Christian Titz startet mit Hannover 96 den nächsten Aufstiegsversuch
Der Traum vom Bundesliga-Aufstieg platzte für Hannover 96 erst am letzten Spieltag der Vorsaison. Doch trotz der Enttäuschung herrscht rund um den Klub eine euphorische Stimmung.
21.07.2026 | 14:37 Uhr
Dramatischer hätte die vergangene Saison für Hannover 96 kaum enden können.
Von Mika Nestler
Am letzten Spieltag verspielten die Niedersachsen mit einem Unentschieden gegen den 1. FC Nürnberg den Aufstieg in die Bundesliga - besonders bitter, weil zumindest der Relegationsplatz in den eigenen Händen lag. Statt im Duell mit dem VfL Wolfsburg standen die Hannoveraner am Ende nur auf Rang vier. Doch trotz des schmerzhaften Endes blicken "Die Roten" mit neuem Optimismus auf die kommende Spielzeit.
Bekannte Situation
Für Trainer Christian Titz war es nicht das erste Mal, dass der Traum vom Aufstieg auf den letzten Metern platzte. Bereits in der Vorsaison, also der Spielzeit 2024/25 hatte der heutige 96-Coach mit dem 1. FC Magdeburg lange um den Sprung ins Oberhaus mitgespielt. Damals überraschte der FCM die Liga, denn niemand hatte mit dem Klub aus Sachsen-Anhalt als Akteur im Aufstiegsrennen gerechnet. Doch auch hier ließen im Saisonendspurt die Kräfte nach.
In Hannover war die Erwartungshaltung dagegen von Beginn an eine andere. Seit dem Bundesliga-Abstieg 2019 gilt die Rückkehr ins Oberhaus als klar definiertes Ziel des Traditionsvereins.
Umbruchphase
Mit dem Start in die letzte Saison erfolgte bei den Hannoveranern eine radikale Umbruchphase. Titz konnte sich sein Team, ausgerichtet nach seinem Spielstil, von Grund auf neu aufbauen. 21 Abgänge und 24 Neuzugänge sorgten für einen nahezu komplett neuen Kader. Besonders überraschend kam der Abschied von Kapitän und Weltmeister Ron-Robert Zieler, der mitten in der Vorbereitung zum 1. FC Köln wechselte.
Grund dafür könnte der Spielstil des 55-jährigen Trainers sein. Titz setzt auf dominanten Ballbesitzfußball, technisch starke Offensivspieler und einen mitspielenden Torhüter. Sein Ziel: Überzahlsituationen schaffen und den Gegner permanent unter Druck setzen.
Der Spielstil schlug zunächst voll ein. Hannover gewann die ersten vier Spiele und blieb zum Saisonende sogar die letzten neun Partien ungeschlagen. Aus den neun Spielen gingen allerdings lediglich drei Siege hervor. Während die Konkurrenz aus Elversberg, Schalke oder Paderborn regelmäßig dreifach punktete, ließ Hannover zu viele Zähler liegen.
Neue Saison mit neuen Personalien
Für die neue Saison fällt der personelle Umbruch deutlich kleiner aus. Bislang kamen fünf Neuzugänge, gleichzeitig verabschiedete sich der Verein aber unter anderem von Kapitän Enzo Leopold und Bayern-Leihgabe Noel Aseko.
Grund zur Vorfreude gibt es dennoch genug. Mit Pascal Loretz verpflichtete Hannover einen neuen Torhüter vom FC Luzern. Jean Hugonet, den Christian Titz aus gemeinsamen Zeiten in Magdeburg kennt, soll die Defensive stabilisieren.
Für die größte Euphorie sorgt allerdings die Rückkehr von Lars Gindorf. Der Offensivspieler war zuletzt an Alemannia Aachen verliehen und spielte dort eine überragende Saison. Mit 28 Treffern wurde er nicht nur Top-Torschütze der Liga sondern stellte gleichzeitig einen neuen Torrekord der 3. Liga auf, hinzu kamen 14 Vorlagen. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, dass Gindorf diese Torgefahr nun auch zurück an den Maschsee bringt.
Das muss sich ändern
Das wäre auch bitter nötig, denn Hannover muss vor allem in einem Punkt verbessern: der Chancenverwertung.
Mit einem Expected-Goals-Wert (xG-Wert) von rund 69,5 in der gesamten Saison stellte 96 den höchsten Wert der gesamten Liga auf. Am Ende standen 9,5 Tore weniger als statistisch zu erwarten gewesen wäre auf dem Konto. Es war der schlechteste Wert der 2. Bundesliga, direkt gefolgt von Absteiger Fortuna Düsseldorf (-9,3). Zum Vergleich: Aufsteiger Elversberg blieb lediglich 0,8 Treffer unter seinem xG-Wert.
Auch vom Elfmeterpunkt ließ Hannover zu viel liegen. Von neun Strafstößen wurden gleich fünf vergeben. Mit einer Trefferquote von lediglich 44 Prozent stellten die Niedersachsen die schwächste Elfmeterbilanz der ersten beiden deutschen Profiligen.
Euphorie ist riesig
Aktuell bereitet sich die Mannschaft im Trainingslager in Iserlohn auf die neue Saison vor. Das erste Testspiel gegen Aufsteiger VfL Osnabrück gewann Hannover mit 2:1.
Bei den Hannover-Fans ist die gute Stimmung rund um die neue Saison deutlich spürbar. Obwohl der Aufstieg knapp verpasst wurde, scheint die vergangene Saison vielmehr Lust auf mehr gemacht zu haben. Bereits 17.500 Fans verlängerten ihre Dauerkarte - so viele wie nie zuvor während der Verlängerungsphase des Klubs an der Leine in der 2. Bundesliga. Mittlerweile liegt die Zahl sogar bei über 20.000 verkauften Dauerkarten und damit auf Rekordniveau.
Auch die neue Bestuhlung der Heinz-von-Heiden-Arena trägt zur positiven Stimmung bei. Für das Auftaktspiel bei Energie Cottbus waren die rund 2.000 Gästetickets innerhalb weniger Minuten vergriffen.
Ob sich die Vorfreude am Ende bezahlt macht, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Vielleicht klappt der Aufstieg mit einem Team unter Titz ja bei seinem dritten Anlauf. Denn nicht umsonst wird gesagt "Aller guten Dinge sind drei".
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