Chinesischer Autobauer BYD zeigt Interesse an Einstieg in Formel 1 und WEC
Kommt bald der nächste große Hersteller-Einstieg in die Formel 1? Medienberichten zufolge ist der chinesische Autobauer BYD an einem Motorsport-Programm interessiert.
11.03.2026 | 13:59 Uhr
China und der Motorsport - das ist eine komplizierte Geschichte.
Lange war das Reich der Mitte in den von europäischen und amerikanischen Teams dominierten Rennserien der Welt außen vor. Mit Zhou Guanyu bekam die Formel 1 erst im Jahr 2022 einen Fahrer aus China in die Königsklasse, die zumindest seit 2004 mit dem Großen Preis von China in Shanghai (ab Donnerstag LIVE auf Sky Sport) regelmäßig (abgesehen von fünf Jahren Corona-Zwangspause) dort gastiert.
Doch trotz der enormen Industriemacht der Volksrepublik gab es kaum erfolgreiche chinesische Teams in den großen Klassen des internationalen Motorsports. Das ändert sich möglicherweise nun: Der Boom chinesischer Autobauer, ausgelöst durch den enorm wachsenden Bedarf an elektrischen Fahrzeugen, beflügelt die teils jungen Konzerne aus Fernost.
Formel 1 als perfekte Marketing-Bühne
Diese suchen nach neuen Vermarktungskonzepten, um ihre Marken auch international besser positionieren zu können. Die Reglements in der Formel 1 oder WEC, die einen wachsenden Fokus auf Hybrid-Antriebe setzen, kommen da wie gerufen. Auch für BYD: Der 2003 gegründete Hersteller ist mittlerweile einer der größten der Welt und hat nun seine Augen auf den internationalen Motorsport geworfen.
Einem Bericht von Bloomberg zufolge soll BYD Optionen evaluieren, in Rennserien wie die Formel 1 oder WEC einzusteigen. Damit möchte das Unternehmen sein globales Image aufpolieren. Dabei wären die Chinesen laut Bericht auch bereit, ein eigenes Projekt aufzubauen - auch wenn der Kauf eines bestehenden Teams wohl der einfachere Weg wäre.
Die chinesische Konkurrenz in Form von Konzernen wie Geely oder Nio haben bereits erste eigene Schritte im Motorsport unternommen, letztere gewannen 2015 den Titel in der Formel E, bevor sie vier Jahre später wieder ausstiegen. Der Weltmotorsportverband FIA ist, genauso wie die Formel 1, schwer an einem solchen Vorhaben seitens BYD interessiert. So sagte der Präsident der FIA, Mohammed Ben Sulayem, noch im vergangenen Jahr in einem Interview, der Einstieg eines chinesischen Teams wäre nach Cadillac der nächste logische Schritt für die Königsklasse.
Großes Potenzial, große Risiken
Das liegt im riesigen Markt begründet, den China für die Formel 1 bedeutet. Dieser wuchs in der Vergangenheit bereits stark an (2024 um fast 40 Prozent), weitaus größere Sprünge könnte die Rennserie natürlich durch eine chinesische Beteiligung erzielen. Besonders, da der mittlerweile als Ferrari-Reservefahrer tätige Zhou keine Rennen mehr bestreitet.
Dennoch wäre der Einstieg mit einem eigenen Projekt ein riesiges finanzielles Risiko für BYD. Zwar machte Cadillac es in der laufenden Saison vor. Die Amerikaner brachten allerdings einen Haufen Erfahrung in Top-Klassen des Motorsports mit. Wie teuer ein fehlgeschlagenes Projekt großen Konzernen zu stehen kommen kann, bewies in der Vergangenheit unter anderem Toyota. Bis zu drei Milliarden Euro versenkten die Japaner im F1-Projekt. In acht Jahren gelang kein einziger Sieg. 2009 zog der Aufsichtsrat den Stecker.
Viel eher könnte das Modell Audi als Vorbild für die Chinesen dienen. Der Hersteller aus Ingolstadt übernahm für sein Abenteuer Formel 1 den Sauber-Rennstall. Dass dieser Ansatz Früchte trägt, bewies der starke Saisonstart der vier Ringe in Australien.
ZUM DURCHKLICKEN: Das Rennergebnis des Saisonauftakts in Melbourne
Vorbild Audi?
Mit welchem das Team ein ähnliche Strategie sowohl in der Formel 1 als auch in der WEC realistisch sein könnte, scheint auf der Hand zu liegen: Alpine beendet nach dieser Saison sein Engagement in der Langstreckenserie, in der Formel 1 hat die Renault-Tochter nun statt eigenen Motoren aus Vichy Kunden-Antriebe von Mercedes. Anteile am Team stehen aktuell bereits zum Verkauf. Die Konkurrenz ist namhaft: Schon seit einigen Wochen bemüht sich Ex-Red-Bull-Boss Christian Horner um eine Akquise der Anteile, nun ist wohl auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff an den Verhandlungstisch getreten.
Doch egal wer den Zuschlag erhält: Renault bliebe mit 76 Prozent weiter Haupteigner - und der Ansprechpartner für die ambitionierten Chinesen.
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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