Mika Häkkinen warnt vor Stallordern: WM-Kampf spitzt sich zu
Der Formel-1-Titelkampf wird intensiver. Mika Häkkinen hat die Teams vor offensiven Stallordern gewarnt und Verständnis für den Ärger von Lewis Hamilton in Zandvoort geäußert.
02.09.2026 | 22:26 Uhr
Kimi Antonelli führt die WM an, unter den Verfolgern kommt es zu den ersten Zankereien. Für die Teams stellt sich zunehmend die Frage nach der richtigen Strategie im Titelrennen.
Der Kampf um die Weltmeisterschaft in der Formel 1 wird immer heißer. Mercedes-Superstar Kimi Antonelli führt die Tabelle mit 59 Punkten Vorsprung auf seine Teamkollegen George Russell und den punktgleichen Lewis Hamilton an, während sich Lando Norris weitere 24 Zähler dahinter in einer von zwei Siegen in Folge befeuerter Lauerstellung befindet.
Genau wie Antonelli haben Hamilton und Norris mit 28 und respektive 55 Punkten einen klaren Vorsprung auf ihre Teamkollegen Charles Leclerc und Oscar Piastri herausfahren können. Für die WM-Jäger eine komplizierte Situation: Sollten die Rennställe ihre besser platzierten Piloten präferieren - und gar mit Befehlen aus der Box unterstützen?
Häkkinen mahnt zur Vorsicht
F1-Doppelweltmeister und Ex-McLaren-Pilot Mika Häkkinen hat nun klar vor einer solchen Situation gewarnt. Der Champion von 1998 und 1999 befand die Taktik der Stallorder in einem Interview mit Sky Sports UK als nicht mehr zeitgemäß. "All diese Fahrer haben heutzutage weltweit eine riesige Fangemeinde. Sollte das Team eines Tages beschließen, dass dieser Fahrer die Nummer zwei sein soll, werden die Fans dieses Team kreuzigen", so der Finne. "Man muss also heutzutage sehr vorsichtig sein, wie man solche Teambefehle umsetzt."
In Zandvoort eskalierte ein Ferrari-Funkspruch zum ersten Stallorder-Eklat des Jahres. Ein langsamerer Charles Leclerc verweigerte seinen angeordneten Boxenstopp für eine Runde, der dahinter aufgehaltene Hamilton beschwerte sich über das Teamradio. "Um als Team die maximale Punktezahl herauszuholen, müssen wir besser zusammenarbeiten. Die Entscheidung hätte früher getroffen werden sollen. Ich denke, das hat uns wahrscheinlich mindestens das Podium gekostet", erklärte der siebenfache Weltmeister nach dem Rennen (das er auf Rang 4 beendete) in Hinblick auf den WM-Kampf am Sky Sport Mikrofon.
Eine ähnliche Anforderung wurde bei Mercedes von George Russell ohne Murren und Verzögerung befolgt.
Hamiltons Ärger "völlig normal"
Für Häkkinen ist der Ärger Hamiltons nachvollziehbar. "Die Emotionen angesichts von Lewis' Erfahrung waren völlig normal. Vielleicht waren es nicht nur Emotionen, sondern auch einfach gesunder Menschenverstand. 'Wir können mehr Punkte holen, wenn du mich überholen lässt!'".
"Die Fahrer erhalten nur einen winzigen Bruchteil der Informationen, die wir im Fernsehen sehen. Wenn sie also hinter einem anderen Auto herfahren und dieses sie nicht überholen lässt, verfügen sie nicht über die Informationen und Berechnungen, die dem Team vorliegen. Daher kommt es sehr oft zu solchen Reaktionen der Fahrer, was völlig normal ist."
Schumacher-Stallorder ab dem ersten Rennen
Der 57-Jährige hat seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Stallorder, besonders im Bezug auf Rekordweltmeister Michael Schumacher, der die Erfolgssträhne Häkkinens im Jahr 2000 mit seinem ersten Titel für Ferrari beendete: "Als ich gegen Michael Schumacher antrat, als er noch bei Ferrari fuhr, gab es bereits beim ersten Rennen der Saison solche Befehle".
"Es war ganz offensichtlich: Wenn ein Fahrer in einem Team sehr stark ist und anfängt, Rennen zu gewinnen und Punkte zu sammeln, ist sich das Team sehr wohl bewusst, dass es diesen einen Fahrer zu 100 Prozent unterstützen muss, wenn es die Weltmeisterschaft gewinnen will."
"Genau das hat Michael Schumacher bei Ferrari geschafft, als er dort fuhr", so der 20-fache Rennsieger. Sein ehemaliger deutscher Rivale wird von der Scuderia am kommenden Rennwochenende in Monza geehrt. Mit einer Speziallackierung, besonderen Rennanzügen und Demorunden von unter anderem Sebastian Vettel feiert Ferrari das 30. Schumacher-Jubiläum seines ersten Monza-Rennens in Rot.
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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