Schumacher-Hommage in Monza: Kehm spricht über Ferrari-Liebe, Familie und eine besondere Ehre
Ferrari ehrt Michael Schumacher beim Italien-GP in Monza. Für Managerin Sabine Kehm ist die Würdigung ein emotionaler Moment, der die einzigartige Verbindung zwischen Schumacher, Ferrari und den Fans unterstreicht.
03.09.2026 | 11:11 Uhr
30 Jahre nach Michael Schumachers erstem Sieg für Ferrari in Monza erinnert sich seine langjährige Managerin Sabine Kehm im exklusiven Interview mit RTL/ntv und skysport an die schwierigen Anfänge, eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte und die private Seite des siebenmaligen Weltmeisters.
Sabine Kehm (langjährige Managerin von Michael Schumacher) über ...
... Schumachers Anfänge bei Ferrari: "Am Anfang war das durchaus eine schwierige Verbindung: diese sehr emotionalen Italiener und der doch sehr traditionsunbewusste Deutsche. Michael fand Ferrari als Projekt toll, aber diesen Mythos und all das, was Ferrari in Italien darstellt, das kannte er zunächst nicht so und das hat der hat ihn auch, glaube ich, am Anfang ziemlich umgehauen. Vielleicht war es eine Liebe auf den zweiten Blick. Aber dafür war sie dann umso größer."
... über die besondere Hommage von Ferrari zum Monza-GP: "Ferrari, Michael, Monza: Das ist ein Dreiklang, den jeder Formel-1-Begeisterte einfach liebt. Ich glaube, dass es ein ganz tolles Wochenende wird. Ich bin super dankbar und finde es ganz toll, dass Ferrari Michael diese Ehre zuteil werden lässt."
"Ich bin sicher, er ist ganz glücklich darüber und ganz stolz darauf. Und er hat ja immer auch gesagt und es auch immer vorgelebt, gerade in diesen Phasen, wo er auf der Rennstrecke war, dass er damit den Leuten Freude bringen möchte. Und das hat er ja getan, damals schon."
... die Scuderia-Familie: "Michael hat sich nie von diesem Team abgesetzt. Er wollte immer einer von ihnen sein. Als er bei Ferrari aufhörte, schenkten ihm die Mechaniker ein großes Bild. Darunter stand: 'Du bist einer von uns.' Das war genau das, was Michael immer sein wollte und was er in dieser Zeit auch wirklich war."
"Auch wenn er das sehr erfolgreich versucht hat zu verbergen: Diese Emotionalität, die die Italiener, die Fans, die Mitarbeiter dem Team entgegengebracht haben, hat ihn mitgerissen. Das traf auf die gleiche Leidenschaft und Emotionen, die er für diesen Sport hat. Wie man ja immer gesehen hat, wie er jeden einzelnen Sieg gefeiert hat, wie ein kleines Kind. Daran hat man immer gesehen, dass er sehr wohl sehr viele Emotionen in sich trägt. Und das haben die Italiener dann auch sehr schnell gesehen und haben ihn schnell in ihr Herz geschlossen."
... das Schicksalsjahr 1994: "Viele haben vielleicht vergessen, wie schwer alles am Anfang war und dass Michael eben nicht alles zugeflogen ist. Der Film zeigt wunderbar, wie er sich gegen alle Widerstände durchgekämpft hat."
"1994 war eine wahnsinnig dramatische Saison, mit den tödlichen Unfällen von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna, den Diskussionen und Manipulationsvorwürfen. Wir wissen heute vielleicht gar nicht mehr, wie unglaublich ereignisreich und wahnsinnig dieses Jahr war."
... das erste Ferrari-Jahr 1996: "Da hat man am Anfang ein bisschen gefremdelt. Aber dadurch, dass er es geschafft hat, mit einem Auto, das 1996 eigentlich wirklich total unterlegen war, drei Siege zu holen, unter anderem einen in Monza, hat natürlich ganz viele Skeptiker auf seine Seite gezogen."
... die Erfolgsjahre im Ferrari: "Das war so eine unglaublich Zeit, gerade natürlich die Jahre 2000 bis 2004, aber auch bis 2006. Gerade weil es in den Jahren zuvor oft so harte Rückschläge gab, war diese Siegesserie umso tiefer im Erleben. Michael hat es mit seiner Führungskraft und mit seiner Integrationskraft geschafft, das Team komplett um sich zu scharen, weil er sich wirklich um die Leute bemüht hat."
... Schumachers Aufstieg & seine Frau Corinna: "Der Junge aus Kerpen wurde plötzlich ein internationaler Superstar. Das mediale Interesse, das auf ihn einstürmte, war ein riesiges Thema. Das war natürlich schon schwierig für ihn. Und das hat auch eine ganze Weile gebraucht, bis er das für sich selber irgendwie so wegsortiert hat, dass er damit problemlos umgehen konnte. Deshalb war ihm sein privater Bereich immer so wichtig. Er brauchte diesen Rückzugsort, um seine Batterien aufzuladen und die Kraft für seinen Sport zu behalten."
"Michael und Corinna sind ein grandioses Paar, das ist eine Liebe fürs Leben. Sie hat das alles miterlebt und ist auch, wie Michael, gewachsen. Das erzählt alles sehr schön in dieser Doku, wie sie selber in die große, neue Welt reingeworfen wurde."
"Beide Kinder haben es schon gesehen. Und für die ist es auch toll, in diese Vergangenheit einzutauchen, in der sie beide noch nicht auf der Welt waren."
... Schumachers Beziehung zu Sebastian Vettel: "Ich kann mich an Sebastian (Vettel, Anm. d. Red.) auch noch erinnern, als er sehr viel jünger war und in Kerpen auf der Kartbahn war. Es war ja immer ein bisschen diese Verbindung zwischen Michael und Sebastian. Auch unabhängig jetzt von der reinen Erzählung von Sebastian, dass Michael sein sportliches Vorbild war. Aber Michael hat das schon immer so ein bisschen hinter den Kulissen geguckt, ganz vorsichtig, damit die Medien nicht zu sehr darauf aufmerksam werden. Da ist ja dann später auch eine große Freundschaft geworden. Eine echte."
... über Vettels Monza-Show im Schumacher-Ferrari: "Ich freue mich sehr darauf. Ich bin sicher, auch Sebastian freut sich sehr darauf. Diese alten Autos zu fahren, diese dicken, großen, lauten Motoren zu erleben, zu hören, das ist, glaube ich, bei jedem noch mit Gänsehaut verbunden."
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