Lothar Matthäus über das DFB-Team, Jürgen Klopp und Joshua Kimmich
Lothar Matthäus erklärt in seiner Kolumne, was ihm trotz der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Griechenland Hoffnung macht. Der Sky Sport Experte nimmt Bundestrainer Jürgen Klopp in Schutz und die Spieler in die Pflicht.
28.09.2026 | 17:16 Uhr
Einen Punkt bei Klopps Kader-Aufteilung kann der Rekordnationalspieler allerdings nicht nachvollziehen.
"Lieber ein schlechter Start als ein schlechtes Ende. Wir tun die richtigen Dinge, haben aber ein kleines Zeitproblem für diese Spiele gerade." Das hat Jürgen Klopp nach der 0:1-Niederlage gegen Griechenland gesagt.
Die Leistung der Nationalmannschaft war am Sonntag bei weitem nicht die, die man sich erhofft hatte. Andererseits erwarte ich nicht nur von Klopp eine gewisse Leistung, sondern auch von den Spielern.
Dieser Satz von Klopp hat mich gestört
Mich hat nur ein Klopp-Satz gestört: "In den 15 Minuten nach der Pause haben wir gezeigt, was wir wollen." Wenn in diesen 15 Minuten die Automatismen funktioniert haben, warum dann nicht auch in den anderen 75 Minuten?
Klopp hatte in seinem Kader Spieler, die in ihren Vereinen auf höchstem Niveau funktionieren.
Warum spielt Kimmich im DFB-Team nicht so wie bei Bayern?
Ich will niemanden anzählen, aber hat Karim Adeyemi in den Niederlanden und gegen die Griechen so gedribbelt und so abgeschlossen wie in Barcelona? Er hat das Recht zu dribbeln, aber er hat auch das Recht, ein Tor zu machen aus Chancen, die er bei Barca zuletzt verwertet hat.
Hat Felix Nmecha so gespielt wie in Dortmund? Sein Zweikampfverhalten vor dem 0:1 war kreisligareif.
Warum spielt Joshua Kimmich in der Nationalmannschaft nicht so wie in München? Kimmich hat dort Mitspieler auf Weltklasse-Niveau, wie Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz. Er selbst hat bei Bayern den Unterschied ausgemacht, aber im DFB-Team bisher noch nicht. Ich traue es ihm aber auf jeden Fall zu.
Klopps System ist ähnlich wie das des FC Bayern. Er erwartet die gleichen Dinge von seinen Spielern wie die Vereinstrainer. Deswegen nehme ich nicht nur den Bundestrainer in die Pflicht, sondern auch die Spieler. Sie bringen Qualität und Erfahrung mit, aber wenn sie diese Qualitäten nicht zeigen, funktioniert es nicht.
Die Griechen haben gut verteidigt, aber wir hatten keine Lösungen. Barcelona oder Bayern spielen auch oft gegen tief stehende Gegner. Warum haben unsere Spieler in ihren Klubs Lösungen, aber nicht im DFB-Team?
Die Nations League ist ein wichtiger Wettbewerb
Was man auch nicht vergessen darf, gerade vor den zuletzt ausgebliebenen Erfolgen bei den vergangenen Welt- und Europameisterschaften: Die Nations League ist ein wichtiger Wettbewerb und wir haben immer noch die Chance, das Viertelfinale zu erreichen.
"Lieber ein schlechter Anfang als ein schlechtes Ende", hat Klopp gesagt. Wo ist das Ende? Die EM in zwei Jahren? Die WM in vier Jahren? Oder vielleicht doch schon die Nations League, wenn wir die nächsten vier Spiele gewinnen?
Die Spieler müssen auf dem Platz Lösungen finden
Die deutschen Nationalspieler spielen in besseren Vereinen, haben höhere Marktwerte, aber trotzdem haben wir gegen die Griechen, die seit dem EM-Gewinn 2004 nichts gerissen haben, verloren.
Das war auch schon bei der WM gegen Paraguay oder Ecuador so. Die Spieler müssen auf dem Platz Lösungen finden. Alles, was Klopp von seinen Spielern fordert, war für mich 20 Jahre lang eine Normalität auf dem Fußballplatz. Laufen, Zweikämpfe gewinnen, das sind Grundvoraussetzungen. Intelligent zu spielen und Lösungen zu finden, dafür sind die Spieler verantwortlich.
Wir haben sehr viel Qualität, aber auf der einen oder anderen Position haben wir momentan nicht die Spieler, die auf allerhöchstem Niveau den Unterschied ausmachen, wie es früher Andreas Brehme, Philipp Lahm oder Miroslav Klose getan haben.
Das verstehe ich bei Klopps Kaderaufteilung nicht
Noch einmal: Ich bin mit dem, was Klopp gemacht hat, mit den zwei Kadern, die er nominiert hat, einverstanden.
Es gibt aber eine Sache, die ich nicht verstehe: Kimmich ist nicht nur der Kapitän der 22 Spieler im ersten Kader, sondern auch der Kapitän der anderen Spieler, die sich am Montag in Herzogenaurach getroffen haben. Ich hätte ihn bei allen vier Spielen im Kader gelassen, damit die Neulinge auch ihn kennenlernen. Denn der Kapitän ist der Spieler, der neben dem Trainer mitverantwortlich ist für die Mannschaft.
Ob er in München trainiert oder spielt, Kimmich ist immer on Fire. Er ist der absolute Leader dieser Nationalmannschaft, das hat er sich über Jahre und ein Jahrzehnt verdient.
Was mir für die nächsten Spiele Hoffnung macht
In den nächsten beiden Spielen wird es auch darauf ankommen, dass die Spieler ihre Rucksäcke wegwerfen. Dass ein Said El Mala das zeigt, was er in Köln gezeigt hat, ein Lennart Karl an seine Anfangszeit in München anknüpft. Einige haben Verletzungen hinter sich, andere kommen aus einer schwierigen Phase. Wunderdinge darf man nicht gleich erwarten.
Was mir aber Hoffnung gibt, ist die Qualität der Spieler, die einen deutschen Pass haben.
Klopp muss in den nächsten Spielen liefern
Alles ist noch möglich, alles ist noch drin. Der Bundestrainer muss in den nächsten Spielen mit einer auch wieder neu formierten Mannschaft liefern.
Sollte das DFB-Team aber am Ende die Qualifikation für das Viertelfinale der Nations League verpassen, muss man anschließend hinterfragen, was falsch und was richtig war.
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