Bernd Leno über Jürgen Klopp, die Nationalelf und seine eigene DFB-Zukunft

Bernd Leno hat sich im exklusiven Sky Sport Interview zur neuen Ära unter Jürgen Klopp, der Zukunft der deutschen Nationalmannschaft und seiner eigenen DFB-Perspektive geäußert.

Bernd Leno blickt der neuen DFB-Ära unter Jürgen Klopp mit großer Spannung entgegen.
Image: Bernd Leno blickt der neuen DFB-Ära unter Jürgen Klopp mit großer Spannung entgegen.  © Imago

Zudem spricht der Torhüter über den schwierigen Saisonstart mit dem FC Fulham, die Arbeit unter seinem neuen Trainer Alvaro Arbeloa und die Herausforderungen der Premier League. Besonders interessant: Seine Einschätzungen zur neuen DFB-Ära unter Jürgen Klopp, zur deutschen Torwart-Debatte und zu einer möglichen Rückkehr ins Nationalteam.

Sky Sport: Bernd, der Punktgewinn in Anfield war nach dem schwierigen Saisonstart ein wichtiges Erfolgserlebnis. Wie sehr hat dieses Ergebnis die Stimmung innerhalb der Mannschaft verändert?

Bernd Leno: Das hat man sofort gemerkt, auch am Tag danach. Die Stimmung war eine ganz andere. Natürlich verändert ein Punkt nicht gleich alles, aber für unsere Köpfe war das ein riesiger Schub. Wir haben gezeigt, dass wir als Mannschaft eine Antwort geben können. Anschließend haben wir im Ligapokal nachgelegt. Hoffentlich gelingt uns das jetzt auch in der Premier League. Dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Bernd Leno holt im Auswärtsspiel mit dem FC Fulham beim 0:0 gegen Liverpool einen Punkt. Nach der Partie analysiert der Ex-Leverkusener die Bedeutung des Punktgewinns für seinen Klub und spricht außerdem über Jürgen Klopp.

Sky Sport: Im Ligapokal (3:2-Sieg bei West Ham United) gibt es allerdings keine Punkte für die Tabelle. Wie wichtig sind solche Erfolgserlebnisse trotzdem, um den Glauben an den neuen Weg zu stärken?

Leno: Natürlich sind sie wichtig. Man darf aber auch nicht erwarten, dass sich von heute auf morgen alles verändert. Wir haben einen neuen Trainer und einige neue Spieler. Außerdem haben wir wichtige Spieler verloren, die in den vergangenen Jahren viele Scorerpunkte gesammelt haben. Das muss man fairerweise berücksichtigen. Trotzdem haben wir noch sehr viel Luft nach oben und müssen möglichst schnell Punkte holen. Man kennt das aus der Premier League: Manchmal nimmt eine Saison einen Verlauf, mit dem niemand gerechnet hat, und plötzlich steckt man unten drin. West Ham war in der vergangenen Saison ein Beispiel dafür. Deshalb müssen wir aufpassen.

Sky Sport: Liverpool gehört zu den schwierigsten Auswärtsaufgaben überhaupt. War in Anfield sogar noch mehr drin?

Leno: Wir haben es als Mannschaft wirklich sehr, sehr gut gemacht. Vielleicht wäre sogar ein Sieg möglich gewesen. Aber das wäre möglicherweise auch ein bisschen zu viel des Guten gewesen. Insgesamt können wir mit unserer Leistung und dem Punkt sehr zufrieden sein.

Mehr dazu

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Premier League, 4. Spieltag: Florian Wirtz hat mit dem FC Liverpool erneut Punkte liegen gelassen. Im Heimspiel gegen Fulham kommt das Team von Andoni Iraola nicht über ein 0:0 hinaus. Es war bereits das dritte Remis im vierten Ligaspiel.

Sky Sport: Was bedeutet es dir, dich Woche für Woche mit solchen Weltklassespielern messen zu dürfen?

