Matthias Sammer spricht bei 'Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk' über FC Bayern & Kompany
Der Ex-Nationalspieler ist der Ansicht, dass der Bundestrainer von Kompany noch etwas lernen kann.
21.04.2026 | 20:55 Uhr
Bei "Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk" hat sich Matthias Sammer unter anderem zu Vincent Kompany, dem FC Bayern und Nico Schlotterbeck geäußert.
Matthias Sammer ...
... über den Vergleich von Vincent Kompany und Julian Nagelsmann: "Es ist erst einmal ein großer Unterschied erkennbar. Je näher das Turnier kommt und je mehr Julian vermeintlich in der Kritik steht, entwickle ich mehr das Gefühl, ihn schützen zu wollen und irgendwo eine Hand über ihn zu legen, um zu sagen, was denn jetzt möglicherweise das Beste wäre. Und ich würde ihm, wenn mir das überhaupt zusteht, einfach raten, vor dieser WM gar nicht so viel zu erzählen.
Weil diese WM natürlich im Austausch mit der Führung des Verbandes, mit dem Stuff und mit den Spielern vorbereitet wird. Und dementsprechend wird man Julian Nagelsmann keine fehlende Akribie oder kein Fußballfachwissen vorwerfen können. Das ist ja richtig. Aber die Message, die ich ihm eigentlich geben würde, ist: Ruhig bleiben. Ich glaube, dass er gerade versucht, den Leuten da draußen zu erklären, was seine Beweggründe sind, um gewisse Aussagen zu tätigen, zum Beispiel auch über Deniz Undav. Da kann man ja sagen, so unehrlich war das nicht. Es ist vielleicht nicht optimal als Trainer, oder du musst dir über die Konsequenzen bewusst sein."
... darüber, was Nagelsmann von Kompany lernen könnte: "Erst einmal die großen Linien: All meine Spieler - egal wen - verteidige ich nach außen hin, als gäbe es kein Morgen. Darüber baust du Vertrauen auf. Und natürlich in der täglichen Arbeit - deshalb kann man das aber nur bedingt vergleichen. Vincent Kompany hat seine Spieler täglich, und Julian hat sie in großen Abständen. Und er muss natürlich oftmals - und ich glaube, dass es bei ihm der Fall ist - durch gewisse Aussagen, durch gewisse Reizpunkte etwas auslösen, also eine Reaktion hervorrufen. Nur glaube ich, dass das nur bedingt der richtige Weg ist.
Aber ich kann nur für mich sagen, als Message, wenn wir über ihn sprechen: Auch das mit seiner Ehefrau - sie sind ja jetzt verheiratet - ist so ein Schmankerl, Lena ins Spiel zu bringen, um zu sagen: "Mensch, die hat mich darauf hingewiesen." Das ist so. Nur dass das Thema Undav so kritisch gesehen wurde, dass die Leute jetzt möglicherweise diskutieren: Jetzt braucht er schon seine Ehefrau für die Lösung. Das macht ihn auf der einen Seite sympathisch, auf der anderen Seite - hochprofessionell betrachtet - würde ich sagen: Julian, das gehört hier nicht her."
... über Nico Schlotterbeck: "Fußball ist Tagesgeschäft. Und am Ende sind wir in Deutschland nicht unbedingt in der Lage, im internationalen Fußball die Benchmark zu setzen und zu sagen: Geld spielt keine Rolle. Natürlich spielt Geld eine große Rolle. Ich habe zu Nico nur gesagt: 'Nico, es ist Zeit, eine neue Epoche in Dortmund einzuleiten.' Die gab es immer. Die Verantwortlichen müssen natürlich auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Aber er ist ein ganz, ganz wichtiger Spieler für Borussia Dortmund. Und ob Klausel oder nicht - am Ende hat man sich tief in die Augen geschaut und seine Entscheidung getroffen.
Wir reden ja gerade so, als wäre Borussia Dortmund nicht professionell. Ich kann mich erinnern: Auch in der Vergangenheit gab es viele große Vereine, bei denen Spieler ablösefrei gegangen sind.
Das Verhältnis von Nico Schlotterbeck zum Verein war exzellent - auch mit klaren Absprachen. Man hat eine Lösung gefunden, die diskutabel ist, und das wird ja auch diskutiert. Die einzige wahre Antwort ist, dass du grundsätzlich dein Herz auf den Platz lässt, und das macht Nico Schlotterbeck in jedem Spiel, egal wo er ist. Er lässt sein Herz auf dem Feld und das ist die Währung."
... über das Erfolgsgeheimnis der Bayern: "Mir gefällt im sportlichen Bereich dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, auch wenn es nach außen hin wieder ein bisschen anders dargestellt wird. Aber ich glaube das einfach nicht. Ich bin der Meinung, wenn du so eine Leistung als Mannschaft bringst, muss die Führungsebene darüber stabil sein. Und die unmittelbaren sind Max Eberl, Christoph Freund und Kompany. Und darüber natürlich mit Uli, Kalle und Jan sowie dem Präsidium, dem Aufsichtsrat - was es alles gibt. Bayern ist super aufgestellt.
Nachfrage Riccardo Basile: Du meinst jetzt, weil es ja die Thematik gab, dass es zwischen Freund und Eberl nicht stimmen soll? Das kannst du dir nicht vorstellen?
Genau, ich kann mir das nicht vorstellen, weil es am Ende früher oder später immer abfärbt, dass Menschen das mitbekommen und dass es Einfluss auf eine Mannschaft und die sportliche Leistung nimmt. Dementsprechend erst mal da schon ein großes Kompliment. Und was von Anfang an immer beeindruckend war: Der Trainer ist nun mal der unmittelbare Schlüssel für eine Mannschaft. Es war das Auftreten, die Art und Weise, wie sie Fußball gespielt haben, und die Körperlichkeit.
Letztendlich ist es sehr, sehr imponierend: Wenn du die ersten zehn, elf durchgehst, ist das unglaublich gut. Aber was für mich von Anfang an schon gut erkennbar war: Egal, ob die Spieler von 15 bis 19 gespielt haben oder nicht - sie waren auch körperlich und geistig sofort in der Verfassung, auf hohem Niveau zu spielen. Das sieht man bei den wenigsten Mannschaften.
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