Leidet Alonso am Guardiola-Syndrom?

Egal was Xabi Alonso in der vergangenen Saison anfasste, es wurde zu Gold. Jeder Spieler funktionierte, das Teamgefüge war stets homogen und die Mannschaft hatte fast nie Verletzungen zu beklagen. Das sieht in der aktuellen Spielzeit anders aus. 

Aus in der Champions League, Aus im DFB-Pokal und sechs Punkte Rückstand in der Meisterschaft auf Bayer München: Xabi Alonso droht nach dem Double-Gewinn in der vergangenen Saison ein titelloses Jahr mit Bayer Leverkusen.
Image: Aus in der Champions League, Aus im DFB-Pokal und sechs Punkte Rückstand in der Meisterschaft auf Bayer München: Xabi Alonso droht nach dem Double-Gewinn in der vergangenen Saison ein titelloses Jahr mit Bayer Leverkusen.  © Imago

Eine richtige Stammelf hatte Xabi Alonso in dieser Saison nie wirklich. Seine personellen Entscheidungen waren nicht immer nachvollziehbar.

Mal spielt Lukas Hradecky im Tor, mal Matej Kovar. Mal steht Patrik Schick alleine in der Sturmspitze, mal neben Victor Boniface, mal sitzen beide auf der Bank, wie im desaströsen Hinspiel im Champions-League-Achtelfinalhinspiel beim FC Bayern. Mal spielt Nordi Mukiele hinten rechts in einer Viererkette, mal wählt Alonso die Dreierkette mit Pierro Hincapie, Jonathan Tah und Edmond Tapsoba. Zu viele Wechsel tun der Mannschaft in dieser Saison aber offensichtlich nicht gut, wie viele Spiele gegen vermeintlich kleine Mannschaften gezeigt haben, in denen Bayer Leverkusen einige Punkte liegen lies.

Alonso & Leverkusen erinnern an Guardiola & City

Das Ergebnis: Sechs Punkte Rückstand auf die Bayern in der Bundesliga (plus ein deutlich schlechteres Torverhältnis), das Aus im DFB-Pokal-Halbfinale bei Drittligist Arminia Bielefeld sowie in der Champions League. Als neutraler Beobachter fühlt man sich ein Stück weit an Pep Guardiola und die aktuelle Saison von Manchester City erinnert, die dort unter ähnlichen Problemen leiden.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

DFB-Pokal, Halbfinale: Arminia Bielefeld hat es tatsächlich geschafft: Als erst vierter Drittligist steht der Traditionsverein aus Ostwestfalen nach dem 2:1 gegen Leverkusen im Pokalfinale in Berlin.

Natürlich ist es gut, wenn ein Trainer taktisch flexibel ist und auf Herangehensweisen eines Gegners immer wieder unterschiedlich reagieren kann. Die andere Seite der Medaille zeigt aber auch, dass es Spieler nervt, wenn sie in einem Topspiel aufgrund taktischer Maßnahmen plötzlich auf der Bank sitzen und aus ihrem Lauf gerissen werden. Wenn ein Trainer damit trotzdem erfolgreich ist, ist das egal, denn der Erfolg gibt ihm Recht und kein Spieler, der auf der Bank sitzt, kann sich dann über irgendetwas beschweren. In dieser Saison ist das bei Bayer Leverkusen anders und das schlägt sich auf die Grundstimmung nieder. Das Gesamtgefüge der Mannschaft ist zwar in Takt, aber nicht so einheitlich wie in der Double-Saison. Die ein oder andere Baustelle verhindert den maximalen Erfolg.

Alonso muss sich auch taktisch hinterfragen

Aber auch taktisch muss sich Alonso in dieser Spielzeit hinterfragen. Hat er immer die richtige Strategie gewählt? Wäre ein spielerischer Ansatz gegen kleine Vereine - wie Arminia Bielefeld - nicht besser gewesen, als auf hohes Pressing der Ostwesfalen überwiegend mit langen Bällen auf Schick und Boniface zu antworten? Selbst Alonsos Spieler wussten nach der Niederlage keine Antwort darauf, wieso sie so gespielt haben, wie sie gespielt haben. Aber ein spielerischer Ansatz bei all dieser Qualität muss immer der Anspruch dieser Mannschaft sein.

Wir sind noch weit entfernt davon zu sprechen, dass der Zauber des Spaniers verflogen ist, aber die Magie hat in dieser Saison ein paar Dellen bekommen. Fakt ist: Wenn Bayer Leverkusen nicht noch überraschend Deutscher Meister wird, war es keine gute Saison, denn "nur" die Vizemeisterschaft in der Bundesliga zu erreichen, ist mit diesem von Simon Rolfes hervorragend zusammengestellten Kader zu wenig für die eigenen Ansprüche.

Mehr zum Autor Marlon Irlbacher

Mehr dazu

ALLES was du brauchst! Bundesliga und 2. Bundesliga LIVE auf Sky Sport!

Erlebe die nächste Saison mit noch mehr Live-Spielen bei Sky Sport: Der neue Flutlicht-Freitag, ALLE Samstagspiele der Bundesliga inklusive Topspiel sowie die komplette 2. Bundesliga.
Dazu alle Sonntagsspiele der Bundesliga direkt nach Abpfiff in voller Länge. Jetzt informieren auf sky.de/bundesliga!

Mehr Geschichten