Leno: Das ist ein Privileg. Es ist jedes Mal aufs Neue eine riesige Herausforderung. In der Premier League gibt es praktisch jedes Wochenende solche brutalen Spiele. Ich genieße das und bin sehr stolz darauf, hier spielen zu dürfen. Ich liebe die Premier League. Genau diese Herausforderungen sind der Grund, weshalb mir das alles so viel Spaß macht.

Warum die Umstellung unter Arbeloa Zeit braucht

Sky Sport: Du bist seit vier Jahren beim FC Fulham und hast in dieser Zeit erst deinen zweiten Trainer. Das ist im heutigen Fußball fast schon ungewöhnlich. Wie ist die Umstellung von Marco Silva auf Alvaro Arbeloa gelungen?

Leno: Sehr gut, würde ich sagen. Man merkt, dass der neue Trainer selbst Spieler war. Er spricht unsere Sprache, spricht sehr gut Englisch und hat auch in England gespielt. Das ist wichtig, um Emotionen vermitteln zu können. Unsere grundsätzliche Philosophie ist relativ ähnlich geblieben. Wir haben ein paar Dinge angepasst, beispielsweise beim Pressing. Deshalb ist die Umstellung nicht ganz so groß. Natürlich gibt es neue Prinzipien, an die wir uns gewöhnen müssen. Dazu kommen einige neue Spieler. Es ist völlig normal, dass solche Prozesse ein bisschen Zeit brauchen.

Erlebe Live-Sport in der Sky Sport App
Erlebe Live-Sport in der Sky Sport App

Mit der Sky Sport App können Sky Kunden Live-Sport jetzt auch direkt in der App streamen – ideal für unterwegs oder als Second Screen. Einfach kostenlos im App Store und bei Google Play herunterladen!

Sky Sport: Ihr presst mittlerweile etwas höher. Bedeutet das für dich als Torwart nicht automatisch auch ein größeres Risiko, weil die Mannschaft anfälliger für Konter wird?

Leno: Natürlich. Das haben wir in den ersten Spielen gesehen. Wir waren teilweise konteranfällig und haben dadurch auch Gegentore kassiert. Aber wir haben das sehr gut analysiert, und der Trainer hat entsprechend reagiert. In Anfield haben wir es schon viel besser gemacht. Solche Anpassungen sind ganz normale Prozesse. Für mich als Torwart wird es dadurch manchmal etwas riskanter. Aber das ist nichts Neues. Ich habe in Leverkusen schon unter Roger Schmidt ähnliche Situationen erlebt. Damals haben wir das auch sehr gut hinbekommen. Für mich war das eine lehrreiche Zeit, von der ich heute noch profitiere.

Sky Sport: Mein Eindruck ist, dass ihr insgesamt dominanter auftreten wollt. Gegen Chelsea hattet ihr beispielsweise mehr Ballbesitz. Macht Fußball nicht auch mehr Spaß, wenn man als Mannschaft das Spiel stärker selbst bestimmen kann?

Leno: Natürlich macht das Spaß. Aber wir hatten auch in den vergangenen Jahren sehr viel Ballbesitz, vor allem zu Hause. Gegen Chelsea lag das teilweise auch daran, dass wir in Rückstand geraten waren und Chelsea anschließend abwartender gespielt hat. Gerade gegen Ende haben wir viel Druck gemacht. Man muss aber unterscheiden: Viel Ballbesitz bedeutet nicht automatisch, dass man dominant ist oder Spiele gewinnt. Du kannst den Ball in ungefährlichen Räumen hin und her spielen. Wenn du keine Tore machst und keinen Zug zum Tor entwickelst, bringt dir das nichts. Entscheidend ist, dass du mit dem Ball etwas anfängst, nach vorne spielst und gefährliche Pässe findest.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Premier League, 1. Spieltag: Geglückter Einstand für Xabi Alonso beim FC Chelsea! Der neue Trainer der Blues hat bei seinem Debüt mit seiner Mannschaft im Stadtderby beim FC Fulham mit 3:2 gewonnen.

