Bernd Neuendorf nach dem WM-Sieg gegen Elfenbeinküste über DFB-Team und Deniz Undav

Bernd Neuendorf spricht im exklusiven Interview mit RTL über den Zusammenhalt des DFB-Teams bei dieser WM, die Rolle von Deniz Undav und seine persönlichen Eindrücke nach dem Spiel gegen die Elfenbeinküste.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist stolz auf die deutsche Nationalmannschaft.
Image: DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist stolz auf die deutsche Nationalmannschaft.  © DPA pa

Außerdem spricht der DFB-Präsident über Felix Nmecha, dessen Glaube, Werte und politische Positionierung.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf…

… auf die Frage nach seinen persönlichen Eindrücken nach dem Spiel gegen die Elfenbeinküste:

"Es ist immer eine besondere Anspannung, wenn man als Präsident oben auf der Tribüne sitzt. Umso befreiender ist es, wenn es so ausgeht. Man möchte kontrolliert bleiben, aber als Fußball-Fan gelingt das einem nicht immer. Ich bin sehr stolz und zufrieden mit der Leistung. Wir sind Gruppenerster und haben das erste wichtige Etappenziel erreicht. Kompliment an alle Spieler. Man hat gesehen, wie alle bei den Toren mitgegangen sind. Das haben wir beim DFB auch nicht immer so gehabt. Ich nehme einen großen Zusammenhalt wahr. Das ist ein Verdienst des Trainerteams hinter dem Team, die dafür sorgen, dass der Fokus auf dem Fußball liegt und die Gemeinschaft stimmt. Insofern sind wir nach dem Spiel sehr zufrieden."

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Die deutsche Nationalmannschaft ist vorzeitig ins WM-Sechzehntelfinale eingezogen. Deniz Undav erzielte erst den Ausgleich und traf dann zum 2:1.

… auf die Frage, ob der Zusammenhalt besser ist als bei der WM 2022 in Katar:

"Das ist immer unterschiedlich. In Katar gingen wir aus dem ersten Spiel mit einer Niederlage heraus und das dämpft natürlich auch ein bisschen die Stimmung. Hier hatten wir zu Beginn einen hohen Sieg und auch das schwierige Spiel gegen die Elfenbeinküste erfolgreich gestaltet. Es hat viel mit Ergebnissen zu tun und wie man in ein solches Turnier reinkommt. In Katar ist das nicht gelungen, obwohl wir damals gegen Japan nicht schlecht gespielt haben. Aber ich bin sehr froh, dass es hier mit zwei Siegen gut angelaufen ist."

… auf die Frage, wie er die Rolle von Deniz Undav einschätzt:

"Es ist einfach phänomenal, wie er von der Bank kommt, sich nahtlos in das Spiel einfügt und überhaupt keine Anlaufzeit braucht und mit welcher Selbstverständlichkeit er die Aufgabe wahrnimmt, die ihm zugedacht ist. Er denkt wenig nach, wenn er den Ball in der Box bekommt und versucht, das Beste draus zu machen. Aber auch die Vorbereitungen von Nadiem Amiri und Felix Nmecha will ich nicht außenvor lassen. Aber man muss die Tore machen - das hat Deniz hervorragend gemacht. Aber es war wie immer eine Mannschaftsleistung und die stimmte eben auch ganz besonders."

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… auf die Frage, ab wann das Turnier für ihn als Erfolg zu werten ist:

"Die erste Etappe ist schon einmal sehr erfolgreich verlaufen. Wir hatten die Hoffnung, dass wir den Gruppensieg klarmachen, obwohl ich immer gesagt habe, dass es keine leichte Gruppe ist. Wenn man sich die Mannschaften aus Ecuador und der Elfenbeinküste genauer anschaut, dann sieht man, welche Spieler mit internationaler Erfahrung und Klasse da sind. Da muss man Demut haben, insbesondere nach den beiden letzten Turnieren. Das haben wir gehabt. Eine Zielvorgabe ist extrem schwierig, weil die Leistungsdichte mittlerweile so hoch ist. Da ist es oft auch ein Glücksfaktor, ob man weiterkommt oder nicht. Das haben wir bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land leidvoll erfahren. Aber das Zutrauen, das wir als Verband und ich als Präsident in die Mannschaft und die gesamte sportliche Leitung haben, ist enorm. Deshalb glauben wir, dass der Weg noch eine ganze Strecke weit führen kann."

… auf Frage, woher der vermehrt festgestellte Rassismus rührt:

"Das ist schwer zu sagen. Wir sind als Verband natürlich stark involviert und nehmen - nicht nur im Profi-, sondern auch im Amateurbereich - rassistische Vorfälle wahr. Es ist ein großes Thema im Netz, wo sich Menschen rassistisch und antisemitisch äußern."

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… auf die Zwischenfrage, ob das mit einem Rechtsruck in Deutschland und der Rolle der AfD zu tun haben könnte:

"Ich würde das nicht an parteipolitischen Dingen festmachen. Es findet im Netz eine Enthemmung statt, wo Menschen nicht einmal mehr Scheu haben, mit Klarnamen solche Positionen zu vertreten. Das ist gerade in Verbindung mit dem Fußball das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Der Fußball steht für uns alle im DFB und für mich als Person für genau das Gegenteil von dem, was teilweise gepostet wird und was wir teilweise lesen müssen. Fußball steht für das Verbindende, für Toleranz und Respekt. Wir versuchen als Verband, dagegen zu steuern und nicht nur zu löschen. Wir haben mittlerweile in allen Landesverbänden Anlaufstellen gegen Rassismus und Diskriminierung geschaffen. Wenn es solche Vorfälle gibt, dann gibt es auch Möglichkeiten, sich an Menschen zu wenden, die diese Vorgänge verfolgen - möglicherweise auch strafrechtlich. Wir haben verschiedene Projekte, die wir auch mit der Politik zusammen durchführen, wir vergeben Preise wie den Julius-Hirsch-Preis, der für mich einer der wichtigsten Preise des DFB ist und sich gegen Rassismus und Diskriminierung ausspricht. Wir machen eine ganze Menge, aber es ist eine Daueraufgabe, der wir uns - leider - stellen müssen. Wir werden da nicht ruhig bleiben und ich an erster Stelle auch nicht."

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… auf Frage nach Felix Nmecha und Vorwürfe gegen ihn in Bezug auf transfeindliche und homophobe Postings in der Vergangenheit:

"Wir haben seinerzeit die Berichterstattung auch beim DFB verfolgt und seine Einlassungen dazu gehört. Er hat das zurechtgerückt, sich klar positioniert und von solchen Vorwürfen distanziert. Ich glaube, das Bekenntnis zu Gott, das hier auch durch seine Gebete auf dem Platz stattfindet, sein Glaube, den er verkörpert und - übrigens ja auch mit anderen Spielern - zum Ausdruck bringt, ist in einer säkularisierten Welt für einige Menschen vielleicht etwas ungewöhnlich. Aber ich glaube, die Intention, die er damit verfolgt, ist positiv. Dass man über das Fußballspielen hinaus für ganz bestimmte Dinge steht, für Menschlichkeit und Respekt. Das nehme ich ihm hundertprozentig ab. Er ist ein sehr sensibler Mensch und steht für christliche Werte. Das ist zunächst einmal etwas Positives.

… auf die Nachfrage, ob er Nmecha seine Entschuldigungen aus voller Überzeugung abnehme:

"Ja, das würde ich schon so sagen. So, wie ich ihn kenne oder erlebe, sehe ich das so."

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