Fabio Vieira hat beim HSV eine positive Entwicklung durchlaufen
Der Volkspark liebt seinen linken Zauberfuß. Die Beziehung zwischen den HSV-Fans und dem portugiesischen Edel-Zocker Fabio Vieira hat allerdings sehr wohl ein wenig Anlaufzeit benötigt - und wird bisweilen immer noch auf harte Proben gestellt.
21.03.2026 | 15:29 Uhr
Sorgt Vieira Im Topspiel bei Borussia Dortmund (Sa., ab 17:30 Uhr LIVE und EXKLUSIV auf Sky Sport Bundesliga) wieder für einen besonderen Moment?
Natürlich wurden seine ersten Schritte sehr genau beobachtet - auf den letzten Metern des Transfer-Sommer-Rennens hatte es Fabio Vieira bekanntermaßen zum HSV verschlagen.
Die Frage, ob es wohl der sehnlichste Wunsch des Champions-League-erprobten Mittelfeld-Feinmechanikers gewesen sei, als Angestellter des FC Arsenal auf Leihbasis zu einem Bundesliga-Aufsteiger mit ungewisser Erfolgs-Perspektive zu wechseln, schwang irgendwie mit.
Vieira mit problematischem Start
Die Aura des 25-Jährigen, seine ersten Gesten, seine ersten Interviews nährten die Befürchtung, dass da einer seinen Karriereweg in die richtige Richtung biegen will, ohne an allzu intensiven emotionalen Verbindungen mit seinem Arbeitgeber und den angeschlossenen Instanzen interessiert zu sein. Ein Designer-Möbelstück in der Ikea-Bude - strahlend, aber doch irgendwie fehl am Platze.
Die kritischen Einschätzungen befeuerte er zum Teil selbst. Rote Karte in Berlin, Gelb-Rot bei der übernächsten Gelegenheit in Köln - alles ein wenig überkandidelt, divenhafte Momente.
HSV nutzt seine Chance auf dem Transfermarkt
Klar, der kann Fußball spielen - das konnte jeder sehen. Aber passt der ins Gefüge? Hilft dieser Spieler der Mannschaft bei der erwartbar komplizierten Mission - dem Kampf um den Klassenerhalt?
Für den HSV war die Gelegenheit jedenfalls zu günstig, um sie ungenutzt verstreichen zu lassen. Vor allem der exzellenten Vorarbeit von Sportdirektor Claus Costa und dessen Nervenstärke auf der Zocker-Zielgeraden war es zu verdanken gewesen, dass der vermeintlich Überqualifizierte sich für den HSV entschieden hatte.
"Da hatten wir anfangs keine Chance", räumte der Manager später ein. Als die Chance entstand, griff Costa zu - mit großen Hoffnungen. Und womöglich auch heimlichen Zweifeln.
Anderer Fußball als bei Arsenal oder Porto
Dass auch Vieira erstmal einen Umgang mit den veränderten Anforderungen finden musste, war offensichtlich - und auch für ihn selbst keine Überraschung.
"Natürlich ist das ein anderer Fußball", beschrieb der Regisseur seine Lage im Sky Sport Interview, "bei Porto oder Arsenal spielst du um Titel, hast viel Ballbesitz. Hier ist es anders. Aber ich fühle mich sehr wohl, mag die Mannschaft und den Klub. Wir kämpfen gemeinsam für unsere Ziele."
Filou mit Künstler-Attitüde
Gemeinsam - danach sah es anfangs nicht immer aus. Ein kauziger Eigenbrötler, auf dem Feld ein Filou mit Künstler-Attitüde - ein Durchreisender auf dem Weg zurück auf das Niveau, das er sich selbst attestiert. Ein bisschen blasiert im Gespräch, ein bisschen ungeduldig beim Selfie- und Autogramm-Ablauf.
Eindrücke, die sich bei manchen Beobachtern verfestigten und die Beurteilung der schönen Tore und mehrdimensionalen Steckpässe beeinträchtigte. Toller Spieler - komischer Typ?
Lob von Torwart Heuer Fernandes
Ein Perspektiv-Wechsel dürfte helfen - hinein in die Kabine zum Beispiel. Daniel Heuer Fernandes, 33-jähriger Deutsch-Portugiese mit erwiesenermaßen klarem Verstand, hat einen ganz anderen Blick auf seinen "Halb-Landsmann", hält den 25-Jährigen nicht für eine Diva, sondern für einen immens wichtigen Dienstleister.
"Unsere Verbindung ist sowohl menschlich als auch sportlich sehr gut", verrät die allseits respektierte Führungskraft, "er ist ein Typ, der sich von Anfang an in den Dienst der Mannschaft gestellt hat". Und fußballerisch häufig den Unterschied macht.
Heuer Fernandes: "Er kann Spiele kontrollieren und kreiert besondere Momente. Ich weiß, dass ich ihn immer anspielen kann. Klar spricht man auch über Dinge, die besser laufen können - aber solche Spieler tun uns extrem gut."
HSV würde Vieira am liebten fest verpflichten
Ärgerliche Ballverluste, unangenehme Defensiv-Wege mit angezogener Handbremse - ein paar künstlerische Defizite finden sich schon immer mal wieder in Vieiras Spiel. Diese Vorfälle werde mittlerweile aufgewogen von einer inzwischen deutlich veränderten Körpersprache, einem Schmunzeln beim Autogramm-Marathon - und natürlich weiteren magischen mit seinem linken Zauberfuß.
Die Beziehung zur Klubführung ist mittlerweile so stabil, dass der HSV seinen kreativen Leiharbeiter am liebsten fest verpflichten würde. Offenbar gibt es von Vieira Signale, die Anlass zu Optimismus geben. Aber - Kaufoption: 20 Millionen Euro. Unbezahlbar! Noch!
Claus Costa hat Vieira und Albert Sambi Lokonga im vergangenen Sommer mit viel Geschick zu ungewöhnlich günstigen Konditionen aus London an die Elbe gelotst. Viele Fans würden sich mittlerweile freuen, wenn dem Hamburger Sport-Boss in der kommenden Transferperiode ein weiteres Verhandlungs-Husarenstück gelingen würde.
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