Sky Sport: Mit Manchester United wartet der nächste namhafte Gegner. Die Mannschaft ist ebenfalls nicht besonders gut in die Saison gestartet. Was macht United trotz der Probleme so gefährlich?

Leno: Vor allem die individuelle Qualität. Manchester United war in den vergangenen Jahren nicht unbedingt eine Mannschaft, die über das Kollektiv gekommen ist. Aber die Qualität der einzelnen Spieler ist überragend. Bruno Fernandes, Cunha und die anderen Offensivspieler können aus dem Nichts Tore erzielen. Das haben wir selbst schon erlebt. Da haben sie kaum Chancen, und plötzlich machen sie ein Tor.

Erlebe Fußball LIVE auf Sky Sport. Verfügbar mit Sky und WOW
Erlebe Fußball LIVE auf Sky Sport. Verfügbar mit Sky und WOW

Auf Sky Sport siehst du Bundesliga, 2. Bundesliga, DFB-Pokal, Premier League, EFL und Topspiele des Frauen DFB-Pokals live. Jetzt Sky Sport holen!

Sky Sport: Wie wollt ihr das verhindern?

Leno: Wir müssen zu Hause als Mannschaft auftreten, unser Pressing durchziehen, eine hohe Intensität an den Tag legen und die Zuschauer mitnehmen. Vor allem müssen wir möglichst das erste Tor schießen. Dann können wir United auch ordentlich in den Griff bekommen. Wenn du gegen solche Mannschaften in Rückstand gerätst, wird es gefährlich. Dann können sie abwartender spielen und ihre Qualität bei Kontern ausnutzen. Gerade in der Premier League sind diese Umschaltmomente extrem wichtig.

Leno über die besondere Härte der Premier League

Sky Sport: Standardsituationen sind in der Premier League zu einer enorm wichtigen Waffe geworden. Gerade Torhüter werden bei Eckbällen mittlerweile regelrecht bedrängt. Wie sehr musstest du dein Spiel an diese Entwicklung anpassen?

Leno: Ich muss sagen, dass ich am Anfang wirklich Probleme damit hatte. Man weiß zwar, dass die Premier League körperlicher ist. Aber dass der Fünfmeterraum praktisch nicht existiert, ist schon eine Umstellung. In Deutschland wird bei solchen Situationen viel schneller gepfiffen. Als Torwart wirst du deutlich stärker geschützt. In England stehen da ein, zwei Büffel, die nur einen Job haben: dich zu blocken. Da musst du dich wehren, die Fäuste benutzen und dir selbst Platz verschaffen.

Sky Sport: Musstest du dafür auch körperlich zulegen?

Leno: Natürlich musste ich an mir arbeiten, weil es hier einfach anders zugeht. Ich habe mich aber relativ schnell daran gewöhnt. Trotzdem bleibt es eine Herausforderung. Die Spieler machen das sehr clever. Die Schiedsrichter kündigen zwar immer wieder an, konsequenter durchzugreifen. Auf dem Platz sieht es dann aber häufig anders aus. Das muss man akzeptieren. Es bringt nichts, sich ständig zu beschweren. Man muss sich selbst wehren. Letztlich haben alle Spieler mit diesen Situationen zu kämpfen, offensiv wie defensiv.

Premier League Saison Daten 2026/27

  • Saisonstart: Samstag, den 22. August 2026
  • Letzter Spieltag: Sonntag, den 30. Mai 2027
  • Erste Runde FA Cup: Info folgt
  • Finale FA Cup: Info folgt

Sky Sport: Die Gegenspieler stehen dir bei Eckbällen teilweise auf den Füßen. Selbst wenn du sie aufforderst, Abstand zu halten, gehen sie nicht weg. Das ist doch auch ein mentales Duell. Wahrscheinlich bekommst du noch den einen oder anderen Spruch gedrückt?

