Ein Kommentar zu den BVB-Aussagen von Nico Schlotterbeck
Nico Schlotterbeck hat den BVB mit seinen Aussagen in Schockstarre versetzt.
31.03.2026 | 14:36 Uhr
Grundsätzlich ist Schlotterbeck in seinem praktischen Vorgehen beim Thema Vertragsverhandlung gar kein Vorwurf zu machen. Ein Kommentar von Sky Sport Reporter Jesco von Eichmann.
Dass der Nationalspieler seine Zukunft sorgfältig abwägt, ist sein gutes Recht. Er will im besten Fußballer-Alter und mit der Reputation als Stammspieler und Vize-Kapitän beim zweitgrößten deutschen Verein, den bestmöglichen Vertrag aushandeln - ob in Dortmund, Madrid oder London. Der Arbeitnehmer Schlotterbeck denkt wirtschaftlich. Vollkommen legitim.
Kommunikativ spielt Schlotterbeck allerdings mit dem Feuer und wirkt - was die Strategie angeht - nicht gut beraten. Mit seinen jüngsten Aussagen führt er - sicherlich ungewollt - insbesondere Neu-Sportdirektor Ole Book und Sport-Geschäftsführer Lars Ricken vor.
"Ich habe lange mit Sebastian (Kehl, Anm. d. Redaktion) verhandelt", erklärte der 26-Jährige: "Ich hätte wahrscheinlich in den nächsten Wochen eine Entscheidung getroffen. Jetzt hat sich die Situation schon ein bisschen verändert, da muss ich einfach schauen."
Ein Schlag ins Gesicht des BVB.
Ein Schritt ins emotionale Abseits
Denn: Geändert hat sich die Personalie Kehl - das stimmt. Aber der ist ja auch nur der Verhandler für den Klub Borussia Dortmund. Da darf die Frage erlaubt sein: Was hat sich damit an der Perspektive geändert, die der Klub ihm bietet?
In den Gesprächen um seine Zukunft war Ricken auch vertreten. Dass die Vertragsdaten von Book einkassiert wurden, würde nicht zur Strategie des BVB passen, Schlotterbeck als neues Gesicht aufzubauen. Und schließlich haben Books Bosse die Verhandlungen bisher selbst mitgestaltet.
Die Zielsetzung des Klubs, näher an die Bayern zu rücken, möglichst Titel holen, eine starke Mannschaft aufbauen, haben sowohl Ricken als auch Book bei der Vorstellung des neuen Sportdirektors nochmal klar unterstrichen.
Mit seinem Hinweis, dass die Kehl-Trennung einiges verändert habe, stellt Schlotterbeck Personen über den Verein BVB oder sucht einen Grund, eine Entscheidung noch weiter hinauszuzögern.
Und mit dieser Strategie manövriert sich Schlotterbeck langsam ins emotionale Abseits.
Bekenntnis zweiter Klasse?
Denn was bei einem Verein wie Borussia Dortmund auch wichtig ist: wie reagieren die Fans auf das Thema? Und da brodelt es schon länger. Das Zögern wird dem Vize-Kapitän als Misstrauen und Liebesverweigerung gegenüber dem BVB ausgelegt. Die Fans fühlen sich als zweite Wahl und das passt nicht zur emotionalen Verbindung, nach der die Fans gerade in der Post-Hummels- und Reus-Ära lechzen.
Zögert Schlotterbeck weiter, verkommt eine mögliche Vertragsverlängerung zu einem Bekenntnis zweiter Klasse. Und in Dortmund wird es schwierig werden, Schlotterbeck als nächsten Kapitän und Identifikationsfigur aufzubauen.
Ricken nimmt das Thema trotzdem pragmatisch auf: "(...) Wir sind mit Nico und seinem Management nach wie vor in einem vertrauensvollen Austausch. An unserer Grundhaltung, ihn langfristig an den BVB zu binden, hat sich nichts geändert. Daran arbeiten wir weiter."
Geduldige Worte trotz eines halbjährigen Pokers, der immer noch kein Enddatum kennt. Von Vereinsseite liegen alle Daten und Fakten auf dem Tisch. Beim BVB sind sie bereit, Schlotterbeck zum Topverdiener (mit attraktiver Punktprämie) zu machen.
Auch das zeigt die Wertschätzung gegenüber dem Spieler. Und dafür haben Fans und Klub eine Entscheidung verdient - und keine weitere Hängepartie.
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