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Hamburger SV News: Trotz mäßigem Start - der HSV scheint sich zu finden

Der neue Hamburger Weg: Jung, bodenständig & resolut

Lennard Göttner

11.09.2021 | 20:29 Uhr

Trotz des durchwachsenden Saisonstarts kann der HSV mit Zuversicht in die kommenden Wochen blicken.
Image: Trotz des durchwachsenden Saisonstarts kann der HSV mit Zuversicht in die kommenden Wochen blicken.  © Imago

Der HSV rangiert in seinem vierten Zweitliga-Jahr nach einem durchwachsenen Saisonstart aktuell nur auf Rang zehn. Auch abseits des Rasens kochen Themen wie die Vertragsauflösung mit Innenverteidiger Toni Leistner hoch. Verfällt der Traditionsklub schon früh wieder in alte Muster?

Als Jonas Boldt im Mai 2019 beim Hamburger SV als Sportvorstand vorgestellt wurde, setzte sich der 39-Jährige bei der Pressekonferenz lächelnd auf seinen Stuhl. Sein Vorgänger war keine drei Stunden zuvor entlassen worden und schon hieß es an der Elbe wieder einmal: Der Nächste, bitte! Doch Boldt, der insgesamt neunte Sportchef beim HSV seit 2009, verfolgte seither eine Vision.

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Jonas Boldt, Vorstand Sport beim Hamburger SV, äußert sich vor dem Zweitliga-Start am Sky Mikro (Video-Länge: 6:05 Minuten).

"Ich spüre eine Verantwortung, die ganze Energie rund um den Verein zu bündeln und in die richtige Richtung zu bringen", sagte er damals und dass er mit "Ambitionen nach Hamburg" komme. Diese sollten bereits mit Ex-Coach Daniel Thioune in der vergangenen Saison realisiert werden. "Wir wollen den Schwerpunkt vermehrt auf die Entwicklung legen", skizzierte Boldt den neuen Weg.

Ein elementarer Grundstein war dabei der "Achsen-Plan". Sogenannte Säulenspieler wie Simon Terodde, Sven Ulreich oder etwa Klaus Gjasula wurden verpflichtet und sollten den Hamburgern kurzfristig Stabilität verleihen.

HSV wieder einmal im Umbruch

Doch die Realität lautet: Keiner dieser Spieler läuft im September 2021 noch im Dress der Rothosen auf, auch mit dem Aufstieg hat es wieder nicht geklappt und Thioune wurde noch vor Saisonschluss freigestellt. Die berechtigte Frage nach der abermaligen Trainer-Entlassung lautete: Wo ist er hin, der neue und innovative Hamburger Weg, von dem Boldt seit seiner Amtsübernahme unaufhörlich gesprochen hatte?

Die HSV-Köpfe in der zweiten Reihe: Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel.
Image: Die HSV-Köpfe in der zweiten Reihe: Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel.  © Imago

Die Hanseaten steckten damit einmal mehr im Umbruch fest. Der Achsen-Plan wurde nach dem Nicht-Aufstieg kurzerhand über Bord geworfen. Ganze 14 Spieler verließen den Verein, darunter die genannten Terodde, Ulreich oder Gjasula. Und auch mit Kapitän Aaron Hunt, der immerhin seit 2015 im Verein war, wurde nicht verlängert. In puncto Kaderplanung ein echtes Großprojekt für Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel.

Mit Tim Walter verpflichteten die Verantwortlichen auf der anderen Seite einen Coach, der für furiosen Offensiv-Fußball steht. Doch vor allem die Defensive der Hamburger zeigte sich in den sechs bislang bestrittenen Pflichtspielen äußerst anfällig. Der HSV kassiert durch einfache Konter Gegentore, selbst eigene Führungen können sie wie gegen Dresden oder Darmstadt nicht über die Bühne bringen. Ein altbekanntes Problem.

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Sky Reporter Sven Töllner spricht über der aktuellen Stand rund um die bevorstehende Verpflichtung von Trainer Tim Walter beim Hamburger SV. (Video: 02:49 Minuten)

Meffert, Glatzel, Schonlau: Säulenspieler mit Perspektive

Boldt scheinen diese Komplikationen zumindest nicht groß zu verunsichern. "Aus meiner Sicht haben wir den Weg nicht verlassen, sondern in den vergangenen Jahren das erste Mal einen Weg eingeschlagen. Dass ein Weg Anpassungen braucht, insbesondere wenn Dinge nicht ganz so funktionieren, ist unabdingbar", sagte er am Sonntag in einem Vereinsinterview.