Leno: Klar, ein bisschen Trash Talk gehört dazu. Das ist manchmal auch ganz witzig. Ich muss sagen, dass mir diese Duelle mittlerweile sogar Spaß machen. Ich genieße das. Wir legen im Training sehr viel Wert auf Standardsituationen, gerade weil das in den vergangenen Jahren immer extremer geworden ist.

Sky Sport: Standardsituationen sind mittlerweile fast eine eigene Wissenschaft.

Leno: Absolut. Es gibt inzwischen spezielle Standardtrainer, und die Vereine beschäftigen sich unglaublich intensiv damit. Grundsätzlich finde ich das gut für den Fußball. Aber manchmal schaust du dir Spiele an, in denen es gefühlt nur noch um Standardsituationen geht. Das ist vielleicht effektiv, aber nicht immer besonders schön anzusehen. Für mich geht dadurch ein bisschen die Schönheit des Spiels verloren.

Sky Sport: Wo liegt für dich die Grenze?

Leno: Man sollte eine gesunde Balance finden. Standards gehören zum Fußball, aber es sollte nicht wie beim American Football werden, wo jede Situation bis ins kleinste Detail einstudiert ist und die Tore fast nur noch nach Standards fallen. Wenn es zu extrem wird, gefällt mir das nicht mehr. Aber wie gesagt: Die körperlichen Duelle machen mir inzwischen Spaß. Sie komplett zu verhindern, ist ohnehin sehr schwer.

Klopp soll den DFB wieder mitreißen

Sky Sport: Mit Jürgen Klopp beginnt eine neue Zeitrechnung. Er hat für seinen ersten Lehrgang gleich 44 Spieler nominiert, die in zwei Etappen anreisen sollen. Kannst du diesen Ansatz nachvollziehen?

Leno: Ich habe mir die Nominierung noch nicht im Detail angeschaut. Ein paar Namen waren natürlich schon durchgesickert. Dass es mehr Spieler werden würden, war klar. Aber 44? Das wusste ich nicht. Das ist schon eine Menge. Grundsätzlich finde ich den Ansatz aber sehr gut. Im ersten Jahr geht es wahrscheinlich nicht in erster Linie darum, die besten Ergebnisse zu erzielen. Vielmehr muss man die Spieler finden, die in zwei Jahren dabei sein sollen und eine Perspektive entwickeln. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass in Deutschland ein Umbruch stattfinden muss, beziehungsweise stattfinden wird.

Dein Kino für Zuhause
Dein Kino für Zuhause

Mit Sky Cinema inklusive Paramount+​ findest du für jede Stimmung den richtigen Film. Eine riesige Filmvielfalt und exklusive Blockbuster in einem Paket vereint.

Sky Sport: Was traust du Klopp dabei zu?

Leno: Ich glaube, dass er der richtige Mann ist, um die Menschen wieder mitzureißen. Er kann die Leute überzeugen und genießt großen Respekt. Deshalb finde ich diesen Weg sehr spannend.

Sky Sport: Ihr seid euch in der Premier League häufig begegnet. Habt ihr im Rahmen der Nominierung miteinander gesprochen?

Leno: Natürlich kennt man sich aus der Premier League. Persönlich kenne ich ihn allerdings nicht besonders gut. Ich hatte bisher auch keinen Kontakt mit Klopp. Dafür bin ich im ständigen Austausch mit dem Torwarttrainer. Bei den Torhütern ist die Situation ohnehin immer ein bisschen anders. Es gab bislang keinen Kontakt wegen einer möglichen Nominierung. Ich sehe das alles sehr entspannt.

Die Zukunft im deutschen Tor

Sky Sport: Mit Marc-Andre ter Stegen gibt es einen erfahrenen Torwart, der sehr viel Verletzungspech hatte. Wie blickst du auf seine Perspektive?

Leno: Bei Marc ist das natürlich maximal unglücklich gelaufen. Vielleicht verdient er auch einfach die Chance, wieder richtig fit zu werden und anschließend zurückzukommen. Wie sich die Situation insgesamt entwickelt, wird man sehen.

