Kolumne von Lothar Matthäus über VAR, Bayern, Neuer, Urbig und Bergamo
Lothar Matthäus fragt sich in seiner Kolumne, warum der VAR international funktioniert, aber hierzulande immer wieder Fehler passieren, wie am Samstag in Köln.
09.03.2026 | 21:59 Uhr
Der Sky Sport Experte erklärt außerdem, warum er in Jonas Urbig den legitimen Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern sieht.
Der VAR hat am Wochenende wieder einmal für Diskussionen gesorgt.
Gerade bei klaren Szenen, wie am Samstag in Köln, als dem FC durch das Handspiel von Dortmunds Couto eine klare Torchance genommen und ein Strafstoß verweigert wurde, ist eine Fehleinschätzung sehr ärgerlich.
Manche werden vielleicht sagen "das reguliert sich innerhalb einer Saison in der Bundesliga". Ich sage: Nein! Es geht darum, dass wir Gerechtigkeit wollen. Mit dem VAR sind viele Fehlentscheidungen korrigiert worden, das ist das Positive. Auf der anderen Seite gibt es immer noch zu viele Fehler und man fragt sich: Wozu haben wir ihn überhaupt?
Warum wurde die Szene im Kölner Keller nicht so bewertet, wie es 99 Prozent der Leute getan hätten? Im Stadion und bei Sky Sport konnte man sehen, dass der Spieler den Ball mit der Hand berührt hat. Soviel ich weiß, kann der VAR sogar auf noch mehr Bilder zurückgreifen.
Man hat das Gefühl, die gehen zwischendurch Kaffee trinken
Ich habe das Gefühl, dass es In anderen Ländern, in der Champions League oder bei der Klub-WM, besser funktioniert als bei uns.
Die internationalen Spezialisten haben auch nur zwei Augen, aber es braucht den Mut, etwas anzuzeigen. Man sollte keine Angst haben, wenn man im Keller sitzt. Der Keller entscheidet am Ende nicht, sondern immer noch der Schiedsrichter auf dem Platz.
Ich frage mich auch, was die Leute im Keller manchmal machen. Sitzen sie die ganze Zeit vor den Monitoren und prüfen jede einzelne Szene? Ab und zu hat man das Gefühl, die gehen zwischendurch mal einen Kaffee trinken. Bei so einer Szene wie der in Köln muss man noch genauer draufschauen, wenn man nicht erkannt hat, was alle anderen, die die Bilder gesehen haben, erkannt haben. Vielleicht hat sich Benjamin Cortus im Keller die Szene nicht aus allen Perspektiven angesehen, ich weiß es nicht.
Das ist für mich sowieso der größte Schmarrn
Die Unterscheidung, ob ein Handspiel absichtlich oder unabsichtlich war, ist für mich sowieso der größte Schmarrn. Handspiele sind in den seltensten Fällen absichtlich. Wenn durch die Berührung mit der Hand die Körperfläche vergrößert wird, ist es ein Strafstoß. Punkt.
Coutos Handspiel und das Foul von Simpson-Pusey an Beier waren beide unabsichtlich, aber es waren ein Elfmeter und eine Rote Karte. Auch Nico Schlotterbeck hat im Klassiker Stanisic nicht absichtlich getroffen, aber auch er hätte dafür eine Rote Karte sehen müssen.
Bayern ist gegen Atalanta ganz klarer Favorit
In Köln hat Dortmund nach der 2:0-Führung nachgelassen. In den CL-Playoffs war die Borussia gegen Bergamo fußballerisch überlegen. Der BVB ist aber ausgeschieden, weil man dem Gegner hinten drei Tore geschenkt hat und in der Offensive seine Chancen nicht genutzt hat.
So etwas wird dem FC Bayern nicht passieren. Die Münchner haben diese Gier, auch bei einer Führung noch das dritte oder vierte Tor nachzulegen, wie am Freitagabend beim 4:1 gegen Mönchengladbach.
Darum kommen die Bayern auch in der Champions League weiter, weil Bergamo nicht die fußballerische Qualität hat, um ihnen gefährlich zu werden. Vor allem nicht in Hin- und Rückspiel, das zudem in der Allianz Arena stattfindet. Darum ist Bayern für mich ganz klarer Favorit.
Nachdem die vergangenen Wochen ohne zusätzliche internationale Spiele etwas ruhiger waren, freuen sich die Münchner jetzt auf die kommenden zwei Monate, weil sie wissen, dass sie in dieser Zeit wieder Außergewöhnliches leisten können, nämlich drei Titel zu gewinnen.
Urbig ist ein würdiger Stellvertreter für Neuer
Im Tor steht in Bergamo Jonas Urbig, nachdem Manuel Neuer sich gegen Gladbach erneut einen Muskelfaserriss zugezogen hat.
In Urbig hat er einen würdigen Stellvertreter, der in seinen jungen Jahren schon Ruhe und Sicherheit ausstrahlt. Er hat gezeigt, dass er Neuer vertreten kann, aber er ist jetzt noch nicht 1:1 auf dem Niveau von Manuel. Wenn Neuer im Tor steht, haben seine Mitspieler noch einmal ein anderes Gefühl, schon aufgrund der Vita, die Manuel mitbringt.
Urbig hat bisher eine Meisterschaft gefeiert, eine zweite wird dazukommen und vielleicht noch andere Titel. Urbig wird in Zukunft mehr Einsatzzeit bekommen, wenn Neuer verletzt ist oder vielleicht im nächsten Jahr kürzertritt.
Wenn Neuer noch ein Jahr dranhängen sollte, kann es ihm ja nur recht sein, dass er dann seinen Körper gezielt schonen kann. Er braucht Pausen und Manuel ist auch so vernünftig und denkt an seine Gesundheit. Ich habe zum Ende meiner Karriere auch häufiger nicht gespielt, Ottmar Hitzfeld hat mir gesagt, ich soll mich erholen. Wenn ich nicht dabei bin, kann ich mich um meine Familie oder um andere Dinge kümmern.
Das könnte ein idealer Schlusspunkt für Neuer sein
Deswegen hat es mich zuletzt gewundert, dass Neuer (als er nicht verletzt war) in den Spielen, in denen Urbig im Tor stand, auf der Bank saß. Erholung heißt für mich nicht, mit der Mannschaft am Freitag irgendwo zu einem Auswärtsspiel mitzufliegen, sondern dass ich auch mal vom Kopf und Körper her runterkommen kann. Mit Sven Ulreich ist schließlich auch noch ein dritter Torhüter im Kader.
Wenn die Bayern das Triple gewinnen sollten, könnte dies ein idealer Schlusspunkt für Neuer sein. Das ist meine Meinung. Wann er aufhört, bestimmt aber Manuel selbst. Ich finde, er sollte dann aufhören, wenn sein Köper und sein Kopf nicht mehr diese Motivation haben, um die Topleistungen, die er über fast zwei Jahrzehnte gezeigt hat, bringen zu können.
Wenn man das, was ich vom FC Bayern gelesen habe, so gesagt hat und auch leben will, dann ist Urbig der Nachfolger von Neuer. Es gibt keinen Grund, nicht an ihn zu glauben.
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