Ha Ho He – Tabellenführer von der Spree! Drei Gründe für den Traumstart
Die Hertha erlebt nach den Unruhen in der Vorbereitung um fehlende Neuzugänge den besten Saisonstart ihrer Vereinsgeschichte und grüßt nach vier Siegen in Serie von der Tabellenspitze.
07.09.2026 | 11:20 Uhr
Mit vier Siegen aus den ersten vier Spielen ist Hertha eindrucksvoll in die neue Saison gestartet, für Sky Sport Reporterin Lisa de Ruiter hat der Erfolg der Alten Dame drei Gründe.
Sonntagnachmittag, 6. September 2026, 15.28 Uhr. Durch das Berliner Olympiastadion hallt laut "Spitzenreiter! Spitzenreiter! Hey! Hey!". Etwas, das ich in meinen fast fünf Jahren als Hertha-Reporterin auch noch nicht erlebt habe.
Glückliche Gesichter überall, lautstarker Support von allen Fans - nicht nur von der Ostkurve - während des gesamten Spiels. Jeder gewonnene Zweikampf, jeder Standard, jeder gehaltene Ball wird gefeiert.
Hertha darf wieder träumen - wohlwissend, dass erst der 4. Spieltag rum ist. Aber es fühlt sich gerade irgendwie anders an. Auch für uns Reporter. Denn dieses Spiel wäre in der Vergangen prädestiniert dafür gewesen, dass eine tolle Serie reißt. Dieses Mal ist es anders. Und weil vor der Saison damit wohl absolut niemand gerechnet hat, ist die Euphorie dann doch groß. Aber auch die Demut. "Man, tut das gut" und "einfach das Momentum genießen" sagen mir die Fans, mit denen ich mich nach Abpfiff unterhalten habe. Und trotzdem sehen alle auch irgendwie: Bei der Alten Dame ist in den letzten Wochen richtig was zusammengewachsen. Hertha ist Spitzenreiter - und das hat vor allem drei Gründe.
Stars weg - Team da!
Der Ausverkauf der Hertha im Sommer hat vielen Fans Sorgen gemacht. Reese, Cuisance, Eichhorn, Ernst - wie soll man das kompensieren? Die Mannschaft ist während des Sommers zusammengewachsen, ist eine Einheit geworden. Spieler, die in der vorherigen Saison Bankdrücker waren oder als Verkaufskandidaten galten, blühen auf. Ein Paradebeispiel dafür ist Julian Eitschberger. Wie er in den letzten Spielen aufgetreten ist, wie er seine Seite beackert hat, in die Zweikämpfe geht und mit welcher Überzeugung er dies tut, ist beachtlich.
Nach dem 2:1-Erfolg gegen Magdeburg sagt er: "Bei uns in der Mannschaft herrscht keine Unruhe, wir sind völlig motiviert, jeder Spieler kriegt seine Chance und deswegen macht es uns zu einem guten Team." Ein weiteres Beispiel ist Jon Thorsteinsson. Er war in seiner Hertha-Zeit alles: Bankdrücker, nicht im Kader, verliehen, Verkaufskandidat. Jetzt ist er plötzlich ein wichtiger Faktor in Leitls Team, Startelf-Spieler. Und liefert ab! Vermeintliche individuelle Qualität ist weg, das Spiel fokussiert sich jetzt nicht mehr allein auf Ex-Kapitän Reese - sondern die Last wird auf alle Schultern verteilt. „Wenn es drauf ankommt, dann sind das die entscheidenden Prozente, um ein Spiel zu gewinnen", stellt Keeper Marius Gersbeck dazu fest. Hertha zeigt: Ein funktionierendes Team ist in dieser 2. Liga oftmals mehr wert als große Namen.
Die (wenigen) Neuzugänge zünden schon
"Wann kommt denn jetzt noch was bei Hertha?". Die Frage wurde mir in der Transferphase oft von Fans gestellt. Am Ende stehen 16 Abgänge und 4 Neuzugänge zu Buche. Neuzugänge, von denen man jetzt nicht so genau wusste, in welche Richtung das gehen soll. Kostengünstig musste es sein. Und dabei gerne effektiv. Der Transfersommer der Alten Dame wurde von vielen belächelt. Aktuell scheint der Plan aber aufzugehen. Oluwaseun Adewumi, die Leihe aus Burnley, wirkte sofort angekommen und frisch.
Seine Joker-Einsätze haben sich schon jetzt ausgezahlt: Drei Treffer konnte der österreichische U-Nationalspieler bereits erzielen, fühlt sich nach kurzer Zeit schon sichtlich wohl in der Hauptstadt. Neuzugang Mads Pedersen musste direkt nach wenigen Tagen den gesperrten Deyo Zeefuik ersetzen - und hat das trotz fehlender Spielpraxis in Braunschweig und auch gegen Magdeburg gut gemacht. Mit Gustaf Nillson hat Stefan Leitl kurz vor Transfer-Ende dann auch noch seinen Mittelstürmer bekommen. Der Schwede war bei der WM mit dabei, soll das fehlende Puzzlestück im Kader sein.
Kein Druck
In den letzten Jahren wurde bereits vor der Saison das Ziel ganz deutlich und offensiv ausgesprochen: der Aufstieg! In diesem Sommer musste man naturgemäß kleinere Brötchen packen, ein „einstelliger Tabellenplatz" sei ein Erfolg für den Verein, sagte Geschäftsführer Dr. Peter Görlich vor dem Saisonstart. Der Druck, der in den letzten Jahren herrschte, war plötzlich weg. Vor allem auch für Stefan Leitl. Der gesteht seinen Spieler auch ganz öffentlich Fehler ein, lässt jetzt viel offensiver und mutiger spielen. Niederlagen sind einkalkuliert, diese Saison wird als Prozess, als Neuanfang gesehen. In dem Fehler passieren dürfen. Dieses Mindset scheint viel Last von allen Schultern genommen zu haben - und sorgt in der Mannschaft aktuell für eine Leichtigkeit, die man seit Jahren beim Hauptstadtklub nicht mehr gespürt hat.
Der Weg ist noch weit, das ist klar. Aber die Alte Dame kann auf den besten Saisonstart der Profi-Vereinsgeschichte blicken. In 59 Jahren ist dies noch nicht gelungen. Fünf Pflichtspiele, fünf Siege. Spitzenreiter. Über 60.000 Fans im Stadion. Diese Hertha macht gerade einfach richtig Spaß!
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