Diskussionen um aberkanntes Kane-Tor und Diaz-Schwalbe
Ein dezimierter FC Bayern hat sich bei Bayer Leverkusen ein 1:1 erkämpft. Es war ein ereignisreiches Spiel mit vielen Schlüsselsituationen, die nach Schlusspfiff für reichlich Gesprächsstoff sorgten.
14.03.2026 | 22:15 Uhr
Aufseiten der Bayern gab es insbesondere zwei Szenen: Das aberkannte Kane-Tor in der 63. Spielminute und die Gelb-Rote Karte für Luis Diaz nach einer vermeintlichen Schwalbe (84.).
Es gab viel zu besprechen!
Neun Bayern holen nach einem zwischenzeitlichen Rückstand einen Punkt in Leverkusen. Eine beachtliche Energieleistung. Allerdings sorgten zwei strittige Entscheidungen von Schiedsrichter Christian Dingert für Gesprächsstoff.
Einerseits das aberkannte Kane-Tor: Bei der Entstehung wurde der Engländer aus nächster Nähe von Bayer-Torhüter Jannis Blaswich angeschossen. Luis Diaz schnappte sich den abgeblockten Ball und bereitete so den vermeintlichen Ausgleich vor. Zunächst zählte der Treffer, doch der VAR nahm schlussendlich das Tor zurück, da Kane den Ball zuvor an den angelegten Arm bekam.
Tah: "Für mich kein Handspiel"
Dass der Kane-Treffer zurückgenommen wurde, ist für Bayern-Verteidiger Jonathan Tah eine Fehlentscheidung: "Für mich ist es kein Handspiel - um ehrlich zu sein. Es ist kein Handspiel, weil Kane sich wegdreht und ich finde nicht, dass der Arm extrem weit vom Körper weg ist. Schlussendlich hat der Schiedsrichter aber so entschieden."
Sky Sport Experte Didi Hamann springt dem FCB-Star zur Seite und ist ähnlicher Meinung: "Harte Entscheidung. Sowas kann man oder sollte man laufen lassen. So wurde es zunächst auf dem Feld auch entschieden. Quansah hatte dann noch die Chance, den Ball zu klären, somit hätte auch gar keine Gefahr bestanden. Mich hat es auch gewundert, dass das Tor zurückgenommen wurde."
Nach dem Schlusspfiff erklärte Dingert gegenüber Sky Sport seine Entscheidung: "Im Spiel konnte ich das Handspiel nicht sehen, weil es die abgewandte Seite war." Nach Ansicht der Bilder habe der Referee aber erkannt, dass sich Kanes Arm leicht in Richtung des Balles bewegte. Da diese Bewegung stattgefunden hat, war aus Dingerts Sicht dieses Handspiel strafbar.
Diaz-Platzverweis? Kompany: "Niemals eine Gelbe Karte"
In der Schlussphase sorgte die Ampelkarte für Luis Diaz ebenfalls für viele Diskussionen. Vorausgegangen war ein Fallen des Kolumbianers im gegnerischen Strafraum. Es gab zwar einen Kontakt zwischen dem FCB-Flügelstürmer und Torhüter Blaswich, allerdings stand Diaz sofort wieder auf. Trotzdem gab Referee Dingert die zweite Gelbe Karte und bewertete diese Situation als Schwalbe.
Auch hier lag eine Fehlentscheidung des Unparteiischen vor, findet Tah: "Er fällt zwar hin und er wird auch ein wenig berührt, aber er steht sofort wieder auf und macht kein Theater. Deswegen frage ich mich, warum man so reagiert, als hätte er eine Show daraus gemacht. Auch das hat der Schiedsrichter so entschieden und wir müssen das annehmen."
Bayern-Trainer Vincent Kompany findet ebenfalls deutliche Worte: "Ich bin nicht zufrieden, dass Lucho jetzt gesperrt ist. Man muss die Szene im Ganzen sehen. Er steht so schnell wieder auf und es gibt auch noch einen Kontakt. Dann kann man die Diskussion führen: Elfmeter oder nicht. Aber es ist niemals eine Gelbe Karte. Diaz wird jetzt im nächsten Spiel (gegen Union Berlin, 21. März, 15:30, live bei Sky Sport; Anm. d. Red.) fehlen, ohne dass ich verstehe, warum."
Hamann findet Diaz-Platzverweis nachvollziehbar
Hier ist Hamann anderer Meinung und kann Dingerts Entscheidung nachvollziehen: "Diaz legt den Ball vorbei und der Torwart macht keine Anstalten, um an den Ball zu kommen. Diaz fädelt den Kontakt ein, trifft den Torwart und steht sofort wieder auf. Ich glaube, er wusste selber schon, dass es mit Sicherheit kein Elfmeter ist. Für mich ist diese Entscheidung auch absolut nachvollziehbar, denn in den letzten Monaten und Jahren hat sich dieses Fallenlassen und das Elfmeterprovozieren wieder eingeschlichen. Es war daher dringend an der Zeit, dass es mal unterbunden wird und auch mit einer Verwarnung bzw. Platzverweis geahndet wurde. Ich bin da voll beim Schiedsrichter."
Diaz-Schwalbe? Dingert gesteht Fehler ein
Dingert bezog auch zur Diaz-Szene Stellung. "Aus dem Spiel heraus habe ich wahrgenommen, dass der Spieler Diaz abhebt. Den anschließenden Treffer am Fuß habe ich nicht so wahrgenommen", sagte der 45-Jährige. "Wenn ich die Bilder sehe, sage ich: kein Elfmeter, das ist klar und Gelb-Rot sehr hart. Wenn ich jetzt die Bilder sehe, würde ich das so nicht mehr geben."
Die Bundesliga-Partie zwischen Leverkusen und dem deutschen Rekordmeister zeigte erneut: Auch mit Einsatz des Videoschiedsrichters gibt es weiterhin Diskussionsbedarf. Bayern-Routinier Sven Ulreich plädierte abschließend für eine klarere Line beim VAR: "Bei ganz, ganz klaren Entscheidungen kann man gerne eingreifen. Aber nicht bei einem Block, wo vielleicht ganz wenig Hand mit dabei ist oder nicht. Es gibt keine klare Linie - bei Handspielen, aber auch ganz allgemein."
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