Matthias Sammer bei Sky Sport über WM, DFB-Team, Sane, Undav & Schlotterbeck
Matthias Sammer hat auf der Buchvorstellung von Basketball-Trainer und -Legende Svetislav Pesic exklusiv mit Sky Sport gesprochen.
30.03.2026 | 20:05 Uhr
Der Europameister von 1996 äußerte sich am Sky Sport Mikrofon zu folgenden Themen.
Von Niklas Korzendorfer
Matthias Sammer über …
… seinen Freund und Basketball-Trainer (aktuell FC Bayern Basketball) Svetislav Pesic: "Man muss ihm zuhören, man muss auch das Buch lesen, um zu verstehen, warum jemand erfolgreich ist oder eben nicht. Aber er ist erfolgreich, und er hat etwas zu sagen, und ich finde das großartig. Und jetzt geht es eigentlich darum, wenn er das so empfindet, irgendwann auch seine Trainerlaufbahn - das darf man mit 77 Jahren - zu beenden und gleichzeitig dem Sport, dem Basketball, weiter dienlich zu bleiben. Er ist kompetent, er ist eine Persönlichkeit und hat Erfahrungswissen. Und wenn der Basketball schlau ist - egal ob Bayern München oder der Deutsche Basketball-Bund, wer auch immer -, er muss jetzt in die nächste Etappe gehen. Er ist die Weisheit des Basketballs. Aber Generationen brauchen das, ob junge Trainer, Nachwuchsarbeit, das muss er weitergeben können. Und das System Basketball braucht solche Menschen, weil das, was ich gesagt habe: Diese Persönlichkeit und diese Kompetenz werden entweder eine gute Zukunft sichern oder eine schlechte. Aber wir müssen auf die Guten hören, und er ist ein guter Mensch."
… über seine Eindrücke vom DFB-Auftakt ins WM-Jahr: "In solchen Phasen - jetzt der März, dann wartet die WM - wird viel geredet, es wird alles übertrieben dargestellt. Deshalb versuche ich, mich ein bisschen zurückzuhalten und zu sagen: gucken, analytisch vorgehen, nach vorne blicken. Viele gute Sequenzen. Nach hinten immer drei Gegentore werden vielleicht ein bisschen viel, aber wir müssen ein bisschen zur Ruhe kommen. Wir müssen Optimismus vorleben, Klarheit, Strategie - jetzt und auch in den nächsten Wochen. Da steht einiges an für große Mannschaften und für große Spieler, dann kommt irgendwann die WM. Aber mein Bauchgefühl sagt, dass ich das Gefühl habe, es wird gerade viel zu viel geredet und auch für sehr viel Unwesentliches Zeit in Anspruch genommen. Fußball ist dann doch oftmals einfacher und wesentlicher."
… über Leroy Sane und eine mögliche WM-Nominierung: "Man sollte einem Bundestrainer ein Stück weit vertrauen. Er hat sich jetzt noch mit Alfred Schreuder jemanden dazugeholt. Was insgesamt dem Ganzen guttun wird, ist, dass man diesen Aufbruch, dieses Jugendliche - Julian ist noch ein junger Trainer -, aber gleichzeitig mit Erfahrung, Kompetenz mit Seniorität verbindet. Und dann ist es einfach nur ein Gesetz: Ja, jeder muss seine Leistung bringen und muss sich auch entsprechend qualifizieren, um in so einer Mannschaft dabei und nominiert zu sein. Auf der anderen Seite muss man immer darauf achten: Es gibt ein Gefüge. Keiner hat ein so tiefes Empfinden für seine Spieler und seine Mannschaft wie der jeweilige Trainer. Dementsprechend muss er genau abwägen: Was bedeutet es im Tor, was bedeutet es in der Defensive, im Mittelfeld? Was passt zueinander? Wo ist der Fußball heute in seinen Ansprüchen? Was kann ich eventuell dazu tun, um Nuancen dazu zu bekommen? Und man kann über Leroy sagen: Ja, das war vielleicht jetzt gerade nicht gut genug. Oder bei Galatasaray ist er dann oftmals nur eingewechselt worden. Das kann man sicherlich so sehen. Aber man kann auch sagen: Entschuldigung, bis zur WM ist noch ein bisschen Zeit, er kann sich nochmal in eine höhere Verfassung oder bessere Verfassung bringen und kann dann auch wieder regelmäßig spielen. Aber er kann etwas, das entscheidet der Bundestrainer. Er kann etwas im 1 gegen 1, in der Geschwindigkeit, was er auch in den letzten Qualifikationsspielen gezeigt hat. Da hieß es: Sane 1000 Prozent. Jetzt sagen wir: Sané 0 Prozent. Das ist für Deutschland ein bisschen unwürdig. Und ein bisschen mehr Vertrauen zum Trainer - der wird schon die richtige Entscheidung treffen."
