Toto Wolff will bei Mercedes Eskalation zwischen George Russell und Kimi Antonelli verhindern
Der Silberpfeil-Boss zieht dabei alle Register und wird unter sechs Augen deutlich.
24.05.2026 | 11:29 Uhr
Wolff hat aus der Vergangenheit gelernt. Aber auch die Konkurrenz ist ein wichtiger Grund, warum der Österreicher ganz deutlich Grenzen setzt.
Toto Wolff ist der Boss bei Mercedes. Und so verhält er sich auch.
Vor der Kamera stellt sich der 54-Jährige schützend vor seine Fahrer, setzt aber auch klare Grenzen. Hinter den Kulissen sagt er teamintern klar, was er erwartet - und was eben nicht. George Russell und Kimi Antonelli dürften ihre Lektion nach dem Sprint-Qualifying in Kanada samt teaminternen Zoff gelernt haben.
Russell und Antonelli beenden Zoff
"Wir haben uns gut unterhalten, haben miteinander gesprochen. Wir sind Rennfahrer und wissen beide, was wir zu tun haben. Wir respektieren uns gegenseitig", erklärte Russell im Interview im Parc ferme angesprochen auf den silbernen Sprint-Zoff. Auf der Fahrer-Pressekonferenz betonte er zudem: "Wir wissen, dass die Regel Nummer eins ist, dass wir als Teamkollegen niemals crashen dürfen."
Dazu wäre es im Sprint beinahe gleich zweimal gekommen, eine Berührung in Runde sechs inklusive. Doch Wolff machte seinen beiden Schützlingen deutlich, dass es bei dieser bleiben soll und wird. "Wir hatten ein Gespräch und jetzt ist alles wieder gut. Toto war dabei, wir haben uns alles angeschaut", erzählte Antonelli auf der Fahrer-Pressekonferenz. Die Wolff-Botschaft war deutlich.
JETZT ABSTIMMEN!
Wolff mit klarer Botschaft an seine Piloten
Bereits nach dem Sprint erklärte der Mercedes-Boss, dass er in Zukunft "diese Situationen vermeiden" will, wo sich seine beiden Piloten gegenseitig in die Quere kommen. Vor dem Qualifying sprach er dann ausführlich zunächst mit seinen Vertrauten und dann mit Russell und Antonelli persönlich. Nach der Session kam er dann ins Parc ferme, um mit beiden abzuschlagen.
"Das Gespräch war ausgezeichnet. Ganz offen: Ich habe beide gefragt, wie sie fahren wollen. Wollen wir so fahren, als wäre der Teamkollege wie ein anderer Dritter? Das finde ich auch okay. Dann weiß jeder von euch, was zu erwarten ist. Oder wir fahren wie Micky Maus und überholen nur auf der Geraden. Oder wir vertrauen euch, wissen, wie ihr miteinander umgehen könnt, wo ihr euch überholen könnt, ohne zu viel Risiko zu gehen. Und sie haben beide gesagt: 'Gib uns nochmal die Chance, uns zu vertrauen'", verriet Wolff am Sky Sport Mikrofon. Eine Chance will er beiden noch geben.
Schumacher lobt Mercedes-Boss Wolff
"Toto ist ehrlich. Er weiß, wie man junge Fahrer händelt. Er ist auch selbst gefahren. Das zeichnet ihn aus. Es wird spannend im Rennen. Durch die ersten beiden Kurven, da müssen sie durch", meinte Sky Sport F1-Experte Ralf Schumacher und lobte den Mercedes-Teamchef. Wolff will vermeiden, dass eine vergiftete Atmosphäre im Team entsteht wie einst zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton in den Jahren 2014 bis 2016.
Dass Wolff bei den ersten Anzeichen von Zoff schon so energisch eingreift, ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass die Konkurrenz deutlich näher herangerückt ist als noch an den ersten drei Rennwochenenden. Vor allem Weltmeister Lando Norris, der schon im Sprint vom Mercedes-Zoff profitierte, ist ganz nah an die Silberpfeile herangerückt und ein ernst zu nehmender Gegner.
Konkurrenz näher an Mercedes dran
"Ein sehr ermutigender Tag. Wir können mit Mercedes mithalten. Der Trend ist klar. Mercedes hat das schnellste Auto, aber wir sind näher dran. Unser Auto verhält sich gut in den Kurven. Wir verlieren etwas Zeit auf den Geraden und müssen uns anschauen, warum das so ist. Insgesamt aber ein Fortschritt. Da wird auch noch einiges kommen an neuen Teilen bei den kommenden Rennen", freute sich McLaren-Teamchef Andrea Stella bei Sky Sport. Auch Norris' Teamkollegen Oscar Piastri war in Montreal in Reichweite.
Dahinter reite sich Ferrari ein. Vor allem Hamilton konnte im Qualifying richtig überzeugen. Ferrari-Teamchef Fred Vassuer war sehr zufrieden mit der Pace des siebenmaligen Weltmeisters, der allerdings auf seiner entscheidenden Runde patzte. Charles Leclerc erlebte laut eigener Aussage "bisher ein Albtraum-Wochenende" und haderte mit seinem springenden Pferd. Red Bull um Max Verstappen ist in Kanada klar nur die vierte Kraft und enttäuscht bislang.
Dennoch: Aufgrund der Quantität und Qualität der Konkurrenz sowie der schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit hat Toto Wolff das Recht, Russell und Antonelli klare rote Linien für das teaminterne Racing auf der Strecke vorzugeben. Das hat er mit einer deutlichen Botschaft und viel Führungsqualität eindrucksvoll untermauert. Jetzt müssen nur noch seine beiden WM-Kandidaten mitspielen.
Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.