Der große HouKIMI
Kimi Antonelli zaubert in den engen Gassen des Fürstentums Monaco eine Fabelrunde auf den Asphalt und sichert sich spektakulär die Pole Position.
06.06.2026 | 20:35 Uhr
Der Mercedes-Pilot schwebt auch beim diesjährigen Europa-Debüt der Formel 1 weiter auf einer Erfolgswelle und beweist auf seiner spektakulären Pole-Runde fast schon magische Fähigkeiten.
Harry Houdini (1874-1926), mit bürgerlichem Namen Erik Weisz, wurde in Budapest geboren und entwickelte sich zu einem der berühmtesten Entfesselungskünstler der Geschichte. Seinen internationalen Durchbruch erlangte er mit spektakulären Flucht-Shows, bei denen er sich aus Handschellen, Gefängnissen und sogar aus Zwangsjacken befreite. Houdini beeindruckte sein Publikum durch außergewöhnliche Körperbeherrschung, technisches Wissen und große mentale Stärke.
Antonelli: "Das war eine magische Runde"
Ähnliche Fähigkeiten legte 100 Jahre nach dem Tod Houdinis Kimi Antonelli in den engen Straßen von Monaco an den Tag. Der erst 19-jährige Italiener verzauberte an diesem Samstag die Formel-1-Welt mit einer schier unglaublichen Runde im Qualifying. Nachdem sich Charles Leclerc, Lewis Hamilton und Max Verstappen kurz vor Quali-Schluss an dem Mercedes-Piloten vorbeigeschoben hatten, gehörte Antonelli die letzte Patrone - und diese nutzte der Italiener auf beeindruckende Art und Weise.
Mit absolutem Fokus und einer unfassbaren Beherrschung über seinen Boliden schlängelte sich der in Bologna geborene Youngster wie entfesselt durch die Straßen des Fürstentums und unterbot die Bestzeit von Verstappen nochmals um 43 Tausendstel! "Das war eine magische Runde, ich habe alles zusammengebracht", sagte Antonelli im Anschluss mit ordentlich Stolz in der Stimme.
Und weiter: "Es ist das intensivste Qualifying des Jahres. Da musst du dich wirklich ganz massiv reinhängen und immer am Limit sein, die Mauer kommt immer näher - es ist nicht einfach. Es war so eng mit Max (Verstappen, Anm. d. Red.). Beim ersten Versuch lagen wir gerade einmal eine Tausendstel auseinander. Ich wusste aber, dass ich die Rundenzeit drin habe und habe gehofft, dass es reicht. Jetzt bin ich super happy."
Mercedes-Bosse loben Antonelli
Mit seiner Fabelrunde durchbrach Antonelli eine lange italienische Leidenszeit in Monaco. Jarno Trulli war vor 22 Jahren der letzte italienische Polesetter im Fürstentum. Auch Mercedes musste lange auf den ersten Startplatz in Monaco warten - nämlich seit 2019.
Dementsprechend zufrieden zeigte sich auch Ola Källenius (CEO Mercedes-Benz Group) am Sky Sport Mikrofon: "Es war unglaublich spannend. Als die anderen alle schneller wurden, dachte ich mir: 'Jetzt muss er wirklich, wirklich was hinlegen, um das zu holen.' Und das war unglaublich stark! Die Lernkurve ist unglaublich steil. Mit den Siegen wächst sein Selbstvertrauen immer mehr. Und als Fahrer, wenn das Selbstvertrauen dann mitfährt, wird man schneller! Das merkt man bei Kimi."
Für Mercedes-Teamchef Toto Wolff war es gar "eine Runde für die Geschichtsbücher. Als ich den Leclerc durch das Schwimmbad hab' fliegen sehen, habe ich gedacht: 'Das kann man nicht schlagen.' Unglaublich!"
Allerdings drückte Wolff auch auf die Euphoriebremse. "Wir müssen aufpassen, dass er nicht Ikarus wird", sagte der Mercedes-Teamchef in Anspielung an die Legende von Ikarus aus der griechischen Mythologie, als dieser zu nah in die Sonne flog, seine Flügel zerfielen und er ins Meer stürzte. "Wir wollen ihn schon ein bisschen am Boden halten. Das ist er auch vom Charakter. Und die Eltern helfen da mit. Aber es wird immer schwieriger. Er ist sauschnell. Er ist WM-Kandidat. Er sieht gut aus. Er spricht gut."
Legt Antonelli seine Start-Schwäche ab?
Was Kimi (noch) nicht so gut kann, ist der Start. In dieser Saison hatte er damit immer wieder Probleme und büßte hin und wieder einige Plätze ein. In den ersten drei Rennen der Saison verlor er in Runde eins insgesamt weit über zehn Plätze! Sollte sich diese Statistik in Monaco fortsetzen, wäre dies fatal! Aufgrund der Streckencharakteristik kann man im Fürstentum kaum bis gar nicht überholen.
Es würde allerdings nicht verwundern, wenn der junge Italiener mit ordentlich Selbstvertrauen und mentaler Stärke auch diese Schwäche am Sonntag in Monaco ablegen würde.
Immerhin ist er ja spätestens seit seiner Fabelrunde im Qualifying der große HouKIMI ...
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