Pfiffe statt Party beim BVB - gebrauchter Tag für Nico Schlotterbeck

Eigentlich war alles angerichtet: Bundesliga-Fußball am Samstagnachmittag im Signal-Iduna-Park, Bayer 04 Leverkusen als hochkarätiger Gast, Matchball zur CL-Quali und dann hat kurz zuvor auch noch Leistungsträger Nico Schlotterbeck seinen Vertrag verlängert.

BVB-Star Nico Schlotterbeck sitzt enttäuscht auf dem Rasen.
Image: BVB-Star Nico Schlotterbeck sitzt enttäuscht auf dem Rasen.  © Imago

Statt einer Party gab es am Ende allerdings eine Menge Pfiffe. Besonders für Schlotterbeck war es ein bitterer Samstag.

Mit Blick auf das Dortmunder Gesamtbild schlägt zuvorderst die 0:1-Hemniederlage gegen Leverkusen aufs Gemüt. Der BVB hat damit den ersten Matchball zur vorzeitigen Champions-League-Qualifikation vergeben.

Doch die Enttäuschung, die Nico Schlotterbeck am Ende dieses Nachmittages ins Gesicht geschrieben stand, war weitaus vielschichtigerer Natur. Dass der 26-jährige Innenverteidiger, der am Freitag erst seinen Vertrag vorzeitig bis 2031 verlängert hat, nach dem Spiel die mit etlichen Journalisten besetzte Mixed Zone mied und den Ausgang auf der anderen Seite des Stadions nahm, passte ins Bild.

Lautstarke Pfiffe gegen Schlotterbeck

Nach Sky Sport Informationen beinhaltet das neue Arbeitspapier eine Ausstiegsklausel. Ein Umstand, der vor allem bei den Fans auf der berühmt-berüchtigten Südtribüne für Unmut gesorgt hat und noch immer sorgt. Bei der Verlesung der Aufstellung vor dem Spiel ertönten bei Schlotterbecks Namen lautstarke Pfiffe. In der Anfangsphase der ersten Halbzeit waren in der Folge noch einzelne verhaltene Unmutsbekundungen zu hören.

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Bei der Mannschaftsaufstellung des BVB quittierten die Fans den Namen Nico Schlotterbeck mit lauten Pfiffen.

"Er ist ein Spieler von Borussia Dortmund, der sich mit uns identifiziert. Das gehört sich nicht", verurteilte BVB-Boss Carsten Cramer nach der Partie die Pfiffe gegen Schlotterbeck. Auch Teamkollege Waldemar Anton zeigte dafür kein Verständnis: "Das schadet uns als Mannschaft, das muss jeder auf der Tribüne wissen. Das können wir als Mannschaft überhaupt nicht akzeptieren, das ist ein Unding, meiner Meinung nach."

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Nach seiner Vertragsverlängerung beim BVB pfeifen die Fans der Schwarz-Gelben Nico Schlotterbeck aufgrund der Ausstiegsklausel im neuen Vertrag aus.

Kovac sieht kein Problem bei Verlängerung

"Natürlich geht sowas nicht", meinte auch Dortmunds Trainer Niko Kovac nach Abpfiff bei DAZN: "Jeder einzelne Spieler braucht die Unterstützung der Fans. Ich glaube nicht, dass es der Großteil des Stadions war, aber trotzdem geht das nicht. Letzten Endes hatte Schlotti in der zweiten Halbzeit auch noch einige sehr gute Tackles und Grätschen gehabt, die er zum Ballbesitz gebracht hat. Da gab es natürlich auch Applaus."

Ob der Coach von Schlotterbecks Ausstiegsklausel Kenntnis hat, wollte er nicht direkt beantworten. "Der Junge hat sich zum BVB bekannt. Wenn es mal ein bisschen länger dauert, heißt es ja nicht, dass es schlecht sein muss. Es muss ja ein Win-Win-Situation sein. Es muss ja eigentlich eine Situation sein, wo alle glücklich sind. Und wenn einer unglücklich ist - egal, ob es der Klub ist oder der Spieler -, dann muss man auch dementsprechend verhandeln bzw. das alles auf einen Nenner bringen. Ich sehe überhaupt kein Problem", sagte Kovac.

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Stabile Leistung gegen Bayer

Dass im Laufe des Spiels relativ schnell kaum noch bis gar keine Pfiffe mehr durch das weite Rund zu vernehmen waren, war auch der Leistung Schlotterbecks zu verdanken. Mit rund 64 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und 95 Prozent angekommenen Pässen bei insgesamt 88 Abspielen lieferte der DFB-Kicker eine stabile Performance ab.

Am Strahl von Bayer-Kapitän Robert Andrich zum Tor des Tages hatte Schlotterbeck keine Aktien dran. Aber zu einem Comeback konnte er dem BVB schließlich auch nicht mehr verhelfen.

So blieb am Ende die Ernüchterung über die erste Dortmunder Bundesliga-Niederlage nach vier Siegen in Serie - und über die Pfiffe gegen ihn persönlich. Ein bitterer Samstag.

Mehr zum Autor Luca Sixtus

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