Ralf Schumacher über die Krise bei Aston Martin vor dem Formel-1-Saisonstart
Für Aston Martin droht der Saisonstart der Formel 1 zum Desaster zu verkommen. Schwere Probleme mit Auto und Motor stellen das Team unter Adrian Newey vor große Herausforderungen. Sky Sport Formel 1 Experte Ralf Schumacher blickt auf die Krise.
26.02.2026 | 09:45 Uhr
Am vorletzten Tag der Testfahrten in Bahrain ging ein Video viral. Teambesitzter Lawrence Stroll, Sohn und Fahrer Lance sowie Teamchef Adrian Newey saßen im Paddock beisammen. Der Star-Ingenieur schien mit seinen Worten zu hadern, hielt das Gesicht in den Händen.
Es war ein Sinnbild für die völlig misslungene Vorsaison von Aston Martin. Mit viel Geld und Mühe hatte sich Besitzer Stroll ein Dream-Team schaffen wollen: Adrian Newey als Designer, Werksmotoren von Honda, eine brandneue Fabrik in Silverstone sowie eine Fahrerpaarung aus Altmeister Fernando Alonso und Sohn Lance Stroll.
Entsprechend hoch waren die Hoffnungen und Erwartungen rund um den Rennstall - doch diese fielen schnell wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Der größtenteils verpasste Shakedown in Barcelona hätte bereits eine Warnung sein können, doch erst in Bahrain offenbarte sich das Ausmaß der Probleme bei Aston Martin. Diverse Ausfälle aus verschiedenen Gründen, keine schnellen Runden oder keine kompletten Renndistanzen und die mit Abstand wenigsten Testkilometer. Am letzten Tag des Tests ging fast gar nichts mehr: Das Team hatte kaum noch Teile. Ein katastrophaler Einstand.
Zerreißprobe für Aston Martin
Auch für Sky Sport Formel 1 Experte Ralf Schumacher, wie er in Backstage Boxengasse - Der Formel 1 Podcast erklärt: "Das ist ein großes Desaster und die Überraschung zugleich. Da kommt alles zusammen. Honda hat mit Red Bull unglaubliche Dinge erreicht und jetzt haben sie mit dem Elektroanteil am meisten Probleme."
04/2026 Geld, Aufwand und Hoffnung
"Adrian Newey hat klar gesagt, dass es Probleme mit dem Windkanal gab und das Team drei bis vier Monate im Rückstand ist. Das Auto ist nicht gut und der Motor ist schlecht, schlimmer kann es fast gar nicht sein. Da muss man schauen, ob man am Anfang überhaupt die Rennen zu Ende fahren kann". Dramatische Aussichten für den Großen Preis von Australien (am 8. März LIVE auf Sky Sport Formel 1).
Schumacher sieht eine Zerreißprobe für das gesamte Konstrukt: "Das sorgt für riesige Probleme im Team, Lawrence Stroll ist dort unter großem Druck der Investoren. Aston Martin geht derzeit mehr seitwärts als nach vorne. Das Team muss jetzt gucken, dass Stroll, Newey und die anderen wichtigen Köpfe sich nicht gegenseitig zerlegen. Das ist eine große Geduldsprobe, auch für Fernando Alonso. Alle sind enttäuscht über die Gesamtsituation, da ist viel Dampf auf dem Kessel. Man muss jetzt Ruhe bewahren."
Wie geht es weiter?
Vom Motorenlieferant sollte indes Rückendeckung für den Rennstall kommen: "Honda wird intern sehr kritisch mit dem Thema umgehen. Aber da muss jetzt auch was kommen, um das Team Aston Martin zu unterstützen. Honda muss jetzt öffentlich nach vorne gehen, die Fehler einräumen und erklären, wie lange es dauern wird, um diese Fehler zu beheben. Das ist eine Kommunikation, die jetzt dringend passieren muss. Ansonsten werden die Spekulationen immer weitergehen."
Blick in die Zukunft: Steckt Potenzial im Auto, sollten Aston Martin und Honda ihre Probleme in den Griff kriegen? "Die Frage ist jetzt: 'Kann man mit dem bestehenden Konzept das reparieren oder muss man ganz neu denken?' Wenn Letzteres der Fall ist, dann ist das Jahr aber ganz schnell vorbei, so schnell können wir alle gar nicht gucken. Bei mir herrscht da keine Schadenfreude, sondern eher Mitleid. Das Projekt sah super aus, dass es jetzt so nach hinten losgeht, tut mir fast leid. Jetzt muss Ruhe bewahrt werden, aber da herrscht alles andere als gute Stimmung", resümiert Schumacher.
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