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Lothar Matthäus Kolumne zum Saisonstart in der Bundesliga

Matthäus fordert: Keine Strafe für Leistner

23.09.2020 | 14:55 Uhr

Lothar Kolumne setzt sich für einen Freispruch für HSV-Profi Leistner ein.
Image: Lothar Kolumne setzt sich für einen Freispruch für HSV-Profi Leistner ein. © Getty

Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de. In dieser Woche dreht sich alles um den furiosen Saisonstart, die Titelkandidaten Bayern und Dortmund , die Probleme beim FC Schalke sowie die Sperre für HSV-Profi Toni Leistner.

Der Ball rollt wieder, Tore fallen und die Liga sorgt für Emotionen

Endlich hat die neue Saison begonnen. Wie alle Fans in Deutschland, habe ich mich sehr darüber gefreut, dass der Ball wieder rollt, Tore fallen und die Fußball-Bundesliga für Emotionen und Diskussionen sorgt. Außer in München und in Köln gab es nach langer Zeit auch wieder einige Fans im Stadion. Das macht mir ein bisschen Hoffnung auf bessere Zeiten und irgendwann auch wieder vollere Ränge. Beim Top-Spiel zwischen Dortmund und Gladbach war es teilweise schon wieder sehr stimmungsvoll.

Ich finde, die DFL, die Klubs und die Politik haben ein gutes Konzept und deshalb waren Zuschauer auch in fast allen Stadien wieder begrenzt erlaubt. Natürlich steht die Gesundheit der Bevölkerung über allem und trotzdem war der Anblick etwas positiver, als ein ganz leeres Stadion.

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Meisterschafts-Kampf? Schwer vorstellbar, aber nicht unmöglich

Ich wünsche mir einen spannenden Meisterschafts-Kampf. Aber nach der Glanz-und-Glamour-Vorstellung des FC Bayern am ersten Spieltag und einem 8:0 weiß ich nicht, ob das wirklich realistisch ist. Wie man ein paar Wochen nach dem Champions-League-Sieg und nur wenigen Trainingseinheiten später schon wieder so einen Fußball zelebrieren kann, ist schon sensationell. Das lag natürlich nicht nur an der großen Klasse der Bayern, sondern auch am Gegner aus Gelsenkirchen.

Die Bayern haben aktuell den besten Mix aus Trainer, Spieler und Führung, den es in diesem Verein jemals gab. Das ist eine Erfolgsmaschinerie, die dabei trotzdem noch familiär und freundschaftlich geführt und miteinander verbunden ist. Mehr geht nicht. Der BVB bleibt Bayern-Konkurrent Nummer eins. Sie haben eine wirklich gute Mannschaft. Es sticht natürlich der Wundersturm heraus mit Super-Talenten wie Haaland, Sancho und Co. Das sind ganz spektakuläre Spieler und wie man gerne sagt: jung und wild.

Aber das alleine bringt keine Meisterschaft, wie wir in den letzten Jahren gesehen haben. Es braucht auch erfahrene Anführer. Und die hat Borussia Dortmund im Kader. Ich denke da an Hummels, Can, Bürki, Witsel, Piszczek und auch Reus. Vor allem in den Spielen gegen die Bayern oder anderen entscheidenden Partien, sind diese Akteure gefragt. Sie müssen dann voran gehen, führen und den Jung-Stars eine Stütze sein. Es geht darum, Ruhe und gleichzeitig Selbstvertrauen und Siegeswille auszustrahlen und im richtigen und wichtigen Moment voll da zu sein. Das 3:0 gegen Gladbach war etwas zu hoch. Es war ein Sieg der Effizienz, aber er ging in Ordnung und war verdient.

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Schalkes Mannschaft ist viel besser, als sie sich verkauft

Auch wenn David Wagner als Cheftrainer von Schalke 04 natürlich der Hauptverantwortliche für die sportliche Leistung auf dem Platz ist, so scheint es momentan trotzdem eine sehr verzwickte und schwierige Aufgabe für ihn zu sein. Die Negativ-Serie von 17 Spielen ohne Sieg nagt an jedem Beteiligten und er muss jetzt dafür sorgen, dass seine Spieler wieder zu Selbstvertrauen kommen. Dass sie eine gewisse Lockerheit wieder erlangen, aber gleichzeitig fokussiert sind und gute Leistungen bringen.

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Diese Mannschaft ist von ihrem Potenzial viel besser, als sie sich aktuell verkauft. Gegen die Bayern kann und darf man verlieren. Das macht ohnehin fast jeder. Aber die Schalker, und das ist das große Problem dieses Teams, haben sich in der Allianz Arena völlig aufgegeben. Eines scheint mir an Wagners Stelle besonders kompliziert zu sein. Es gibt einige Leistungsträger wie Fährmann, Uth, Rudy oder Bentaleb, die bereits aussortiert waren und jetzt für Wagner und den Klub die Kohlen aus dem Feuer holen sollen. Keiner spielt mit Absicht schlecht. Aber das sind Dinge, die sich im Unterbewusstsein abspielen.

