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Premier League: Tottenham Hotspur begeistert ohne Harry Kane

Kein Kane - kein Problem?!

Kein Kane, kein Problem? Die Spurs überraschen ohne ihren langjährigen Superstar.
Image: Kein Kane, kein Problem? Die Spurs überraschen ohne ihren langjährigen Superstar.  © DPA pa

Große Hürden! Große Zweifel! Große Chance? Nach dem Abgang von Harry Kane zum FC Bayern ist bei Tottenham Hotspur ein Absturz ins Niemandsland prophezeit worden. Die jüngsten Ergebnisse zeigen allerdings, dass die Spurs auch ohne ihren langjährigen Superstürmer funktionieren können. Die Tendenz? Eindeutig positiv.

Spiderman hat sich schon vor dem Abgang von Harry Kane resigniert zum Aushängeschild der Spurs geäußert. "Ich würde sagen, geh nach Madrid. Geh und werde der beste Fußballspieler der Welt, der du verdienst zu sein", sagte der bekennende Tottenham-Fan und Schauspieler Tom Holland Ende Juni gegenüber Unilad. Und auch Lieblingsspieler Heung-min Son bekam von ihm einen fast schon verzweifelt klingenden "Ratschlag": "Geh mit ihm, geht zusammen, gewinnt die Champions League zusammen, bitte."

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Dabei dachte der Hollywood-Superstar auch an die jahrelange Titellosserie, für die die Spurs in und um England herum belächelt werden. Noch nie triumphierten die Londoner in der Premier League, noch nie in der Königsklasse. Tottenham durfte letztmals in der Saison 1990/91 einen Triumph im FA Cup bejubeln, danach gewannen sie einmal den Superpokal (1991/92) und den Ligapokal (1998/99 und 2007/08). An dieser Misere konnten auch Son und Kane nichts ändern, wenngleich die beiden Offensivstars 2018/19 knapp am Gewinn der Champions League vorbeigeschrammt sind.

Am Ende verfolgte weder der englische Nationalstürmer noch Son Hollands "Transfer-Tipps". Während es Kane gen München zog, wurde der Südkoreaner zum neuen Tottenham-Kapitän ernannt, der Umbruch der Spurs eingeleitet. Die Zweifel an der White Hart Lane waren dennoch riesig.

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Große Zweifel vor der Saison

Schließlich ist mit Kane der Superstar, das Aushängeschild und die Identifikationsfigur der Nordlondoner weggebrochen. 278 Tore erzielte der 30-Jährige in 430 Spielen für Tottenham, bereitete zudem 64 Treffer vor. Auch der Rekord für die meisten Premier-League-Tore in der Geschichte war in greifbarer Nähe - 47 Tore haben zum historischen Bestwert von Alan Shearer gefehlt. Oder in der Kane-Sprache: Zwei Spielzeiten.

Die Spurs ohne ihre Lebensversicherung? Unvorstellbar. Erfolgreiche Spurs ohne Kane? Sowieso nicht. Das befürchtete auch Sky Premier-League-Experte Rene Adler: "Ich weiß nicht, wo es jetzt noch mit ihnen hingehen soll", schrieb der ehemalige DFB-Torhüter vor der Saison in seiner Kolumne und weiter: "Nicht umsonst habe ich sie ins Niemandsland auf Platz neun getippt - und selbst das war noch optimistisch."

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Das ist die Abschlusstabelle von Rene Adler.
Image: Diese Abschlusstabelle hat Rene Adler vor der Saison getippt.  © Sky

An einen adäquaten Ersatz war ebenfalls nicht zu denken: "Du kannst nicht annähernd in die Regionen eines Kanes kommen", machte Adler deutlich und verwies auf das für ihn einzig denkbare Rezept: "In der Folge kann der Verlust eigentlich nur über das Kollektiv abgefangen werden."

Tottenham dreht groß auf

Und genau dieses kollektive Rezept scheint bei der Elf von Teammanager Ange Postecoglou zu fruchten. Wider Erwarten spielen die Spurs in der noch jungen Phase der Premier League eine absolute Top-Rolle, sind nach sechs Spielen ungeschlagen (vier Siege, zwei Remis) und stehen mit 14 Punkten auf Champions-League-Platz vier. Dabei gewannen sie unter anderem gegen Manchester United und punkteten im Nord-London-Derby beim FC Arsenal.

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Premier League, 6. Spieltag: Der FC Arsenal mit Nationalspieler Kai Havertz lässt Punkte liegen. Im London-Derby gegen Tottenham Hotspur kommt der Vizemeister zu einem 2:2 (1:1).

Auch die Offensive funktioniert mit 15 erzielten Treffern überraschend gut, nur Manchester City, Newcastle (je 16) und Brighton (18) haben häufiger getroffen. Lediglich Son sticht mit fünf Toren heraus, der Rest verteilt sich auf verschiedene Schultern (Cristian Romero (2), James Maddison (2), Dejan Kulusevski (2) Emerson Royal (1), Pape Matar Sarr (1) und Richarlison (1), hinzu kommt ein Eigentor).

Eine unerwartete Leistungsexplosion: "Hut ab vor Postecoglou und der Mannschaft - die machen Spaß, die spielen wieder Fußball, das ist man von Tottenham gar nicht gewohnt", würdigte Adler die Spurs Anfang September. Leicester-City-Neuzugang Maddison hat daran sicherlich einen großen Anteil: Für den Mittelfeldstrategen ist "Eingewöhnungszeit" ein Fremdwort, der 26-Jährige lieferte auf Anhieb, steuerte neben seinen zwei Treffern bereits fünf Assists bei und erhielt im August folgerichtig die Auszeichnung zum Spieler des Monats. "Er hat sich gleich hervorragend eingefügt", betonte der Sky Experte.

Premier League Tabelle
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Eine herausragende Schaltzentrale und der "beste Verteidiger der Welt"

Auch die aus dem Schatten getretene Schaltzentrale zwischen Defensive und Offensive funktioniert mehr denn je: "Intern wird ja auch mit Augenzwinkern behauptet, dass Antonio Conte eingesperrt gehört, weil er Pape Matar Sarr und Yves Bissouma versteckt hat", ergänzte Adler. Die beiden Sechser sind ebenso hervorzuheben wie der argentinische Weltmeister Romero, der von Superstar Lionel Messi höchstpersönlich als "bester Verteidiger der Welt" bezeichnet worden ist und die Abwehr (nur sieben Gegentore) zusammenhält.

Tottenham Hotspur scheint auch ohne Kane zu funktionieren, zumindest in der noch jungen Phase der Saison. "Wenn das so weitergeht, war mein Tipp der schlechteste der letzten Jahre, das sehe ich dann auch selbstkritisch ein", betonte Adler und machte eine etwas andere Ankündigung: "Wenn es so bleibt, komme und moderiere ich im Tottenham-Trikot und zolle allen Spurs-Fans Tribut."

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, die Herausforderungen in der höchsten englischen Spielklasse werden nicht einfacher: Schon am Samstag (ab 18 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport Premier League, im Liveticker auf skysport.de und in der Sky Sport App) kommt mit dem FC Liverpool der nächste PL-Gigant ins Tottenham Hotspur Stadium.

Ob die Spurs ihren Weg ohne ihren langjährigen Superstürmer auch im Duell mit den Reds und darüber hinaus fortsetzen? Offen. Die aktuelle Tendenz ist aber eindeutig positiv: Kein Kane? Kein Problem!

Mehr zum Autor Nico Ditter

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