Matthias Sammer bei Sky Sport über Nagelsmann, Undav und Kompany
Matthias Sammer spricht in ''Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk'' (ab 21 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport News) darüber, was Julian Nagelsmann von Bayern-Trainer Vincent Kompany lernen könnte.
21.04.2026 | 13:12 Uhr
Der ehemalige DFB-Sportdirektor rät dem Bundestrainer, "vor dieser WM gar nicht so viel zu erzählen". Zuletzt hatte Nagelsmann durch verschiedene Aussagen, unter anderem durch öffentliche Kritik an Nationalspieler Deniz Undav, für Unverständnis gesorgt.
Auf die Frage von Moderator Riccardo Basile (''Sammer & Basile - der Hagedorn-Talk'', ab 21 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport News), was Julian Nagelsmann im Umgang mit seinen Spielern von Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany lernen könne, erklärte Sammer:
"Erst einmal die großen Linien: All meine Spieler - egal wen - verteidige ich nach außen hin, als gäbe es kein Morgen. Darüber baust du Vertrauen auf." Da ein Vereinstrainer täglich mit seinen Spielern arbeite, der Bundestrainer sie aber nur in großen Abständen sehe, könne man "das aber nur bedingt vergleichen".
Sammer hat "Gefühl, Nagelsmann schützen zu wollen"
Nagelsmann müsse "oftmals - und ich glaube, dass es bei ihm der Fall ist - durch gewisse Aussagen, durch gewisse Reizpunkte etwas auslösen, also eine Reaktion hervorrufen", vermutet der 58-Jährige: "Nur glaube ich, dass das nur bedingt der richtige Weg ist."
Je näher das Turnier im Sommer komme "und je mehr Julian vermeintlich in der Kritik steht, ich habe ihn ja auch kritisiert, entwickle ich immer das Gefühl, ihn schützen zu wollen und eine Hand über ihn zu legen, um zu sagen, was möglicherweise das Beste wäre", so Sammer weiter: "Ich würde ihm, wenn mir das überhaupt zusteht, einfach raten, vor dieser WM gar nicht so viel zu erzählen."
Seine Message an den Bundestrainer: "Ruhig bleiben"
Man könne Nagelsmann keine fehlende Akribie oder mangelndes Fußballfachwissen vorwerfen, betonte der ehemalige Trainer, der Borussia Dortmund 2002 zur Meisterschaft geführt hatte.
Nagelsmann sei "sehr, sehr schnell Trainer geworden und ein sehr guter Trainer. Aber die Message, die ich ihm eigentlich geben würde, ist zu sagen: Ruhig bleiben. Ich glaube, dass er gerade versucht, den Leuten da draußen zu erklären, was seine Beweggründe sind, um gewisse Aussagen zu tätigen, zum Beispiel auch über Deniz Undav", führte Sammer weiter aus.
Man könne sagen "so unehrlich war das nicht", aber man müsse sich als Trainer über die Konsequenzen bewusst sein. "Kompany hätte das sicherlich so nicht getan", meinte Sammer.
Seine Frau bei Undav ins Spiel zu bringen, "gehört hier nicht her"
Dass Nagelsmann vergangene Woche in seiner Talkshow seinen Fehler einräumte und verriet, er habe sich auf Empfehlung seiner Frau für die öffentliche Kritik bei Undav entschuldigte, ist aus Sammers Sicht "so ein Schmankerl, Lena ins Spiel zu bringen, um zu sagen: 'Mensch, die hat mich darauf hingewiesen.' Nur dass das Thema Undav so kritisch gesehen wurde, dass die Leute jetzt möglicherweise diskutieren: Jetzt braucht er schon seine Ehefrau für die Lösung. Das macht ihn auf der einen Seite sympathisch, auf der anderen Seite - hochprofessionell betrachtet - würde ich sagen: Julian, das gehört hier nicht her."
Was Sammer sich von Rudi Völler wünscht
Schließlich richtete sich Sammer direkt an den 38-Jährigen: "Du bist der Bundestrainer, der Nachfolger von Herberger - ich vergesse einige -, Helmut Schön, Franz Beckenbauer, alle haben Titel gewonnen, Jupp Derwall, Berti Vogts, dann Jogi (Löw, Anm. d. Red.) als Weltmeister-Trainer. Deshalb: Guck mal, wie die 'Alten' manche Dinge handhaben würden."
Sammer, von 2006 bis 2012 DFB-Sportdirektor, würde sich - auch vom aktuellen Sportdirektor Rudi Völler wünschen, Nagelsmann "vielleicht noch enger im Austausch darauf hinzuweisen, gewisse Themen eher nicht zu machen."
Sammers Fazit: "Weniger ist manchmal ein bisschen mehr. Aber vielleicht ist das 'Mehr' am Ende beim Turnier auch das Außergewöhnliche. Dann müssen fast alle Abbitte leisten, die ihn jetzt kritisieren."
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