… über die Stürmerfrage und die Nicht-Berücksichtigung von Deniz Undav:
"Deniz Undav hat jetzt 18 Saisontore, er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Aber es gibt Kai Havertz, es gibt Nick Woltemade. Jetzt müssen wir mal sehen, was mit Niclas Füllkrug und Tim Kleindienst noch passiert. Und vielleicht habe ich noch einen vergessen. Jetzt stelle ich die klassische Frage: Für uns Muss oder nicht Muss? […] Wir sollten den Trainern auch in ihrer Strategie ein Stück weit vertrauen. Ich kriege es mit, lese auch einiges, aber ich bin gerade amüsiert, welche Diskussionen wir führen - über einzelne Personen. Ich sage Ihnen eins: Eine einzelne Person wird uns bei dieser WM nicht zum Titel schießen. Eine Mannschaft schon. Und ein Trainer wird immer eine Mannschaft bauen."
… über eine Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck beim BVB: "Ich weiß es nicht, ich bin in den Gesprächen nicht dabei. Wir haben kompetente Leute, die diese Gespräche führen und es ist dann auch wichtig, aus diesen Gesprächen heraus nicht immer jedes Maß an Gefühl weiterzugeben. Irgendwann wird eine Entscheidung anstehen, das wird sich der Klub auch wünschen. Ich habe lediglich gesagt - für mich persönlich - A. dass ich es mir wünsche und B. dass es meine Überzeugung ist. Jetzt weiß ich nicht, ob A. und B. reichen werden, um C. - die Lösung - zu haben. Ich bin positiver Dinge. […] In der Geschichte dieses Klubs war er immer in Epochen erfolgreich. Aber dazu brauchen wir ein paar gute Spieler, und er gehört dazu. Ich bin überzeugt - ohne Wissen und ohne Hintergrundinformation."
… über die WM-Chancen von Leon Goretzka und Angelo Stiller: "Völlig unterschiedliche Spieler. Goretzka ist am Ende der, der Box-to-Box geht, auch im Abschluss - mit Kopfballwucht und Torgefahr. Angelo Stiller ist für mich ein Virtuose mit seinem linken Fuß, mit dem Ball. Gut ist schon mal, dass wir sie haben - weil wir in Deutschland angeblich nicht viele oder keine guten Spieler hätten. Diese beide sind super Spieler. Ich würde beide nehmen. Aber ob beide immer spielen - das wird man sehen."
… über einen möglichen WM-Titel für Deutschland: "Ohne individuelle Qualität geht es nicht, das ist klar. Es gibt zwei Komponenten während eines Turniers. Das ist zum einen die körperliche Verfassung. Mit einer guten körperlichen Verfassung und dann auch der Wucht, von Anfang an Ergebnisse zu erzielen. Damit wird der Geist stärker. Und es gibt Momentum. Eine gute Nationalmannschaft ist in der Lage, ein Momentum unter diesen Gesichtspunkten bei so einem Turnier zu halten. Deshalb kannst du dort Außergewöhnliches erreichen. Deshalb kann Deutschland Weltmeister werden. […] Innerhalb dieser vier Wochen kann man Leistung unglaublich gut organisieren. Das wünsche ich dem Trainer, der Mannschaft, und dann wünsche ich natürlich unserem Land den Titel."
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