Bei den Führungskräften setzt der Zweitligist nun auf Spieler mit Perspektive, wie Jonas Meffert (26), Robert Glatzel (27) oder etwa Sebastian Schonlau (26), der gleich nach seinem Wechsel in die Hansestadt zum Kapitän ernannt wurde. Bis auf Torhüter-Reservist Tom Mickel steht kein einziger Ü30-Spieler mehr im Kader.

Stabilisator in der Abwehr und mit Riecher vor dem Tor: HSV-Kapitän Sebastian Schonlau nach seinem Treffer gegen Darmstadt.
Image: Stabilisator in der Abwehr und mit Riecher vor dem Tor: HSV-Kapitän Sebastian Schonlau nach seinem Treffer gegen Darmstadt.  © Imago

Hamburg mit neuer Facette

Boldt zeigt damit, dass er trotz aller Turbulenzen stets weiter am selbst ausgesprochenen Kurs, die Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen, festgehalten hat. Und das muss er auch. Denn ansonsten würde er selbst in Frage gestellt werden. Stringenz und Überzeugung - fast schon ungewohnte Eigenschaften im Norden. Doch dem Verein tut das gut.

Weil er die Rolle des Ausbildungsvereins scheinbar endlich angenommen hat und weil sich der Klub zudem von einer neuen Seite zeigt: Die Hamburger legen Konsequenz an den Tag, die in den vergangenen Jahren rund um den Volkspark so gut wie nicht vorhanden war. Das allein zeigen die Zwischenfälle rund um Innenverteidiger Toni Leistner.

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HSV trennt sich von Altlasten

Der Routinier kam mit seiner Rolle als Ersatzspieler angeblich nicht ganz klar und soll seinem Unmut deutlich Gehör verschafft haben. Die Folge: Der Vertrag wurde aufgelöst und die Verantwortlichen zeigen damit, dass "Störfeuer" fortan keinen Platz mehr in Hamburg haben.

Und der HSV geht noch weiter: Mit Khaled Narey, Jeremy Dudziak, Gideon Jung und Gjasula löste man mit gleich vier namhaften Spielern im Sommer den Vertrag auf. Weil Walter für Sie auf dem Rasen schlichtweg keine Verwendung gefunden hat und sie während ihrer Zeit bei den Rothosen nie ihr volles Potenzial abrufen konnten.

Hamburg trennt sich damit in gewisser Weise Schritt für Schritt von "Altlasten". Auch das ist eine gewonnene Facette, die zum neuen Gesicht des Vereins passt: Der HSV geht seinen eingeschlagenen Weg - zielstrebig und resolut, was zusätzlich mit Blick auf die Neuzugänge verdeutlicht wird.

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Große Namen sind auch auf der Zielgeraden der Transferperiode nicht mehr zum HSV-Kader dazugestoßen. (Videolänge: 2.13 Minuten)

Hamburg setzt auf die Jugend

Nach der Vertragsauflösung Leistners wurde mit dem 19-jährigen Mario Vuskovic noch am Deadline Day ein Ersatz verpflichtet. Weiterhin konnte man sich die Dienste von Spielern wie Marko Johansson (22), Ludovit Reis (21), Mikkel Kaufmann (20) oder Tommy Doyle (19) sichern. Verpflichtungen für die Zukunft.

"Ich glaube, dass die Dinge, die wir gemacht haben, Sinn ergeben. Die Transfers beschreiben den Weg, den wir weiter gehen wollen", zeigte sich Boldt mit dem Transfersommer durchaus zufrieden. Die Losung an der Elbe lautet: Statt auf mehrere, namhafte Einzelspieler aufs Kollektiv und Geduld setzen.

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Der HSV braucht Geduld

Und so fühlt es sich trotz der vielen Turbulenzen im Sommer und auch zu Beginn dieser Saison so an, als ob ein neuer Wind in der Hansestadt wehen würde.

Die Länderspielpause gibt der Mannschaft zudem auch in sportlicher Hinsicht Zeit, die Neuzugänge einzugliedern und die Vorstellungen von Coach Walter weiter zu trainieren. Denn nichtsdestotrotz steht dem HSV vor allem auf dem Rasen noch eine Menge Arbeit bevor.

"Es gilt jetzt, das weiter nach vorne zu bringen und auch die nötige Geduld an den Tag zu legen", fordert Boldt. Eine Tugend, die beim HSV in den vergangenen Jahren auf wenig Gegenliebe stieß, nun jedoch endlich verinnerlicht werden muss - um den eingeschlagenen Weg auch endlich mit Erfolg zu bestreiten.

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