Vor ein paar Monaten wird man weggeschickt, weil man diesem Trainer offensichtlich nicht gut genug war und jetzt muss man zu diesem Team zurück, weil die Planungen vielleicht doch anders verlaufen sind als gedacht und soll sein letztes Hemd für Coach und Club geben. Es gibt Spieler, die nach solchen Vorkommnissen ein wenig aufgebaut werden müssen. Man braucht dann als Trainer einen besonderen Zugang zum einen oder anderen.

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So wie beispielsweise Flick ihn mit Thomas Müller bewiesen hat. Es wird natürlich ungleich schwieriger, wenn das derselbe Trainer machen muss, der einen noch vor ein paar Monaten vom Hof gejagt hat. Es kommt nun ein ganz entscheidendes Spiel für Wagner und Schalke. Der gefühlte Krisen-Gipfel am 2. Spieltag gegen Werder Bremen.

Beide mit einer vergangenen Saison zum Vergessen und nun schon wieder unter solchem Druck nach zwei hohen Start-Niederlagen. Beide benötigen einfach mal ein Erfolgserlebnis. Die siegreiche Relegation gegen Heidenheim ist ja nicht der Maßstab für Bremen. Das war das Mindeste. Aber sowohl SVW als auch S04 müssen irgendwie dafür sorgen, dass sie am Montag nach langer Zeit wieder mit einem Lächeln zum Training erscheinen. Und dafür kann nur ein Sieg sorgen.

Hoeneß vs. Hoeneß: Für 90 Minuten ruht die familiäre Freundschaft

Ich freue mich für jeden jungen Trainer, der die Chance auf einen Chefposten bekommt. Sebastian Hoeneß hat sich diese Aufgabe durch seine tolle Arbeit mit der zweiten Mannschaft des FC Bayern verdient. Die offensive Spielphilosophie, die in Hoffenheim erwünscht ist, passt zum Trainer. So ist auch sein Verständnis von Fußball und so hat er es auch in München vorgelebt.

Natürlich ist der Name Hoeneß ein ganz besonderer in der Bundesliga und im Deutschen Fußball. Sein Onkel Uli steht für den FC Bayern, sein Vater Dieter gehört ebenfalls zur Bundesliga-Historie und nun darf der junge Trainer selbst seine Fußstapfen hinterlassen und gegen den Verein sein Können beweisen, bei dem er als Trainer gelernt hat. Während der 90 Minuten wird die familiäre Freundschaft ruhen. Da ist jeder Profi und will gewinnen. Für die Familie Hoeneß und vor allem für Sebastian ist es aber mit Sicherheit etwas ganz Besonderes.

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Leistner sollte freigesprochen werden

Das Thema rund um die Auseinandersetzung zwischen HSV-Profi Toni Leistner und dem Dresden-Fan hat hohe Wellen geschlagen. Meine Meinung dazu ist folgende: Auch ein Fußballspieler muss sich nicht alles und jede Beleidigung gefallen und über sich ergehen lassen. Wenn es tatsächlich stimmen sollte, dass der Fan dem ungeborenen Kind von Leistner und seiner Frau etwas richtig Böses gewünscht hat und dabei extrem verletzende und zutiefst kränkende Äußerungen von sich gegeben hat, kann ich die Reaktion von Leistner absolut nachvollziehen. Ich plädiere in diesem Fall sogar für einen Freispruch, weil der HSV-Profi nicht wirklich gewalttätig wurde.

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Sportanwalt Christoph Schickhardt schätzt Situation um Toni Leistner ein. HSV-Spieler will Strafe nicht hinnehmen und sucht Gespräch mit dem DFB. (Videolänge: 59 Sekunden)

Ich habe mir die Szene einige Male angesehen und konnte keinen Schlag oder Ähnliches erkennen. Er hat ihn noch nicht einmal wirklich geschubst, sondern lediglich mit etwas Nachdruck dafür gesorgt, dass sein Gegenüber wieder auf dem Hosenboden sitzt. Ein Spieler ist kein Freiwild. Wir alle setzen uns total zu Recht und mit allen Mitteln gegen jede Art von Diskriminierung, Hass und Gewalt im Stadion ein. Sollten der Dynamo-Sympathisant wirklich das Ungeborene Kind der Leistners mehrmals verbal attackiert haben, ist hier eine Grenze überschritten, die mindestens jeder Familien-Vater versteht. Und dann könnte man in so einem Fall den Spieler von einer Strafe absehen.

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