Sky Sport: Alexander Nübel, Finn Dahmen, Noah Atubolu und Jonas Urbig gehören zu den Torhütern, die für die Zukunft infrage kommen. Kannst du die Auswahl nachvollziehen?

Leno: Perspektivisch wahrscheinlich schon. Ich weiß allerdings nicht genau, wer sich gerade in welcher Form befindet. Deshalb kann ich das auch nicht abschließend beurteilen. Aber gerade bei Jonas Urbig kann ich verstehen, dass man ihn für die Zukunft aufbauen möchte.

Erlebe Live-Sport in der Sky Sport App
Erlebe Live-Sport in der Sky Sport App

Mit der Sky Sport App können Sky Kunden Live-Sport jetzt auch direkt in der App streamen – ideal für unterwegs oder als Second Screen. Einfach kostenlos im App Store und bei Google Play herunterladen!

Sky Sport: Manuel Neuer hat die deutsche Nationalmannschaft über einen außergewöhnlich langen Zeitraum geprägt. Siehst du unter den jüngeren Torhütern jemanden, der eine ähnliche Ära prägen könnte? Oder wird es künftig häufiger Wechsel im deutschen Tor geben?

Leno: Das ist sehr schwer zu sagen. Manuel Neuer hat die Messlatte unfassbar hochgelegt. Es ist wahrscheinlich unmöglich, das zu übertreffen oder auch nur zu erreichen. Man sollte auch nicht den Fehler machen, die jungen Torhüter ständig an ihm zu messen. Damit macht man es ihnen nur noch schwerer.

Sky Sport: Wem traust du die Nachfolge am ehesten zu?

Leno: Ich glaube, wenn Jonas Urbig bei Bayern seine Chance bekommt und sich dort durchsetzt, dann ist er für mich ein Kandidat, der Neuer ablösen kann. Bayern ist einer der besten Vereine der Welt. Wer sich dort durchsetzt, bringt natürlich sehr gute Voraussetzungen mit. Aber ich bin auch zu weit weg, um das abschließend beurteilen zu können. Das ist nur meine persönliche Meinung. Die Zeit wird es zeigen.

Eine Rückkehr zur Nationalmannschaft bleibt möglich

Sky Sport: Du selbst bist nicht aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Stehst du weiterhin bereit, falls du gebraucht wirst?

Leno: Ich habe nicht gesagt, dass ich nicht zurückkommen werde. Ich sehe das alles sehr entspannt. Natürlich kommt es darauf an, welche Rolle für mich vorgesehen wäre. Wenn jemand zu mir kommt und mir etwas von einer langfristigen Perspektive erzählt, ist er in meinem Alter wahrscheinlich an der falschen Adresse. Aber ich war immer mit den Jungs in Kontakt. Das ist alles sehr entspannt. Ich mache da überhaupt keinen Druck und keinen Stress.

Sky Sport: Es kann schließlich immer eine Situation entstehen, in der ein erfahrener Torwart gebraucht wird.

Leno: Genau.

Sky Sport: Wie sieht deine Zukunft beim FC Fulham aus? Dein Vertrag läuft nach bisherigem Stand am Saisonende aus, der Verein soll allerdings noch eine Option besitzen. Möchtest du weiterhin in der Premier League spielen?

Leno: Wie ich schon gesagt habe: Ich liebe die Premier League. Ich liebe es hier, ich liebe London und fühle mich mittlerweile richtig zu Hause. Deshalb sehe ich die Situation sehr entspannt. Mal schauen, ob es noch mindestens ein Jahr weitergeht. Wir haben mit dem Verein noch viel vor.

Sky Sport: Und du hast persönlich auch noch ein paar Ziele?

Leno: Ja, es gibt beispielsweise noch einen deutschen Rekord zu knacken. Vielleicht kann ich noch Robert Huth (322 Spiele in der Premier League) ablösen. Das ist allerdings noch ein weiter Weg. Wenn ich noch ein, zwei Jahre spiele, könnte es vielleicht klappen. Aber grundsätzlich sehe ich meine Zukunft sehr positiv und entspannt.

