.

Besonders die Situation rund um den Bundestrainer und DFB-Kapitän Joshua Kimmich blieb von der Länderspielpause im Gedächtnis. Ex-Spielführer Oliver Kahn sieht dabei keine positive Entwicklung für den Bayern-Star.

Michael Ballack (98 DFB-Spiele) über ...

… die jungen Nationalspieler: "Wir haben doch gesehen: Er hat 44 Spieler eingeladen. Normalerweise hast du 20 bis 23 Spieler im Kader, aber er hat etwa 20 mehr eingeladen. Das sind die Spieler, die eigentlich als Nächstes kommen. Wenn wir ehrlich sind, sind sie noch nicht so weit - was sie vielleicht auch noch gar nicht sein können. Aber waren vom Talent her fünf, sechs Spieler dabei, bei denen du siehst: Der braucht noch ein Jahr, aber in zwei Jahren ist er da? Wenn wir kritisch sind und die vier Spiele jetzt Revue passieren lassen, dann ist das nicht der Fall. Da müssen wir ehrlich genug sein.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Michael Ballack teilt die Meinung von Oliver Kahn, dass den Fußballern zu viel abgenommen wird. Der ehemalige Nationalspieler will wieder Spieler sehen, die selbst Verantwortung übernehmen.

… die Führungsspieler: "Wir haben aber ganz wenige Führungsspieler, die sich in der Kabine auch untereinander die Meinung sagen. Es geht um Selbstreinigung, um einen Prozess, der aus der Mannschaft kommen muss. Wir reden immer viel über den Trainer. Natürlich kann der Trainer viel bewirken, vor allen Dingen im Negativen. Im Positiven müssen die letzten Prozente aber auch aus der Mannschaft herauskommen: Entscheidungen auf dem Platz, selbst entscheiden. Diesen Freiraum müssen die Spieler wieder bekommen, auch im Jugendalter. Wir haben vorhin über Ausbildung gesprochen: Die Spieler dürfen nicht alles vorgegeben bekommen. Diese "Versystematisierung" des Fußballs, dieses Überangebot an allem, dieses Optimieren. Vielleicht müssen wir davon wieder ein bisschen wegnehmen, damit wir Persönlichkeiten entwickeln."

Oliver Kahn (86 DFB-Spiele) über ...

… Joshua Kimmichs Rolle: "Jürgen Klopp hat auch einen interessanten Satz über Kimmich gesagt: "Ich möchte die Mannschaft auch mal ohne den Leitwolf sehen." Ich persönlich finde diese Aussage aus Sicht von Joshua Kimmich nicht besonders positiv. Denn was sagt er damit? Er möchte sehen, ob eine bestimmte Persönlichkeit möglicherweise eine Mannschaft hemmt. Und das gibt es tatsächlich. (…) So etwas sollte man nicht öffentlich sagen, weil man den Spieler damit auf eine gewisse Art und Weise diskreditiert."

… die tiefgründigen Probleme im deutschen Fußball: "Ich glaube, wir haben es im deutschen Fußball nicht geschafft, ein System zu etablieren und aufzubauen, vergleichbar mit dem, das wir in Spanien sehen. Ein System, auf das man setzen kann und in dem sich immer wieder etwas entwickelt. Stattdessen gehen wir zum Trainer, dem schwächsten Glied in der Kette. Wir tauschen ihn aus und glauben, damit etwas verändert zu haben. Im Grunde haben wir gar nichts verändert. Wir haben Julian Nagelsmann weggeschickt und dafür Jürgen Klopp geholt: wieder völlig neue Ideen, wieder ein etwas anderer Spielstil. Wir haben Hansi Flick geholt und ihn dann auch wieder weggeschickt. Trainerwechsel bringen uns keine Erlösung. Wir kommen nur vorwärts, wenn wir ehrlich darauf schauen, was in diesen zehn Jahren im deutschen Fußball passiert ist, dass wir keine Rolle mehr spielen. Aus meiner Sicht liegt das nicht daran, dass es keine Talente mehr gibt oder dass wir nicht richtig ausgebildet haben. Im Gegenteil: Wir haben überausgebildet. Wir haben die Spieler überoptimiert und dabei vollkommen vergessen, dass du jungen Menschen nicht alles abnehmen darfst. Sonst entwickeln sie keine Persönlichkeit und übernehmen keine Verantwortung. Wir glauben jetzt, mit einem neuen Trainer, der ein paar Dinge anders macht, seien wir wieder erfolgreich. Das ist aus meiner Sicht völlig abstrus. Wer kann so etwas glauben? Ich habe da große Zweifel."

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Oliver Kahn bemängelt, dass die deutschen Fans der Nationalmannschaft nicht genug abverlangen. Der ehemalige Nationaltorhüter will wieder Spieler sehen, die mehr Verantwortung übernehmen.

… die Nachvollziehbarkeit der beiden Einsätze von Jonas Urbig: "Das ist schwierig, weil es immer um das Leistungsprinzip geht. Ich glaube nicht, dass die Nationalmannschaft dazu da ist, irgendjemandem Spielpraxis zu verschaffen. Ich finde, das war schon etwas unglücklich. Wenn jemand Spielpraxis braucht, dann hätte ich sie gerne demjenigen gegeben, der laut Jürgen Klopp zumindest im Moment die Nummer eins ist: Marc-Andre ter Stegen. Das hätte aus meiner Sicht mehr Sinn ergeben."

Nachfrage: Ist ter Stegen für dich auch die Nummer eins?

Mehr dazu

"Er ist zumindest der Erfahrenste, derjenige, der Titel gewonnen und auf allerhöchstem Niveau im Fußball agiert hat. Er weiß, was es bedeutet, in einem Champions-League-Finale zu spielen. Das sind Erfahrungen, die du als Torwart hast, und die sind extrem wichtig. Richtig ist aber auch, dass er in seinen Länderspielen nicht immer hundertprozentig überzeugt hat. Es gab immer wieder Spiele, in denen man das Gefühl hatte, dass die letzte Sicherheit fehlt, und er auch den einen oder anderen Fehler macht. Das heißt, auch er kann sich momentan nicht hundertprozentig sicher sein. Aber das ist nun mal so und muss nichts Schlechtes sein. Ich kenne diese Aussagen von Trainern: 'Du bist im Moment meine Nummer eins.' Was heißt das? Das heißt gar nichts …"

Mehr zu den Autoren und Autorinnen auf skysport.de

Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.

Mehr Geschichten

Sky Data Layer Viewer