Lando Norris crasht Oscar Piastri: McLaren droht neuer Team-Zoff in Singapur
Lando Norris hat beim Sprint der Formel 1 in Singapur eine Kollision mit Teamkollege Oscar Piastri verursacht. Piastri schied aus, Norris rettete noch Platz acht ins Ziel.
10.10.2026 | 14:12 Uhr
Nach turbulenten Wochen sorgt Norris im Singapur-Sprint erneut für Schlagzeilen. Im Kampf um Platz vier kollidierte der Brite auf den letzten Metern mit Teamkollege Oscar Piastri und brachte sich selbst in Erklärungsnot.
In Baku abgeschossen, in Malaysia unter dem Safety Car beinahe abgeflogen und nun: ausgerechnet ein Unfall mit dem eigenen Teamkollegen auf der letzten Runde eines nassen und chaotischen Sprint-Rennens in Singapur. Für Lando Norris verliefen die vergangenen F1-Wochen ziemlich turbulent.
Entsprechend war es ein lächelnder, aber sichtlich irritierter McLaren-Pilot, der sich nach dem Sprint-Rennen von Singapur am Sky Sport Mikrofon präsentierte. "Was denkst du? Was denkst du?", so die zickige Antwort des amtierenden Weltmeisters auf die Frage, ob er schon mit Teamkollege Oscar Piastri gesprochen habe.
"Denkst du, wir haben einen Funkkanal zueinander? Nein, ich komme gerade erst aus dem Auto", so Norris weiter. Dabei ist er seinem Teamkollegen und letztjährigen WM-Rivalen Piastri wohl eine Entschuldigung schuldig. Der Australier führte das Papaya-Duo über den gesamten Sprint an, der sichtbar schnellere Norris fand keinen Weg vorbei. Auf dem engen Stadtkurs von Marina Bay mangelt es traditionell an klaren Überholmöglichkeiten, da halfen auch die feuchten Bedingungen nicht weiter.
Piastri fällt aus
Seine Chance sah der Brite jedoch kurz vor Schluss: Ein langsamer Charles Leclerc fiel in seinem Ferrari auf stark abgenutzten Reifen zurück und bremste Piastri ein. In der letzten Runde versuchte es Norris mit der Brechstange, stach auf der Innenseite gegen seinen Teamkollegen hinein. Doch der Grip reichte nicht aus, der hintere McLaren räumte den vorausfahrenden ab. Norris schleppte sich auf Platz acht ins Ziel, Piastri fiel aus.
"Es war schwierig zu überholen. Aber es gab diese einfache Chance zum Überholen am Schluss, aber offensichtlich ging es nicht so gut aus", so das etwas zynische Fazit des Unfallverursachers. Sein Teamkollege übte sich derweil in diplomatischen Tönen: "Ich habe es noch nicht gesehen. Am Ende geht es um Platz vier und fünf in einem Sprint-Rennen. Ich bin nicht aufgeregt. Natürlich ist es jetzt viel Arbeit, beide Autos für das Qualifying klarzumachen. Einfach schade für das Team", so Piastri am Mikrofon von Sky Sports.
Doch aller Beschwichtigung zum Trotz erinnert die Szene stark an die Situation bei McLaren aus dem Vorjahr, die mit den "Papaya Rules" polarisierende Folgen hatte. Im Kampf um die Weltmeisterschaft führte das Team aus Woking den Verhaltenskodex ein, um die wachsenden Spannungen zwischen ihren Fahrern in den Griff zu bekommen.
Schumacher kritisiert Norris
Brauchen die McLaren-Fahrer nach einer bisher enttäuschenden Saison möglicherweise einen Auffrischungskurs? Für Sky Sport F1 Experte Ralf Schumacher ist das dringend notwendig: "Die Szene wird auf jeden Fall besprochen, um klarzustellen, dass sowas nicht mehr vorkommt. Ein bisschen Schuld suche ich da auch beim Team. Das Team muss so kurz vor Schluss auch sagen: 'Antonelli kommt, macht jetzt keinen Mist, bitte bleibt auf euren Positionen und nehmt die Punkte mit'."
Gleichzeitig kritisierte der ehemalige F1-Pilot aber auch Norris explizit für sein Verhalten, auch im Interview. "Ich glaube, da ist die Enttäuschung aus Malaysia mit diesem peinlichen Moment im Kiesbett dabei, jetzt auch das noch. Bei dem, was er einfordert, auch behauptet, so gut oder besser als Max Verstappen zu sein: Sowas ist Max noch nicht passiert", so die klaren Worte Schumachers zum ungestümen Weltmeister.
Nach der Qualifikation wurde Teamchef Andrea Stella am Mikrofon von Sky Sports deutlich: "Wir hatten im Sprint die Chance, gute Punkte zu holen. Dann sehen wir zwei McLarens, die kollidieren. Das ist ganz einfach nicht akzeptabel. Wir werden das im Privaten mit unseren Fahrern besprechen und betonen, dass das die Interessen des Teams immer über denen der Fahrer stehen müssen", kündigte der Boss an. "Wir hatten bereits ein Gespräch mit den Fahrern vor dem Qualifying, aber später wird es nochmal ein größeres Gespräch geben."
Ein vorerst bitteres Wochenende in Singapur, das zum schwierigen Jahr des Team passt. Norris gelangen bislang lediglich zwei Siege, Piastri schaffte es noch nicht mal auf das Podium. Immerhin muss der Engländer für den Unfall keine Konsequenzen durch die Rennleitung befürchten. Die Stewards entschieden sich gegen eine Strafe: "Die Rennkommissare waren der Ansicht, dass beide Fahrer zu dem Unfall beigetragen hätten und dass keiner der beiden Fahrer die alleinige oder überwiegende Schuld an der Kollision trage."
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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