Sky Sport: Gibt es bereits konkrete Gespräche über deine Zukunft?

Leno: Im Fußball weiß man nie, was passiert. Niemand weiß, was morgen ist oder wie die Situation in ein paar Monaten aussieht. Deshalb mache ich mir darüber nicht allzu viele Gedanken.

Zum Transfer Update: Alle Wechsel, alle Gerüchte
Zum Transfer Update: Alle Wechsel, alle Gerüchte

In unserem täglichen Liveblog halten wir Dich über alle Gerüchte und fixe Transfers auf dem Laufenden.

Sky Sport: Bist du jemand, der am liebsten bis 40 weiterspielen möchte?

Leno: Ich muss sagen, dass ich den Fußball heute teilweise sogar noch mehr genieße als früher. Man geht mit vielen Dingen entspannter um. Ich komme nach wie vor sehr gerne zum Training. Natürlich gibt es auch mal Tage, an denen man nicht ganz so viel Lust hat. Aber ich würde mich niemals darüber beschweren, dass ich heute wieder trainieren muss.

Sky Sport: Auch wenn die Beine morgens vielleicht mal etwas schwerer sind?

Leno: Klar, manchmal kommst du morgens zum Training und fühlst dich ein bisschen schwer. Aber sobald du auf dem Platz stehst, vergisst du das alles. Fußball ist für mich irgendwie die beste Medizin. Ich schätze das jeden Tag. Es ist ein riesiges Privileg, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Ich gebe jedes Mal Vollgas und habe einfach noch riesigen Spaß daran.

Warum London für Leno zur zweiten Heimat wurde

Sky Sport: Du lebst seit vielen Jahren in England. Was schätzt du besonders an der englischen Lebensart? Was gibt dir London, das du vielleicht anderswo nicht in dieser Form erlebt hast?

Leno: In erster Linie feiere ich London total. Diese Stadt ist unglaublich multikulturell. Du begegnest überall auf der Straße Menschen mit ganz unterschiedlichen Mentalitäten und aus den verschiedensten Kulturen. Trotzdem funktioniert das Zusammenleben. Genau das finde ich so faszinierend.

Sky Sport: Ist das für dich ein Unterschied zu Deutschland?

Leno: In Deutschland gibt es natürlich auch viele unterschiedliche Kulturen. Aber ich habe den Eindruck, dass das Zusammenleben nicht immer auf die gleiche Weise funktioniert. Das finde ich ein bisschen schade. Gerade deshalb feiere ich London. Ich finde die Stadt überragend. Die Menschen sind sehr nett und entspannt.

Sky Sport: Du bist ein erfolgreicher Auswanderer, hast aber natürlich weiterhin Familie und Freunde in Deutschland und bist deiner Heimat verbunden. Mit welchen Gefühlen blickst du heute auf Deutschland?

Leno: Heimat ist Heimat. Daran wird sich auch nichts ändern. Natürlich bekommt man mit, was in Deutschland passiert. Im Moment sieht vieles ein bisschen chaotisch aus. Die Stimmung ist nicht besonders gut, viele Menschen leiden unter der Situation, und das Leben ist sehr teuer geworden.

Sky Sport: Hat sich dein Blick auf Deutschland durch die vielen Jahre in England verändert?

Leno: Hier in England ist natürlich auch vieles sehr schön. Aber wenn man beispielsweise die Infrastruktur vergleicht, ist Deutschland in vielen Bereichen weiterhin auf einem deutlich höheren Niveau. Man sollte nicht alles schlechtmachen. Ich liebe London, aber irgendwann kehre ich zurück nach Bietigheim-Bissingen - und darauf freue ich mich auch schon.

Mehr zum Autor Sven Toellner

Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.

Mehr Geschichten

Sky Data Layer Viewer