Die Gewinner & Verlierer des ersten Formel-1-Tests der Saison 2026
Der erste Test der Formel-1-Saison 2026 ist beendet. In Bahrain konnten die Teams die neue Boliden-Generation ausführlich erproben. Sky Sport erklärt, wer dabei erfolgreich war und welche Teams noch viel arbeiten müssen.
13.02.2026 | 19:12 Uhr
Drei Tage in Bahrain sind geschafft, Tausende Runden absolviert und Unmengen an Daten gesammelt. Das sind die Gewinner und Verlierer des ersten Tests in Sakhir.
Am dritten Tag war es Mercedes, die ganz oben standen: George Russell legte am Vormittag mit einer 1:33.918 vor, nur sein Teamkollege Kimi Antonelli konnte diese Zeit am Nachmittag noch überbieten. Der junge Italiener setzte mit einer 1:33.669 nicht nur die Tages-, sondern auch die Test-Bestzeit. Dahinter folgte, mit knapp drei Zehnteln Respektabstand Lewis Hamilton im Ferrari mit einer 1:34.209.
Gewinner: Mercedes
Auch dank dieses Ergebnisses dürfen die Silberpfeile als erster Gewinner des Tests bezeichnet werden. Es war aber nicht alles rosig: Mercedes hatte mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen und sammelte erstaunlich wenige Runden (282). Antonelli verpasste am Donnerstag sogar den gesamten Vormittag. Das ist ein starker Kontrast zur Leistung im Shakedown von Barcelona, wo der Silberpfeil reibungslos lief. Dennoch: Die Zeiten lügen nicht. Der neue Motor aus Brackley mag noch ein paar Kinderkrankheiten haben, kann jedoch schon früh viel Performance liefern. Zwei Rennsimulationen am dritten Tag offenbarten Kontinuität und solide Pace.
Zwar behaupten alle Verantwortlichen trotz der Ergebnisse, deutlich zurückzuliegen. Doch die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Als beinahe sicher gilt es, dass man dem Aggregat mit dem Stern noch 25 bis 30 PS entlocken kann. Die politischen Probleme für den Motor abseits der Strecke - Stichwort Kompressions-Trick - sind eine andere Baustelle.
Gewinner: Red Bull
Solide Zeiten, solide Runden, solide Pace: Der Red Bull gab sich mit dem neuen, eigens entwickelten Motor keine Blöße. Mehr noch: Die Konkurrenz lobt die Power Unit in den Himmel, spricht ihr einen Vorteil von über einer Sekunde in den Longruns zu. Auch wenn hier viel politisches Kalkül dabei ist: Ein bisschen Wahrheit steckt in den Aussagen. Die Daten zeigen, dass der RB22 seine Energie deutlich effizienter verwalten kann. So werden lange Lupfer und Aufladephasen für die Batterie im Stint reduziert. Da können die anderen noch etwas lernen.
Gewinner: Ferrari
Es gab wieder viele angebliche Hiobsbotschaften, bevor der neue Ferrari überhaupt einen Fleck Asphalt gesehen hatte. Doch der neue Renner der Scuderia scheint ein robustes und auch schnelles Konstrukt zu sein. Bis zu den letzten Minuten des Tests in Bahrain war es das einzige Team, das inklusive des Shakedowns kein einziges mechanisches Problem hatte - dann musste Lewis Hamilton den SF-26 doch noch abstellen.
Davor lieferte der 41-Jährige allerdings eine beachtliche Rennsimulation, die mit den anderen Top-Teams gut mithalten konnte. Das Team aus Maranello kann mit Rückenwind in den zweiten Test in der kommenden Woche (18. - 20. Februar LIVE und EXKLUSIV auf Sky Sport Formel 1) gehen.
Gewinner: McLaren
Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn der Test für ein Top-Team so still verläuft wie für McLaren. Das Mercedes-Aggregat im Heck hatten wir schon angesprochen, das liefert. Aber auch der MCL40 beweist sowohl im Longrun als auch auf einer Runde, dass Potenzial im Konzept steckt. Sowohl Lando Norris als auch Oscar Piastri zeigen sich zufrieden - verweisen als Favoriten aber natürlich auf andere. "Sie haben dem Anschein nach eine sehr gute Powerunit", sagte Norris mit Blick auf Red Bull. Hut ab vor ihnen. Im Moment sind sie uns einen ordentlichen Schritt voraus."
Die 422 Runden Ausbeute aus dem Test (damit ist McLaren Spitzenreiter) beweisen aber, dass das Team genug Daten und Wissen sammeln konnte. Da ist noch mehr drin, als das Team aus Woking bislang gezeigt hat.
Gewinner: Audi
Zugegeben: Der neue Eigner von Sauber hat mit Rundenzeiten niemanden vom Hocker gehauen - aber das war sicherlich auch nicht das Ziel. Die von Grund auf neu entwickelte Power Unit aus Neuburg an der Donau sollte erst einmal laufen. Und das tut sie: Mit 354 Runden und ohne große Probleme hat sich Audi in Bahrain ein Sternchen verdient. "Learning by doing", nannte es Nico Hülkenberg, der aber gleichzeitig zurückhaltend bestätigte, man sei "keine Millionen Kilometer weit weg". Hört sich negativer an, als es ist. Ein grundsolider Auftakt.
Verlierer: Aston Martin
Das ist sicherlich keine Überraschung für alle, die den Test ein wenig verfolgt haben. Das erste Konzept von Adrian Newey in Paarung mit einem Werks-Motor von Honda hätte die Erwartungen natürlich nicht höher steigen lassen können. Aber die Realität ist trotzdem eine herbe Enttäuschung. Auch für das Team: Lance Stroll fand am Donnerstag drastische Worte für die Leistung seines Wagens: "Wir haben Motorprobleme - und nicht nur Motorprobleme. Wir sind nicht in der Lage, um Siege zu kämpfen. Im Moment liegen wir vier Sekunden zurück".
Fernando Alonso versuchte am letzten Testtag eine etwas gemäßigtere Einordnung: "Wir starten mit einem Nachteil, denn Barcelona zu verpassen, war ein schwerer Schlag. Einige Teams sind am 9. Januar gefahren und hatten einen Monat Zeit, um Daten zu analysieren und Probleme zu lösen", sagte der Spanier.
"Für uns ist dies wirklich der erste Test. Wir stoßen hier und da in jeder Runde auf kleine Probleme, und das wirkt sich auf das Programm aus". Dennoch: Besonders der Honda-Motor scheint nicht ausgereift. Probleme mit der Hitze waren offensichtlich, als der Bolide am zweiten Testtag zum Abkühlen sogar kurz geparkt werden musste. Schwerwiegender ist aber, dass Honda sich immer noch nicht traut, den Motor über eine gewisse Drehzahl laufen zu lassen. In den Tempo-Messungen fehlen über 20 km/h auf der Geraden. Es werden böse Erinnerungen an die letzte Werks-Partnerschaft von Honda mit McLaren wach.
Und der Rest?
Für Alpine, Haas, Williams, Racing Bulls und Cadillac gilt: Das war ein guter Start. Alle Teams hängen den Top-Teams etwas hinterher. Newcomer Cadillac steht etwas unter Welpenschutz, denn Probleme waren für den Rennstall aus den USA zu erwarten. Dennoch erlaubt vor allem der solide Ferrari-Motor im Heck gewisse Sicherheiten.
Die Racing Bulls und Alpine drehten über den Test verteilt eine solide Anzahl an Runden und versuchten vor allem, ihr eigenes Programm abzuspulen. Aber auch hier blieben große Probleme aus.
Williams überraschte nach dem Drama um den Shakedown in Barcelona mit hoher Laufleistung und wenigen Unterbrechungen. Sowohl Alex Albon als auch Carlos Sainz wurden zu Kilometerfressern und stellten das Team in dieser Statistik auf den mit McLaren (422 Runden) geteilten ersten Platz.
Auch Haas zeigte starke Laufleistungen (390 Runden) und profilierte sich mit den besten Rundenzeiten des Mittelfelds. Oliver Bearman fuhr am zweiten Tag auf den vierten, Esteban Ocon am dritten auf den siebten Platz - jeweils als "best of the rest".
In der nächsten Woche wird es dann komplexer: Auch das Mittelfeld wird das Tempo anziehen und mehr mit Setup und Rennpace ausprobieren. Dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Spannend bleibt es auf jeden Fall.
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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